Griem, Walter

Ackerbürger in Jerichow, Nationalsozialist. Seit 1937 Reichsarbeitsdienstführer. In den Prozess gegen Hagemeister und Warning verwickelt.

33 Er und Horst Papenbrock mussten Anfang der dreißiger Jahre »zu ihren Schlägereien nach Gneez« fahren, »weil die Sozialdemokraten in Jerichow ihre Nachbarn, Verwandten, Stadtverordneten waren«.

37 Marie fragt ihre Mutter: »Diesen Griem in Jerichow, hast du den gekannt? Lebt der noch?«

589-592 Einige Jahre später (1937) ist er Reichsarbeitsdienst-Führer (Oberfeldmeister), »hatte seinen Rang nicht als Belohnung bekommen, sondern weil er ein guter Bauer war, dem eine Ackerbürgerei in Jerichow nicht ausreichte. In großen Flächen denken, Arbeit über Jahre planen, Arbeiter anleiten, er war in der Tat dafür begabt. Allerdings, er hatte Geld angenommen, wenn er eine nasse Wiese in gräflichem Privatbesitz als volkswirtschaftlich wichtig meliorisieren ließ«.

In einem von Lisbeth Cresspahl mitgehörten Gespräch zwischen Warning und Hagemeister wird ihm nachgesagt, dass er sich vor 1933 »mit Hilfe eines jüdischen Akademikers einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft« habe. Tierarzt Dr. Semig soll ihm eine kranke Kuh »zum Abdecker begutachtet« haben, so dass Griem Ersatzzahlungen aus der Versicherung habe kassieren können (605). Lisbeths Bruder Robert Papenbrock bringt den Vorgang hinter dem Rücken der Familie zur Anzeige. Daraufhin werden Warning und Hagemeister wegen übler Nachrede (nach dem »Heimtückegesetz«) angeklagt und Dr. Semig, obwohl nur Zeuge, im Untersuchungsgefängnis in Gneez festgehalten. Von Berlin aus schaltet sich Peter Niebuhr hinter den Kulissen in den Prozess ein, um Griem eins auszuwischen, ohne zu bedenken, dass er damit auch Semig und Lisbeth Cresspahl schadet (vgl. 607 f.).

597-600 Der bevorstehende Prozess aus der Sicht von Landgerichtsdirektor Wegerecht: Weisungen von höherer Stelle lassen darauf schließen, dass der Prozess auf Griem zulaufen soll (vgl. 607-608../?id=2452). – Griem legt sich während eines Manövers der Wehrmacht Ende September 1937 mit Heeresoffizieren an, »ein bärbeißiges Rauhbein, das inzwischen gelernt hatte, Damen den Arm zu reichen«.

601-607 Sagt im Prozess Warning/Hagemeister aus: »Griem, massig, jovial, fast mit Fröhlichkeit versehen in seinem prallen, wetterfesten Gesicht, staatsmächtig in Uniform«. Der Staatsanwalt beantragt gegen ihn einen Verweis »wegen unerbetener Beratung des Gerichts«. Bei der Vernehmung von Dr. Semig beginnt Griem zu brüllen. Der vorsitzende Richter, Landgerichtsdirektor Wegerecht, erteilt ihm eine Ordnungsstrafe »wegen mangelnder Achtung vor der Würde des Gerichts«.

607-608 Über Peter Niebuhrs Versuch, im Hintergrund von Berlin aus in den Prozess zu intervenieren (vgl. auch 728 f. und Anhang IX).

Anhang XI Gehörte zu den ersten Nazis in Jerichow: »In der S.A. unter dem Rang des jungen Papenbrock, habe er den dennoch behandelt wie einen zimperlichen Hund.« Nach dem Krieg »wegen seiner Stellung im Reichsarbeitsdienst Bewohner eines Generalslagers in der Sowjetunion; oder aber Leiter eines Baustabes im sowjetischen Sektor von Berlin«.

Vgl. auch 105. 223. 356. 571. 615. 729. 1362.