Lexikon zu »Joseph und seine Brüder« (1933-43)

Abgeschlossene Einträge: 490   |   Letzte Änderung: 21.07.2018

N

Na   Ne   Ni   No   Nu

Nabu

Nabu ist der babylonische Gott der Schreibkunst, in Tyrus und Sidon nennt man ihn Taut. Hier wie dort sieht man in ihm »den Erfinder der Zeichen und den Chronisten der Uranfänge« (IV, 27). Er entspricht dem ägyptischen Thot, dem »Briefschreiber der Götter und Schutzherrn der Wissenschaft« (ebd.), dem griechischen Hermes und dem römischen Merkur.

Joseph hegt »geradezu eine Vorliebe und Schwäche« für diesen »wahrhaften, mäßigen und sorgsamen Gott«, der »sehr zarte und feierliche Beziehungen zum Mondgestirn unterhielt«, was »wiederum ganz nach Josephs Sinn« ist (IV, 26 f.).

Nabu ist wie Hermes-Merkur »ein leichter, beweglicher Gott, als welcher zwischen den Dingen zum Guten redet und fördert den Austausch«. Dabei kommt ihm seine »Gewitztheit« zu Hilfe, denn, so Joseph zum Vater, »es hat der Witz die Natur des Sendboten hin und her und des Unterhändlers zwischen Sonne und Mond und zwischen Schamaschs Macht und Sins Macht über den Körper und das Gemüt des Menschen« (IV, 108).

Mit dieser Beschreibung steuert Joseph auf die Deutung seines eigenen (und seines Autors) Geburtshoroskops zu, die sich unmittelbar anschließt (IV, 108-112). Denn bei seiner Geburt stand die Sonne im Zeichen der Zwillinge, und die Zwillinge sind »ein Nabuzeichen«, ein »Zeichen Thots, des Tafelschreibers«, unterstehen also Hermes-Merkur, von dem die in ihrem Zeichen Geborenen den Witz und die Natur des »Sendboten hin und her« empfangen. In Josephs (und seines Autors) Fall erhalten die Gaben Nabus durch die Konstellation einerseits mit dem Mond, andererseits mit Nergal (Mars) ein besonderes Gepräge (vgl. IV, 108 f.). Josephs astrologischer Vortrag für den Vater mündet in eine Deutung des doppelten Segens, der auf ihm ruht (IV, 109 f.), und der Rolle, die der von Nabu empfangene Witz dabei spielt: Er »wird erzeugt, damit er den Geschäftsträger und Unterhändler mache zwischen Vatererbe und Muttererbe und ausgleiche zwischen Sonnengewalt und Mondesgewalt und den Tagessegen lustig versöhne mit dem Segen der Nacht« (IV, 110).

Wie Thot und Hermes (Psychopompos) ist Nabu der Unterwelt verbunden und ein Führer auf dem Weg ins Totenreich. Deshalb ist der Mann auf dem Felde, der Joseph von Schekem nach Dotan zu den Brüdern (und später mit den Midianitern durch die Wüste an die Grenze Ägyptens) führt, »dem Nabu geweiht, dem Herrn des Westpunktes im Kreislauf, der in die unterweltliche Welthälfte führt« (IV, 545).

Joseph nennt seinen Führer auch einen »Diener des Gottes der Diebe« (ebd.), denn auch diese Eigenschaft verbindet Nabu mit Hermes-Merkur. Als Jaakob seinen beiden Frauen Lea und Rahel seinen Plan eröffnet, von Charran nach Kanaan zu fliehen, antworten sie wie aus einem Mund: »Stiehlst du dich fort, so stiehl auch mich hinweg nebst allem, was Abrahams Gott dir zugewandt, und Nabu, der Führer, der Gott der Diebe, sei mit uns!« (IV, 362). Rahel nimmt die Berufung auf Nabu wörtlich und stiehlt die Teraphim ihres Vaters: »Da man sich fortstahl und die Welt im Zeichen Nabu's stand, so stahl auch sie« (IV, 362).

Band IV: 26, 108-110, 258, 362, 545.

Über das sumerisch-babylonische Pantheon orientierte TM sich vornehmlich bei Meissner (II, 4-51) und Jeremias II (348-391). Maßgeblich war hier wohl die Darstellung von Jeremias II (375 f.), der auch auf die Identifizierung mit Hermes (Psychopompos) hinweist: Sie beruhe auf Nabus Zuordnung zum abendlichen bzw. herbstlichen Sonnenstand, »der im Kreislauf des Tages und Jahres in die Unterwelt führt« (376). Auch die Verbindung zu Hermes-Merkur als »Gott der Geschäfte« und der Hinweis auf Nabu als Gott der Diebe findet sich hier (ebd., Anm. 5).

Abb.: Kalksteinfigur vom Nabu-Tempel in Nimrud (Kalah).

Letzte Änderung: 04.08.2013  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nachor (Nahor)

Nachor war (1) der Vater Terachs, des Vaters von Abraham, wie Jaakob und Joseph in ihrem »Zwiegesang« künden (IV, 116; vgl. Genesis 11,24), und (2) Abrahams Bruder (IV, 492) und Vater Bethuels (IV, 225; vgl. Genesis 11,26). Er blieb anscheinend in der Gegend um Charran, während Abraham nach Kanaan weiterzog (vgl. Genesis 12, 4). Deshalb wird Charran auch öfter »Nachors« oder »Nahors Stadt« genannt (IV, 122, 222 u.ö.; vgl. Genesis 24, 10).

Band IV: 116, 122, 222, 225, 230, 254, 366, 492. – Band V: 1540.

Vgl. die Übersicht zur Genealogie – Im letzten Teil der Tetralogie wird Nachor fälschlich als ›Onkel Abrahams‹ bezeichnet (IV, 1540).

Letzte Änderung: 03.10.2008  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nachtfahrt der Sonne, Die

Eines der Bücher aus Peteprês Bibliothek, in dem die Nachtfahrt des Sonnengottes durch die Unterwelt beschrieben wird. Joseph muss es seinem Herrn nach dem Gespräch über die »Erfreuenden Lieder« vorlesen (V, 925).

Es handelt sich um das sog. »Amduat« oder »Die Schrift des verborgenen Raumes«, die an den Wänden zahlreicher Königsgräber des Neuen Reichs geschrieben steht. TM fand den Hinweis auf dieses Buch wohl bei Wiedemann (394).

Letzte Änderung: 14.04.2015  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Naftali Naphtali

Naharaim, Naharain, Naharajim, Naharin Naharina

Naharina (Naharin, Naharajim, Aram, Aram Naharaim, Naharain)

Region im nördlichen Mesopotamien, zu der auch Charran gehört. Hier machte Abraham auf seinem Weg von Ur in Chaldäa nach Kanaan Station, und hier lebt Jaakob 25 Jahre bei seinem Onkel Laban.

Naharina wird auch Sinear genannt (»Naharajim, das da sei Sinear«, IV, 605), wobei Sinear als Oberbegriff für den babylonischen Kulturraum allgemein zu verstehen ist als das Land, in dem der Mondgott Sin verehrt wird.

Jaakob nennt Naharina »bei sich selbst das Land Kurungia [sic]« (richtig: Kurnugia), das »Nimmerwiederkehr-Land« (IV, 245). Aber, so wendet der Erzähler ein, wenn Jaakob auch nach seiner Rückkehr aus Naharina noch lange lebte, »so träumte er den Traum seines Lebens doch, man kann es sagen, bei Laban im Lande Aram. Dort liebte er, heiratete er, dort wurden ihm von vier Frauen all seine Kinder bis auf den Kleinsten, zwölf an der Zahl, beschert, dort wurde er schwer von Habe und würdig von Lebensanwuchs, und nie kehrte der Jüngling wieder, sondern ein ergreisender Mann tat es, ein Fünfundfünfzigjähriger, ein Wanderscheich von Osten an der Spitze sehr grosser Herden, der ins Westland einzog, gleichwie in ein fremdes Land, und zog gen Schekem« (IV, 245 f.).

Band IV: 12, 17, 35, 144, 149, 157, 216, 218, 221, 245, 325, 385, 421, 473, 528, 605. – Band V: 995, 1431, 1722.

Vgl. Übersichtskarte. – Die Verortung Naharinas im nördlichen Mesopotamien stützt sich wohl auf Erman/Ranke, die von dem »Land Naharin am oberen Euphrat« sprechen (613).

Letzte Änderung: 03.10.2008  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nahor Nachor

Nahors Stadt Charran

Namtar (Namtaru)

Der mesopotamische Dämon oder Gott der Seuchen ist in der Unterwelt beheimatet, die deshalb u.a. auch der ›Ort Namtars, des Pestgottes‹ genannt wird (IV, 93). Als Rahel schwanger wird, bereitet ihre Mutter Adina eine Salbe zu, mit der sie der Tochter den Bauch einreibt zum Schutz vor allerlei bösen Geistern, namentlich vor dem ›schweren Namtaru‹ und der kinderfressenden Hexe Labartu. Ein Bestandteil der Salbe ist die geriebene Wurzel der »Pflanze Namtars« (IV, 337)

TM stützt sich hier wohl vor allem auf Meissner (II, 34 und v.a. 199-229), aus dem er auch Adinas Beschwörungsformeln und die Zusammensetzung ihrer Salbe entnimmt (Meissner II, 222 und 317). – Vgl. auch Jeremias II (163 f., 410-417) und Ungnad (116 f., 147 u.ö.). – Namtar ist auch Bote der Unterweltgötter Ereschkigal und Nergal (vgl. Ungnad, 149 f.; Meissner II, 34, 200). Bei der »Pflanze Namtars« handelt es sich möglicherweise um die Mandragora (Alraune).

Letzte Änderung: 22.02.2010  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nana Ischtar

Naphtali

Naphtali ist der sechste der zwölf Söhne Jaakobs. Seine Mutter ist Bilha, Rahels Magd, mit der Jaakob zwei Söhne zeugt, Dan und den ›schlanken und raschen‹ Naphtali (IV, 157). Er schien Bilha und Rahel »danach angetan, ein guter Ringkämpfer zu werden, weshalb sie ihn Naphtali nannten« (IV, 324; Genesis 30, 8).

Von Naphtali »hieß es wohl früh schon, daß er ›schöne Rede zu geben wisse‹«, aber davon will der Erzähler nichts wissen: dergleichen Urteile beruhten »auf volkstümlich bescheidenen Ansprüchen, und Naphtali’s Redegabe lief alles in allem auf eine ziemlich untergeordnete Zungenfertigkeit hinaus, die wissenschaftlich ungegründet war und mit Höherem nichts zu tun hatte« (IV, 412 f.).

Der »geläufige Naphtali« ist eine der zahlreichen, an Hermes gemahnenden Botenfiguren des Romans, auch wenn er sich selbst, seinen Brüdern und wohl auch dem Erzähler »von Geistes wegen nicht ansehnlich genug« erscheint, »um in einem mehr als oberflächlich-mythischen Sinn für die Rolle zu taugen« (V, 1620).

Seine Geläufigkeit betrifft seine langen, sehnigen Beine wie seine Zunge: Neuigkeiten für sich zu behalten, ist ihm kaum erträglich, und wenn es sein muss, läuft er weite Strecken, um sie zu verbreiten. »Der Raum und seine trennende Natur beherrschte Naphtali’s Vorstellung«, und die »Aufhebung der durch ihn bewirkten Unterschiede im Wissen der Menschen« möglichst rasch »durch das Ausgreifen seiner Beine« zu bewerkstelligen, betrachtet er als seine Aufgabe (IV, 490).

Als die vier Söhne der Mägde, Dan, Naphtali, Gad und Ascher, entdecken, dass Joseph dem Vater die Ketônet passîm, das reich bestickte Brautkleid Leas und Rahels, abgeschwatzt hat, gibt es für Naphtali kein Halten: »Sein Boteninstinkt, sein Melde- und Kommunikationsbedürfnis hatte sich von Anfang an stürmisch geregt und zerrte ihm in den Waden, daß er zappelte« (IV, 490).

Noch im hohen Alter bewahrt er sich »die Sehnigkeit seiner langen Beine und die plappernde Behendigkeit seiner Zunge, zusammen mit seinem Bedürfnis nach Ausgleich des Wissens auf Erden und hin- und herwechselnder Meldegängerei, fast unversehrt« (V, 1774). Sein »Boteninstinkt« wird innerhalb des Romans sprichwörtlich: Mitteilungsbedürfnis und Reiselust heißen »Naphtalitrieb« und »Naphtaliwesen« (V, 960 f.).

Nur einmal empfindet Naphtali »den trennenden und in Unwissenheit haltenden Raum als großen Segen«: nachdem die zehn Brüder den Vaterliebling verprügelt und gefesselt haben. Der Gedanke, »daß Jaakob fünf Tage entfernt und vollkommen ahnungslos war«, gibt ihm einigen, wenn auch nur »vorläufigen« Trost (IV, 559). Anders als seinem Bruder Dan ist es ihm peinlich, dass der gefesselt im Gras liegende Joseph die offen ausgesprochenen Mordgedanken seiner Brüder mit anhören muss (IV, 561).

Naphtali heiratet eine Frau aus Charran, »ein junges Weib, dessen Herkunft Jaakob etwas künstlich von Nahor, dem Bruder des Chaldäers, ableitete« (IV, 492, vgl. auch V, 1540).

Naphtali gehört neben Ruben, Juda, Gad und Benjamin zu den fünf Brüdern, die Echnatôn auf Josephs Vorschlag zu Hirten über seine königlichen Herden in Gosen beruft (V, 175).

Im Vatersegen am Ende des Romans nennt Jaakob Naphtali »eine Hirschkuh, die über Gräben setzt, und eine springende Hindin. Sein war die Hurtigkeit und der Galopp, ein rennender Schafbock war er, wenn er die Hörner einlegt und losrennt. Auch seine Zunge war hurtig, sie lieferte flinke Benachrichtigung, und schleunig reiften die Früchte der Ebene Genasar. Rasch reifender Früchte, Naphtali, seien deine Bäume voll, und schnelles Gelingen, wenn auch kein allzu bedeutendes, sei dein Spruch und Teil« (V, 1802; Genesis 49,21).

Band IV: 72, 157, 324, 348, 412, 442, 470, 484, 487, 490-492, 494, 502, 507, 551, 559, 561, 596, 598 f., 626, 658.
Band V: 960 f., 1540, 1590, 1599 f., 1620, 1688 f., 1692, 1701, 1751, 1773 f., 1776, 1779, 1796 f., 1802.
Letzte Änderung: 06.03.2009  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Neb-ma-rê Amenhotep III.

Neb-nef-nezem Echnatôn

Nebthot

Nebthot (Nephthys) ist die Schwester Usirs (Osiris), Esets (Isis) und Sets, letzterer ist zugleich ihr Ehegatte (IV, 289-293). Aus »Versehen« zeugt sie mit Usir den Anup (Anubis). Nach Usirs Ermordung und Zerstückelung durch den ›tückischen Bruder‹ Set, hilft sie ihrer Schwester Isis, die Teile des Leichnams zu suchen und beweint mit ihr zusammen den toten Osiris, was in Jaakob, der die Geschichte im Traum erzählt bekommt, eine »versöhnliche Traurigkeit« hinterlässt (IV, 293).

Letzte Änderung: 03.10.2008  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nechbet (Beti)

Die Jugendliebe des zwölfjährigen Mai-Sachme, Schwester seines Mitschülers Imesib, der sie Beti nennt. Mai-Sachme konnte, wie er Joseph erzählt, die Augen nicht von ihr lassen, weder von ihren Haarflechten noch von ihren »schmalen Augen« und ihrem »bogenförmigen Munde«, vor allem aber »nicht von ihren Armen, die vom Kleide bar und bloß waren und von schlanker Fülle, genau wie es schön ist« (V, 1315). Seine Liebe blieb ebenso unerfüllt wie die Liebe zu dem Mädchen Nofrurê, in die er sich zwanzig Jahre später verliebte, ohne zu ahnen, dass sie Nechbets Tochter ist (vgl. V, 1317 f.). Nechbeth, drei Jahre älter als Mai-Sachme, hatte einen »Elfenbeinhändler aus Suenêt« (Assuan) geheiratet (V, 1318).

Nechbet ist offenkundig nach der alten Schutzgöttin Oberägyptens benannt; vgl. Nechbet (Göttin).

Letzte Änderung: 14.05.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nechbet (Göttin)

In den »alten Hauptstädten der Länder, Buto und Enchab« (IV, 23), sind die zwei Schutzgöttinnen beider Länder beheimatet, Uto, die Schutzgöttin Unterägyptens in Buto, und Nechbet, die Schutzgöttin Oberägyptens in Enchab, auch Necheb genannt. Nach Necheb, »wo Nechbet im Feste ist«, reist Peteprês »Jungmeier« Joseph mit einem Lastkahn voller Feldfrüchte, um sie »unter den Schwingen der Göttin« gegen »Holz und Sandalenleder« zu verkaufen, wie Mut-em-enet im ersten Jahr ihrer Verliebtheit im Frauenhaus verkündet, um von dem Gegenstand ihrer Liebe reden zu können (V, 1112).

Nechbet ist, wie TM bei Erman (32) lesen konnte, »als Geier gebildet« (vgl. ebd., Abb. 17) und »eigentlich namenlos, denn ihr Name besagt nur, dass sie zu der Stadt Necheb, der alten Hauptstadt von Oberägypten, gehört«, wo sie »auch die Patronin des dortigen Herrschers« war, die »schützend über ihm schwebt«. – Enchab oder Necheb ist das heutige El Kab (Erman, 68).

Letzte Änderung: 14.05.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nefer-cheperu-Rê-Wanrê Echnatôn

Nefer-em-Wêse

Nefer-em-Wêse, d. h. »Gut in Theben« (V, 1334), Pharaos »General-Kellermeister« und »Gaugraf von Abôdu« (V, 1337), wird der Beteiligung an einer Verschwörung gegen Amenhotep III. verdächtigt und zusammen mit dem königlichen Oberbäcker Mersu-Rê in das Gefängnis von Zawi-Rê geworfen. Zuvor wird sein Name in »grausamer Entstellung« (V, 1352) in einen Schandnamen – »Bin-em-Wêse«, d. h. »Schlecht in Theben« – verwandelt (V, 1333 f.).

Joseph, zu dieser Zeit selbst Gefangener in Zawi-Rê, muss den beiden Herren aufwarten (V, 1333-1346) und bewährt sich als ihr Traumdeuter (V, 1352-1360). Wie er vorhersagt, wird der Bäcker der Beteiligung an der Verschwörung überführt und hingerichtet, Nefer-em-Wêse aber wird von dem Vorwurf freigesprochen und wieder in sein Amt eingesetzt (V, 1360).

Er verspricht Joseph, sich bei Pharao für seine Freilassung einzusetzen (V, 1357 f.). Aber er vergisst sein Versprechen, und erst als Echnatôn um eine Deutung seiner Träume verlegen ist, entsinnt er sich des ›chabirischen Jünglings‹ (V, 1402 f.).

Wie Mersu-Rê hat auch Nefer-em-Wesê in der Bibel keinen Namen, sondern heißt dort nur ›Der Oberste über die Schenken‹ (Genesis 40,2).

Letzte Änderung: 02.08.2012  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nefernefru

Nefernefru, »der Schönste der Schönen«, nennen die Leute in Peteprês Haus, aber auch »auf den Land- und Wasserwegen und in der Stadt« den Jungmeier Usarsiph, und Dûdu, bemüht, Mut-em-enets Verliebtheit zu befeuern, hat nichts besseres zu tun als ihr diesen Schmeichelnamen zu hinterbringen (V, 1151). Auch Nes-ba-met, die Gemahlin des Oberpriesters Beknechons, weiß nach Josephs folgenreichem Auftritt bei Mut-em-enets Damengesellschaft zu berichten, dass die Leute »auf den Land- und Wasserwegen« dieses »Himmelsbild von einem Jungen« Nefernefru nennen, und findet es beschämend, »daß man als Dame genötigt ist, übereinzustimmen mit den Leuten der Dämme und Kanäle im Urteil und Geschmack« (V, 1219).

Letzte Änderung: 21.06.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nefernefruatôn Nofertiti

Nefernefruatôn

Vierte Tochter Echnatôns und Nofertitis, die »aus lauter Zartheit« den Beinamen ihrer Mutter als Eigennamen erhält (V, 1532). Er bedeutet: »Schön über alle Schönheit ist der Atôn« (V, 1365).

Nach TMs Gewährsmann Weigall (63) wird sie schon in Echnatôns neuer Hauptstadt, Achet-Atôn, geboren. Die sechs Töchter Echnatons sind neben Nefernefruatôn (Neferneferuaton), Merytatôn (Meritaton), Meketatôn (Maketaton), Anchsenpaatôn (Anchesenpaaton), Nefernefrurê (Neferneferure) und Setepenre (letztere wird im Roman nicht erwähnt). – Dass Echnaton mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen Sohn hatte, Tutanchamun, wusste man zur Entstehungszeit des Romans noch nicht.

Letzte Änderung: 20.06.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nefernefrurê

Name der fünften Tochter Echnatôns und Nofertitis. Der Erzähler merkt an, es zeuge »von einem gewissen gelangweilten Nachlassen der Erfindungsfreude«, daß die fünfte Tochter fast ebenso genannt werde wie die vierte, die den Beinamen der Mutter, Nefernefruatôn, als Eigennamen bekommen habe (V, 1532). Die Namen der ersten drei Töchter seien dagegen »zum Teil sehr liebevoll erdacht«. Aber da er mit den Eltern »eine leichte Verstimmung über die weibliche Einförmigkeit« ihrer Nachkommenschaft teile, habe er »keine Lust, sie herzusagen« (ebd.).

Tatsächlich nennt der Erzähler fünf Töchter Echnatons bei ihren Namen: Merytatôn (V, 1447, 1461, 1531), Meketatôn (V, 1811), Anchsenpaatôn (V, 1694), Nefernefruatôn (V, 1532) und Nefernefrurê. Nur die sechste Tochter, Setepenre, und die von TMs Gewährsmann Weigall (121) und anderen vermutete, aber namenlos gebliebene siebente Tochter werden nicht erwähnt. – Dass Echnaton mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen Sohn hatte, Tutanchamun, wusste man zur Entstehungszeit des Romans noch nicht.

Letzte Änderung: 20.06.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nefertêm

Sohn des Ptach und der Sachmet, von dem man in Menfe wenig und nur so viel weiß, »daß er eine Lotusblume auf dem Kopf trage«, und »einige hielten dafür, er selbst im ganzen sei überhaupt nichts anderes als eine blaue Wasserrose«. Mit seinen Eltern bildet er die »Dreiheit von Menfe« und ist dort, obwohl man so wenig über ihn weiß, die »allerbeliebteste Person« der Dreiheit. Sein Tempel wird stets reichlich mit seiner »Vorzugsblume«, dem himmelblauen Lotus, geschmückt, und auch Josephs Käufer, die Ismaeliter, »ließen es sich nicht nehmen, ihm blauen Lotus zuzutragen und händlerisch seiner Volkstümlichkeit zu huldigen« (IV, 750).

TM stützt sich hier wohl auf Erman, 49; vgl. auch ErmanAeRe, 91 u. pass. – Vgl. die Abbildung der Dreiheit von Memphis (vom Papyrus Harris) bei Menfe.

Letzte Änderung: 18.02.2009  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Neit-em-hêt

Eine Freundin Mut-em-enets, die »Gattin von Pharao's Oberwäscher«. Sie gehört zu dem immer größer werdenden Kreis von Freundinnen, die Mut-em-enet »in ihre Liebe und ihren Jammer« einweiht, bis es zuletzt »der ganze Hof, die halbe Stadt« weiß (V, 1208).

Letzte Änderung: 05.06.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nephthys Nebthot

Nergal

Nergal ist einerseits ein babylonischer Gott, andererseits der ihm zugeordnete Planet Mars, und beide verheißen nichts Gutes. Nergal ist der »siebennamige Feind, der Elamiter, der Pest und Tod verhängt« (IV, 60), der »Unheilstifter und Fuchs« (IV, 108), der ›Mörder‹ (IV, 476), das lebensfeindliche Prinzip schlechthin, mit einem Wort: Er ist »der Rote« (IV, 191), in dessen Zeichen und Spuren die ›bösen Brüder‹ (Kain, Cham, Ismael, Esau, Set etc.) wandeln. Der ägyptische Gott Set steht »in himmlisch-irdischem Wechsel« mit Nergal-Mars (IV, 191).

In Josephs Geburtshoroskop sorgt Nergal-Mars durch seinen ›Gegen-‹ bzw. ›Gedrittschein‹ auf die bestimmenden Planeten gleich zweimal für Besonderheiten: Durch seinen ›Gegenschein‹ auf Nabu-Merkur wird der Herrschaft des Schreibergottes »ein hartes Gepräge zuteil« und es wird mit der »Siegelrolle des Schicksals (gestempelt)«; durch Nergals ›Gedrittschein‹ auf Ischtar-Venus erhält ihre Süße die notwendige Würze (IV, 108 f.)

Als Labans Frau Adina »auf ihre älteren Tage« (IV, 355) noch dreimal schwanger wird, werden dem »roten Nergal« Opfer gebracht, um ihn »mit Bier, Emmerbroten und sogar Schafopfern« dazu zu bewegen »seine vierzehn krankheittragenden Diener an jeder Einmischung in diese Angelegenheit zu hindern« (IV, 283).

Über das sumerisch-babylonische Pantheon orientierte TM sich vornehmlich bei Meissner (II, 4-51, zu Nergal 36-38) und Jeremias II (333-391). – Vgl. auch Ungnad (16, 149 f. u.ö.). – Nergals vierzehn Diener (IV, 283) sind »geradezu Krankheitsdämonen« (Meissner II, 37). – Nergal ist Herr der Unterwelt und Gatte der Ereschkigal, ein ausnehmend hässlicher Gott (vgl. Groneberg, 197 f.). – Zur Lehre von ›Gedrittschein‹ und ›Gegenschein‹ vgl. Fischer (332).

Letzte Änderung: 03.10.2008  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nes-ba-met

Gemahlin des Oberpriesters des Amun in Theben, Beknechons, in dieser Eigenschaft auch Vorsteherin des vornehmen Hathoren-Ordens im Südlichen Frauenhaus, dem auch Mut-em-enet angehört.

Als ranghöchster Gast gibt sie Mut-em-enets »Damengesellschaft« (V, 1208-1227) besonderen Glanz (V, 1213). Wie alle Damen des Kränzchens schneidet auch sie sich bei Josephs Auftritt als Schenke mit dem Obstmesser in die Finger, wettert mit ihrer tiefen Stimme (V, 1214) laut über die verdorbene Robe (V, 1218) und nennt den Grund des kollektiven Unfalls »ohne Zimperlichkeit« beim Namen: »das ist ja ein Himmelsbild von einem Jungen an Haupt und Gliedern, und wo es an und für sich schon einer Chocwirkung gleichkommt, wenn unter so viele bereits nervöse Frauen plötzlich ein Jüngling tritt, und sei er auch weniger reizend, – wie willst du, daß es einem nicht in die Glieder fährt und einem die Augen nicht übergehen, wenn ein solcher Gottesfratz auf der Bildfläche erscheint und neigt seinen Krug über deinen Kelch?« (V, 1219)

Sie wird gleich darauf Zeugin von Muts Liebesgeständnis und Klagen über die Widerspenstigkeit des Angebeteten (V, 1221 f.). Davon berichtet sie ihrem Mann, der alsbald auf den Plan tritt (V, 1225).

Letzte Änderung: 21.02.2010  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Neujahrsfest Opetfest

Nezemmut

Schwester von Echnatôns Gemahlin Nofertiti. Sie gehört zum engsten Gefolge des Königs (vgl. V, 1386; 1485), dessen hoher weiblicher Anteil den Erzähler zu spöttelnden Bemerkungen über Echnatôns ›Weiberhof‹ reizt, in dem der König »das anfällige Hähnchen im Korbe machte, und der zu seinen Phönix-Träumen vom unstofflichen Vatergeiste des Lichtes in eigentümlichem Widerspruch stand« (V, 1532).

Letzte Änderung: 16.10.2017  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nezer

Einer der Kosenamen, die Jaakob für Joseph verwendet, ein »Wort aus der Sprache Kanaans, das ›Sproß‹ und ›blühendes Reis‹ bedeutet« (IV, 120).

Die Namensetymologie geht wohl auf Mereschkowskij (206) zurück.

Letzte Änderung: 30.08.2009  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nil Chapi

Nimrod

Der Name Nimrod ist im Roman gewöhnlich »nur eine Rang- und Gattungsbezeichnung« für die babylonischen Könige (IV, 420), namentlich für den ›Nimrod von Babel‹, der zur Zeit Abrahams herrschte: Amraphel oder Chamurapi (d.i. Hammurapi), der im Roman häufig Nimrod, ansonsten »Chammuragasch, der Gesetzgeber« genannt wird.

Dass Joseph diesen ›Nimrod‹ gern mit dem »vorfrühen Nimrod«, dem »erste[n] König auf Erden, der den Bel von Sinear gezeugt hatte« (vgl. Genesis 10,8-12), gleichsetzt, ist nur »ein Gedankenspiel, das seinen Geist recht anmutig kleidete, dem unsrigen aber als unschicklich verwehrt ist« (IV, 15). Denn dieser »eigentliche Nimrod«, der »Ur-Nimrod«, ist durch einen unermesslichen Zeitenabstand von Abrahams ›Nimrod‹ getrennt, er ist zwar – nach den Tempusregeln der »Mondgrammatik« (vgl. IV, 121-123) – Gegenwart, aber »eine Gegenwart, durchscheinend für immer ältere Vergangenheiten, die sich im Göttlichen verlieren, das in weiterer Zeitentiefe wieder aus Menschlichem hervorgegangen« (IV, 420).

Band IV: 11-13, 15, 33, 222, 343, 419 f., 422, 426 f., 430, 433 f., 437, 551, 683. – Band V: 994, 1606, 1735, 1754.
Letzte Änderung: 03.10.2008  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Ninib

Name des Ebers, der den schönen Jünglingsgott Tammuz-Adonis zerrissen hat (IV, 434). – Ninib ist aber zugleich auch Tammuz selbst. Das hängt, wie Joseph seinem kleinen Bruder Benjamin im Adonishain erklärt, mit dem »Geheimnis der Stellvertretung« zusammen, das »im Sternenstande von Mensch, Gott und Tier« beschlossen liegt, »und ist das Geheimnis des Austausches«, wie es schon an dem ›verwehrten‹ und gegen den Widder ausgetauschten Opfer Isaak offenbar geworden sei. Ebenso bringe »der Sohn sich dar durch das Tier« (IV, 449). – Deshalb, so Joseph, sei Ninib »nicht verflucht, denn es steht geschrieben: einen Gott soll man schlachten, und des Tieres Sinn ist der des Sohnes, der seine Stunde kennt, als wie im Feste, und kennt auch die, da er des Todes Wohnung umstürzen und hervorgehen wird aus der Höhle« (IV, 449 f.).

Band IV: 434, 449, 454 (vgl. auch 24, 71, 94, 194, 542, 642 und V, 941, 1542).

Nach Jeremias II (377) ist ›Ninib‹ eine frühere Lesart von Ninurtu (Ninurta), dem babylonischen Kriegs- und Jagdgott und ›Herrn des Südpunktes‹ (d.h. des Mittags und Sommers), dem der Tammuz-Monat geweiht ist. Deshalb wird er »in der Gestalt geschaut [...], die den mythischen Träger des Tod-Leben-Mysteriums [also Tammuz] im Kreislauf in der Sommersonnenwende verwundet und so sein Hinabsinken verursacht« (ebd., 189). Die Übertragung des Namens auf den Eber oder Keiler des Adonis-Mythos dürfte TM von Mereschkowskij (218) übernommen haben. Zur Identität des todbringenden Tiers mit dem getöteten Helden vgl. ebenfalls Mereschkowskij (ebd.) sowie Jeremias II (347, v.a. Anm. 1). – Zu dem Wort »einen Gott soll man schlachten« vgl. die Anmerkungen bei Isaak.

Letzte Änderung: 03.03.2011  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Ninurtu

Der ›Staats- und Kriegsplanet‹ Ninurtu (IV, 17) ist der Saturn, der Planet des gleichnamigen babylonischen Gottes (Ninurta). Zu Josephs Geburtsstunde hatte die Sonne einen »Gedrittschein zu Ninurtu, dem Krieger und Jäger«. Das, so erklärt Joseph dem Vater, sei ein »Fingerzeig auf Anteil an den Geschehnissen in den Reichen der Erde und an der Handhabung der Herrschaft.« Da Joseph »nur ein Hirte [...] und eines Hirten Sohn« sei, meint Jaakob, liege »dem Verstande offen, daß es anders zu deuten sein muß, in verjüngtem Maßstabe« (IV, 109). Die Zukunft wird ihn eines Besseren belehren.

Vgl. auch die Anmerkungen zu Ninib. – Informationen zu Ninurta und seiner Zuordnung zum Planeten Saturn fand TM bei Meissner (II, 9 u.ö.) und Jeremias II (189, 377 f.), die beide auch auf die Verbindung mit Sirius (vgl. IV, 60) hinweisen: »Im Planetensystem, so wie wir es seit der 1. Dynastie von Babel kennen, entspricht ihm der Saturn, und unter den Fixsternen ist ihm der ›Pfeilstern‹ (kakkab mešrê = Sirius) zugeteilt.« (Meissner II, 9; ähnlich Jeremias II, 378) – Zur Lehre von ›Gedrittschein‹ und ›Gegenschein‹ vgl. Fischer (332).

Letzte Änderung: 31.08.2009  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nissan

Für den Monat Nissan sagt der junge Joseph seinem Vater den ersehnten Regen voraus (IV, 113). 

Der Nissan ist der erste Monat des religiösen Jahres und der siebente Monat des Kalenderjahres, er entspricht dem März/April. – Vgl. dazu Susanne Galley: Das jüdische Jahr: Feste, Gedenk- und Feiertage, München 2003 (Becksche Reihe 1523), S. 23.

Letzte Änderung: 30.08.2009  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

No, No-Amun Theben

Noah

Die Geschichten Noahs, den »die Babylonier Utnapischtim und dazu Atrachasis, den Hochgescheiten, nannten« (IV, 24) und dessen chinesische Entsprechung Yau hieß (vgl. IV, 31), gehören im Roman zu dem Kernbestand jener mythischen Muster, in deren Spuren die Jaakobsleute gehen und die, durch die Zeiten immer neu sich wiederholend, jederzeit Gegenwart werden können.

Die Geschichte der Sintflut, die zumal Joseph in allen Einzelheiten kennt und die sich in seiner Jugendzeit »in einer von der östlichen abweichenden Sondergestalt zu befestigen« beginnt (vgl. IV, 29), ist das »Ur-Muster aller Weisheit, das ist: aller wissenden Vorsorge«, denn: »Noah-Utnapischtim, hieß er nicht darum der Erzgescheite, weil er die Flut hatte kommen sehen und ihr vorgebeugt, nämlich den Kasten gebaut hatte?« (V, 1297) Diese Vorsorge und Vorsicht, die Joseph bei seinem riskanten Spiel mit Mut-em-enet sträflich vermissen lässt (ebd.), wird er als Echnatôns Wirtschaftsminister vorbildlich erfüllen und »sich als Utnapischtim-Atrachasis, als Noah, der Hochgescheite« erweisen, »als Mann der Voraussicht und der Vorsorge, dessen Arche sich auf der Flut schaukelt« (V, 1485; vgl. auch V, 1713).

Noahs Verhöhnung (Entmannung) durch seinen Sohn Cham (Genesis 9, 22-25) wird Gegenwart bei Rubens Fehltritt mit Bilha: Der ergrimmte Jaakob schleudert ihm den »anrüchigen Namen des Cham« entgegen und wird selbst zu einem neuen Noah: Ein »furchtbares Aufgehen der Gegenwart im Vergangenen« hat statt, »das völlige Wiederinkrafttreten des einst Geschehenen, seine, des Jaakob, persönliche Einerleiheit mit Noah, dem belauschten, verhöhnten, von Sohneshand entehrten Vater« (IV, 94).

Josephs Brüder benutzen den Namen Noahs als Schimpfwort für Joseph: Bevor sie den Spitznamen erfinden, »unter dem sie ihn am bittersten haßten: ›der Träumer von Träumen‹«, nennen sie ihn in Anspielung auf seine Lesekunst »spottend Noah-Utnapischtim, den Erzgescheiten, den Leser von Steinen von vor der Flut« (IV, 413). Die »Gutmütigkeit dieser als Ekelnamen gedachten Bezeichnungen« erklären sich nach Überzeugung des Erzählers »durch den Mangel der jungen Leute an Erfindungsgabe und Einbildungskraft«, denn sie hätten ihm »wahrhaftig gern schärfere gegeben, nur fielen ihnen keine ein« (IV, 459).

Dass Noah, der »Gerechte«, nach der Sintflut als Erster Wein anbaute (vgl. Genesis, 9, 20), hält der Erzähler für »eine Tat sondergleichen, als menschliche Leistung genommen«, Joseph dagegen findet es »nicht sehr gerecht«: »Denn konnte er nicht pflanzen, was von Nutzen wäre? Feigenbäume oder Olbäume? Nein, sondern Wein stellte er erstmals her, ward trunken davon und in der Trunkenheit verhöhnt und verschnitten.« (IV, 24)

Die ›östliche‹ Version der Sintflutgeschichte, von der IV, 29 die Rede ist, ist die Fluterzählung des Gilgamesch-Epos. Der Beiname »Atrachasis« referiert auf die Sintfluterzählung des altbabylonischen Atrachasis-Epos. Diese beiden wie die übrigen damals bekannten Versionen kannte TM aus Ungnad, 66-127 und Jeremias I, 117-127.

Einzelheiten der Geschichten Noahs, die in Genesis 6-9 nicht vorkommen, hat TM den »Sagen der Juden« entnommen: Die Behauptung, dass der Mensch »vor dem Erscheinen Noah-Utnapischtims« ein Wesen mit noch nicht ausgebildeten, »verwachsenen Fingern« gewesen sei (IV, 28) folgt Gorion I, 177; dass vor der Sintflut »selbst die Erde Hurerei trieb und Schwindelhafer hervorbrachte, wenn man Weizen säte« (IV, 29), folgt Gorion I, 193; dass Gott den Menschen vor der Sintflut noch eine letzte »Geduldsfrist von hundertzwanzig Jahren« gegeben habe, in der Noah sie vergeblich zu Umkehr und Buße aufgerufen habe (IV, 29), folgt Gorion I, 179; dass Noah von seinem Sohn (oder Enkel) nicht nur seiner Blöße wegen verhöhnt, sondern vielmehr entmannt wurde (IV, 24; IV, 215), folgt Gorion I, 228 f., 230. Auch Josephs Einwände gegen Noahs Weinanbau (IV, 24) folgen nahezu wortgleich den in den »Sagen der Juden« (I, 227) formulierten Vorbehalten.

Letzte Änderung: 26.03.2015  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nofertiti (Nefernefruatôn, Nefernefruatôn-Nofertiti, Nofretête, Neferne-fruatôn-Nofretête, Titi)

Zweite Gemahlin Echnatôns, die ihm nach dem frühen Tod der ersten, einer Prinzessin aus Mitanni, aus Sorge um die Thronfolge schon zu Lebzeiten seines Vaters Amenophis III. vermählt wurde. Nach dessen Tod und Echnatôns Thronbesteigung ist sie die »Große Gemahlin und Herrin der beiden Länder« (V, 1365). Zu Ehren seines Gottes Atôn hat Echnatôn ihr den »strahlenden Zunamen ›Nefernefruatôn‹, ›Schön über alle Schönheit ist der Atôn‹, verliehen« (V, 1365), ein Name, den das Paar später »aus lauter Zartheit« auch seiner vierten Tochter als Eigennamen geben wird (V, 1532).

Nofertiti, »die den Palast mit Schönheit füllt« (V, 1458), wird meistens nur als Begleitung Echnatôns erwähnt (vgl. V, 1365, 1386, 1486, 1532, 1694 f., 1811) und hat nur einen eigenen Auftritt: Während Josephs erster Audienz beim König überkommt diesen das unwiderstehliche Verlangen, sein »süßes Ehgemahl« zu küssen (V, 1458). Er lässt sie rufen, und kurz darauf »schwebte« die von ihrer Schwangerschaft sichtlich beeinträchtigte Königin »mit bläßlichem Lächeln und vorsichtigen Trittchen« herein, »die Lider gesenkt, den langen Hals in ängstlicher Lieblichkeit vorgeschoben« (V, 1459). Sie erscheint mit einer »blauen Kappe, die ihren Hinterkopf rundlich verlängerte«, und »in dem ätherischen Plissee ihres Gewandflusses, der Nabel und Schenkel durchscheinen ließ, während die Brust von einem Schulterüberfall und vom glitzernden Blütenkragen bedeckt war« (ebd.). Nachdem Echnatôn die »süße Titi« (V, 1447) geküsst und mit einem langen zärtlichen Wortschwall überschüttet hat, »entschwebte« sie wieder, ohne ein Wort gesprochen zu haben (V, 1461).

Abb.: Kalksteinrelief »Spaziergang im Garten« (Darstellung eines Königs und einer Königin) aus dem Ägyptischen Museum Berlin. Es wurde lange als Darstellung Echnatons und Nofretetes betrachtet und hat Thomas Manns Beschreibung der Erscheinung der Königin sichtlich inspiriert.

Letzte Änderung: 17.10.2017  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

Nowet-Amun Theben

Nubien Kusch

Nun

In dem Traum, den Jaakob kurz vor seiner Hochzeit träumt (IV, 288-293), erklärt Anup ihm die ägyptische Kosmogonie: Nun sei der »Unentstandene, Verborgene«, der Uranfang aller Dinge, der die Urmutter Tefnet erschaffen habe, die ihrerseits Erde und Himmel, Geb und Nut, hervorgebracht habe.

Nun ist in der ägyptischen Schöpfungslehre das »Urwasser«, aus dem nach und nach die Erde »aufgetaucht« ist (Erman, 61). TM stützt sich hier auf Erman (61-63, 90), lässt aber die dort berichtete Variante aus, wonach der »Unentstandene, Verborgene«, der die ersten Götter erschaffen hat, der dem Urwasser entstiegene Sonnengott (in Heliopolis: Atum) war (Erman, 62; vgl. auch Erman/Ranke 300).

Letzte Änderung: 25.06.2018  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück

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