Thomas Bernhard: Frost (1963)

Arzt

Er kommt nach einer Schlägerei im Wagnerwirtshaus zwischen einer Schaustellertruppe und einigen »Bauernburschen« (21. Tag, 247) ins Dorf, um die Verletzten zu versorgen. Beim Schuhmachergehilfen diagnostiziert er eine Gehirnerschütterung und eine Verletzung der Wirbelsäule (21. Tag, 246 f.).

Bauer

Eigentümer eines großen Bauernhofs in einer Nachbargemeinde von Weng, der während eines Schneetreibens in Flammen aufgeht. Bei dem Brand wird die Bäuerin von einem Dachbalken erschlagen. Bald nach dem Brand stellt sich heraus, dass ein Knecht des Bauern den Hof angezündet hat. Er wollte sich an dem Bauern rächen, es wird eine unglückliche Liebesbeziehung zwischen beiden vermutet (17. Tag, 197).

Bäuerin

Ehefrau des Bauern im Nachbardorf, dessen Hof in Flammen aufgeht. Sie wird bei dem Brand von einem Dachbalken erschlagen (17. Tag, 197). Zuerst haben die Helfer sie jedoch übersehen und sind »ein paarmal über sie gestiegen, ohne sie zu bemerken« (ebd.), weil sie noch im Haus oder im Stall vermutet wurde. Man nimmt an, dass sie ihr Kind retten wollte, das aber schon in Sicherheit war. Von der Beziehung zwischen ihrem Mann und dem Knecht soll sie gewusst haben (ebd.). Zu ihrer Beerdigung geht auch die Wirtin, die als Jugendliche auf dem Hof in Stellung gewesen ist (ebd.; 22. Tag, 260).

Brotausträgerin

Der Maler Strauch redet über sie als Beispiel für die Ortsgebundenheit einiger Bewohner von Weng. Die siebzigjährige Brotausträgerin habe mit vier Jahren angefangen, das Brot auszutragen. Sie sei niemals aus dem Dorf herausgekommen und habe »die Eisenbahn bis jetzt nur von außen gesehen.« Ähnliches gelte für ihre Schwester, den Milchführer, den Mesner oder den Schuster, die das Tal nie in ihrem Leben verlassen werden: »Der Pongau ist für sie so wie für einen anderen das finstere Afrika. […] Sie bleiben da, wo sie ihr Einkommen haben, und etwas anderes interessiert sie nicht. Oder sie fürchten sich, einen Schritt hinaus zu machen.« (3. Tag, 21)

Brunnenmacherlehrling

Ein kräftiger, damals fünfzehnjähriger junger Mann aus Goldegg, der vor Jahren Strauchs Schwester hinter der Kirchenmauer geschwängert und später eine Karriere als Verbrecher gemacht hat. Wie der Maler in Erfahrung bringen konnte, hat er noch fünf weitere Kinder gezeugt. Der Maler hat ein Bild von ihm (18. Tag, 210).

Famulant

Der namenlose Student der Medizin ist der Erzähler des Romans. Er ist 23 Jahre alt (6. Tag, 44) und absolviert gerade seine Famulatur in einem Spital in Schwarzach, wo ihn sein Vorgesetzter, der Chirurg Strauch, damit beauftragt, in das Gebirgsdorf Weng zu fahren und seinen dort lebenden Bruder, den Maler Strauch, zu beobachten. Dabei soll er besonders auf dessen Lebens- und Denkweise achten: »Er verlangt von mir eine präzise Beobachtung seines Bruders, nichts weiter. Beschreibung seiner Verhaltensweisen, seines Tagesablaufs; Auskunft über seine Ansichten, Absichten, Äußerungen, Urteile. Einen Bericht über seinen Gang. Über seine Art, zu gestikulieren, aufzubrausen, ›Menschen abzuwehren‹. Über die Handhabung seines Stockes. ›Beobachten Sie die Funktion des Stockes in der Hand meines Bruders, beobachten Sie sie genauestens.‹« (2. Tag, 12) Der Famulant quartiert sich in dem Gasthof der Wirtin ein, in dem auch der Maler wohnt, mit dem er sogleich in Kontakt kommt. Seine täglichen Begegnungen mit dem Maler sind Gegenstand des Romans. Die Briefe, die er an seinen Vorgesetzten schreibt, sind am 26. Tag unter der Überschrift »Meine Briefe an den Assistenten Strauch« wiedergegeben (317-328). Der Aufenthalt des jungen Mannes in Weng dauert 27 Tage.

Der Famulant hat sein Studium aus einer Perspektivlosigkeit heraus begonnen: »Ich kann nicht sagen, daß mein Entschluß, Medizin zu studieren, auf einer tieferen Einsicht beruhte, nein, darauf beruhte er nicht, eher, weil mir überhaupt nichts einfiel, was zu studieren mir wirklich Freude gemacht hätte« (7. Tag, 53). Auch sein Bruder wirft ihm vor, Medizin aus »Phantasielosigkeit« zu studieren (7. Tag, 54). Dennoch macht ihm die Famulatur »Spaß«, und obwohl er wenig Energie für sein Studium aufwendet, hat er bis dahin alle Prüfungen mit Leichtigkeit und ohne besondere Vorbereitungen bestanden (ebd.).

Den Auftrag des Chirurgen Strauch betrachtet er zunächst als Teil der Famulatur, der ihn mit der »außerfleischlichen«, geistigen Seite des Menschen bekannt machen soll: »Eine Famulatur ist ja nicht nur eine Lehrstelle für Aufschneiden und Zunähen, für Abbinden und Aushalten. Eine Famulatur muß auch mit außerfleischlichen Tatsachen und Möglichkeiten rechnen. Mein Auftrag, den Maler Strauch zu beobachten, zwingt mich, mich mit solchen außerfleischlichen Tatsachen auseinanderzusetzen. Etwas Unerforschliches zu erforschen. Es bis zu einem gewissen erstaunlichen Grad aufzudecken. Wie man eine Verschwörung aufdeckt. Und es kann ja sein, daß das Außerfleischliche, ich meine damit nicht die Seele, daß das, was außerfleischlich ist, ohne die Seele zu sein, von der ich ja nicht weiß, ob es sie gibt, von der ich aber erwarte, daß es sie gibt, daß diese jahrtausendealte Vermutung jahrtausendealte Wahrheit ist; es kann durchaus sein, daß das Außerfleischliche, nämlich das ohne die Zellen, das ist, woraus alles existiert, und nicht umgekehrt und nicht nur eines aus dem anderen.« (1. Tag, 7). Im weiteren Verlauf seines Aufenthalts gerät er immer stärker in den Bann des Malers und hat zunehmende Zweifel an der Möglichkeit, Verlässliches über ihn zu sagen (13. Tag, 136 f.).

Um sein Vertrauen zu gewinnen, gibt er sich als Student der Rechtswissenschaften aus (2. Tag, 12, 14). Hin und wieder gerät er in Gefahr, sich durch medizinische Fachkenntnis zu verraten, etwa wenn er eine schmerzende Schwellung an Strauchs Fuß, die dieser für eine Pestbeule hält, als »gewöhnliche Schleimbeutelentzündung« identifiziert (7. Tag, 52).

Weng und seine Bewohner stoßen ihn ab: »Weng ist der düsterste Ort, den ich jemals gesehen habe. Viel düsterer als in den Beschreibungen des Assistenten. […] Tatsächlich erschreckt mich die Gegend, noch mehr die Ortschaft, die von ganz kleinen, ausgewachsenen Menschen bevölkert ist, die man ruhig schwachsinnig nennen kann. Nicht größer als ein Meter vierzig im Durchschnitt, torkeln sie zwischen Mauerritzen und Gängen, im Rausch erzeugt. […] Es ist eine Landschaft, die, weil von solcher Häßlichkeit, Charakter hat, mehr als schöne Landschaften, die keinen Charakter haben. Alle haben sie da versoffene, bis zum hohen C hinaufgeschliffene Kinderstimmen, mit denen sie, wenn man an ihnen vorbeigeht, in einen hineinstechen.« (2. Tag, 10 f.)

Über das Leben, das der Famulant zuvor geführt hat, erfährt man nur Verstreutes aus sporadischen, meistens durch Äußerungen des Malers ausgelösten Erinnerungen der Figur. Die unglückliche Kindheit des Malers erinnert ihn an seine eigene (5. Tag, 35), obwohl er an anderen Stellen ein positiveres Bild von seiner Familie zeichnet (12. Tag, 124 f.). Eine unglücklich endende Liebesbeziehung mit »S.« fällt ihm wieder ein, als der Maler von dem (scheinbaren, weil notwendig »Schmerzen« nach sich ziehenden) Glück junger Liebe spricht (14. Tag, 153 f.). Er denkt an das »Getriebe der Hauptstadt« Wien, seinen Studienort, an seine einsamen Mittagspausen in einem der Parks, während seine Freunde »alle fort [sind], verschwunden in ein Zuhause, in ein Mittagstischstockwerk, wo sie sich mit Mädchen und Brüdern und Tanten aus der Provinz treffen« (15. Tag, 167). Neben dem Studium hat er zeitweise als Hilfsarbeiter bei der »Zwettler-Bau A.G.« (12. Tag, 128 f.) und als Hilfsfahrer für eine Eisenfirma gearbeitet und sich dabei wohl, ja sogar »glücklich« gefühlt (12. Tag, 130).

Die täglichen Begegnungen mit dem Maler beeindrucken ihn tief, er fühlt sich ihm verwandt und durch seine Geschichten und Reden verändert, ohne sagen zu können, welcher Art diese Veränderungen sind. Auch scheinen sie keine einschneidenden Konsequenzen zu haben, denn nach seiner Rückkehr setzt er sein Medizinstudium fort. Auffällig ist allerdings, dass er seine Famulatur in Schwarzach abrupt beendet, nachdem er aus der Zeitung erfahren hat, dass der Maler »im Gemeindegebiet von Weng abgängig« sei und die Suche nach dem Vermissten wegen Schneefalls eingestellt werden musste: Noch am »Abend des gleichen Tages« verlässt er Schwarzach und reist zur Fortsetzung seines Studiums nach Wien (27. Tag, 336).

Während seines Aufenthaltes in Weng liest er – anstelle eines ursprünglich geplanten Fachbuchs über Gehirnkrankheiten – ein Buch von Henry James (2. Tag, 13).

Fassbinder

Ein Bewohner des Armenhauses von Weng, von dem der Maler Strauch dem Famulanten erzählt: Er liegt reglos auf einer Bank im Zimmer der Oberin, und der Maler hält ihn für tot. Dann aber bewegt er sich, und der Maler erfährt von der Oberin, dass er dort liegt, weil er in jedem anderen Zimmer zu schreien beginnt. Er trägt Lederhosen, Hubertusrock und Leinenhemd, auf den weißen Haaren eine Pelzmütze. Er kennt den Severin-Kalender auswendig und tut so, also ob er ihn liest. Noch während Strauchs Besuchs fällt er plötzlich tot von der Bank (10. Tag, 112 f.).

Gast, Ein junger

Der junge Mann frühstückt am 6. Tag im Gasthaus der Wirtin, die ihm neben »Berge[n] von Essen« auch einen Fahrplan bringt. »Ein vornehmer Mensch«, findet der Maler und mutmaßt, dass er ein Verwandter des Ingenieurs sein könnte. Nach einem kurzen Gespräch mit der Wirtin über eine Abkürzung zur Bahnstation verlässt er das Wirtshaus (6. Tag, 44).

Gendarm

Der Gendarm von Weng fühlt sich in der Monotonie der Arbeitswelt und des Lebens gefangen, er wäre lieber Arzt geworden. Als Junge besuchte er zuerst die Hauptschule und dann zwei Jahre das Gymnasium, das er auf Druck des Vaters verlassen musste. Danach begann er eine Lehre als Tischler, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Nach einem Jahr im Beruf meldete er sich auf eine Zeitungsannonce, in der Gendarmen gesucht wurden. Nach der Prüfung zum Gendarmen arbeitete er zuerst in Golling, dann in Weng, wo er seinen Vorgänger ersetzte, der an einer durch einen Rehknochen verursachten Blutvergiftung starb (7. Tag, 58 f.).

Der Maler entdeckt, dass der Gendarm ein Verhältnis mit der Wirtin hat (15. Tag, 176). Er sei, so der Maler, »an jenem Punkt angelangt, wo das Männliche plötzlich von dem ganzen Organismus Besitz ergreife und die Jugend hinschwinde«, was sein schönes Gesicht über kurz oder lang ›verunstalten‹ werde. »Übrigens«, sagt er an den Famulanten gewandt, »weist der Gendarm viele Merkmale auf, die ich auch an Ihnen entdeckt habe. Aber das ist sicher seine Jugend, die Jugend überhaupt.« (16. Tag, 190 f.)

Bei der Schlägerei im Wagnerwirtshaus zwischen den Schaustellern und einigen Bauernburschen wird der Gendarm durch Tritte in den Bauch schmerzhaft verletzt. Dies hindert ihn jedoch nicht daran, die Schausteller in Gewahrsam zu nehmen (21. Tag, 246 f.).

Haushälterin des Malers Strauch

Die namenlose Haushälterin war bei dem Maler Strauch zwei bis drei Jahre beschäftigt. Sie war für ihn zuletzt der einzige menschliche Kontakt: »In den letzten Jahren habe der Maler außer seiner Haushälterin niemanden mehr gehabt. Sie genügte ihm auch für sogenannte ›Körperansprüche‹, die andere pausenlos ›schamlos ausnützen‹, zu denen er aber immer weniger Beziehung hatte. ›Sie weiß davon nicht das geringste‹, sagte er. […] ›Sie brachte in meine wildesten Zustände Ordnung‹, sagte er. ›In künstlerischen Fragen […] kannte sie sich aus. Weil sie keine Ahnung von Kunst hatte: von ihr habe ich die besten Urteile gehört.‹« Als er sie wegen seiner angeblichen unheilbaren Krankheit entließ, hat sie geweint. Schon am Tag darauf sei die 45-Jährige zurück zu ihren Eltern gezogen. »Tatsächlich habe ich niemand gehabt außer meiner Haushälterin. Außer in ihr bin ich in allen längst tot.« (7. Tag, 70 f.)

Holzzieher

Der Maler erzählt dem Famulanten »Die Geschichte mit dem toten Holzzieher« (20. Tag, 240-242), der am Tag zuvor von seinem eigenen Holzschlitten überfahren wurde. Kurz vorher hatte der Maler sich mit ihm im Vorbeigehen unterhalten (20. Tag, 240 f.). Der junge Mann wird im Haus seiner Eltern aufgebahrt. Die Wirtin erzählt, dass seine Verlobte »Tag und Nacht« vor seinem Bett auf den Knien bete und jegliche Nahrung verweigere. Aus den Vorbereitungen zur anstehenden Hochzeit werden nun Beerdigungsvorbereitungen (23. Tag, 276).

Honsig

Durch Honsig, eine nicht näher beschriebene Figur, wohl Kommilitone des Erzählers oder Assistent im Seziersaal der Unversität Wien, wurde der Famulant auf das Spital in Schwarzach aufmerksam, an das er sich dann für eine Famulatur bewarb (24. Tag, 288). Honsig gehört zu den wenigen mit Personennamen (statt Berufsbezeichnungen) versehenen Figuren des Romans.

Ingenieur

Hat eine leitende Position beim Kraftwerksbau im Tal und ist ein häufiger Gast in der Wirtsstube des Gasthauses, in dem Strauch und der Famulant wohnen. Von seinen Arbeitern wird er respektiert: »Hat seine Belegschaft gut in der Hand. Redet wie sie. Trinkt wie sie. Macht kurzen Prozeß, wie sie es auch machen würden, wenn sie an seiner Stelle wären.« (4. Tag, 28) Er will dafür sorgen, dass die Arbeiter nicht von ihren Familien getrennt werden, was die Arbeitsmoral steigere und sexuelle Übergriffe gegen Frauen aus dem Dorf reduziere (19. Tag, 229). Im Vergleich zum Wasenmeister, mit dem er öfter im Gasthaus zusammensitzt, ist er »einen Kopf kleiner, braun, gesprächig, ganz anders als der Wasenmeister« (4. Tag, 27). Der Maler empfindet von Anfang an – wegen seines Namens (der im Roman nicht genannt wird) – »Abscheu vor ihm« (13. Tag, 135), ist aber anscheinend von seinen Führungsqualitäten beeindruckt (19. Tag, S. 165 f).

Jagdgehilfe

Der Bruder des Großvaters der Brüder Strauch war ein Jagdgehilfe, der sich eines Tages im Wald erschoss. »Angeblich, weil er ›das Elend der Menschen nicht mehr ertragen‹ konnte.« (14. Tag, 157) – Auch der Bruder der Oberin war Jagdgehilfe und erschoss sich »aus Überdruß an der Welt« (10.Tag/»Im Armenhaus«, 113 f.).

Jagdgesellschaften

Der Famulant hört ein Gespräch zwischen dem Wasenmeister und der Wirtin mit, in dem sie über die reichen Leute sprechen, die mehrmals im Jahr zur Jagd in die Umgebung kommen. Dann finde man allerhand »vornehme Schnallen und Gürtel und Ohrenschützer und einzelne Gamaschen«. Das Gespräch der beiden »ging darauf hinaus, dass sie zwangsläufig Reichtum hassen müssen, um nicht von vornherein von ihm ausgeschlossen zu sein« (25. Tag, 297).

Kirchgänger

Am elften Tag berichtet der Maler dem Famulanten von einer Begegnung, die er zwei Tage vorher mit Kirchgängern im Hohlweg hatte: »Menschen waren das, wie mir noch keine begegnet sind, von der Schattseite, wie mir scheint, Menschen aus einer Zeit, die Jahrtausende zurückliegt, große Menschen, die schreiten, als würden sie an allem nur vorübergehen. Vorübergehen an einer Welt, die ihnen allzu kleinlich und verdorben erscheint. Vorübergehen an einem Späteren, vor dem sie einst wohl gewarnt worden sind. An Hirsche haben sie mich erinnert, so riesenhaft, königlich sind sie vor mir aufgetaucht.« (11. Tag, 121)

Knecht

Ein aus Kärnten stammender namenloser Knecht zündet im Nachbarort, acht Kilometer entfernt von Weng, den Hof seines Bauern an und verschwindet danach spurlos. Bei dem Brand kommen viele Tiere zu Tode und die Bäuerin wird von einem Dachbalken erschlagen. Die Leute vermuten, dass er sich wegen einer unglücklichen Liebesbeziehung mit dem Bauern rächen wollte (17. Tag, 197).

Landstreicher

Am einundzwanzigsten Tag erzählt der Maler dem Famulanten »Die Geschichte mit dem Landstreicher« (21. Tag, 249-255). Er sei im Lärchenwald einem Landstreicher begegnet, der wie ein Zirkusdirektor gekleidet gewesen sei und sich zuerst totgestellt habe, weil er habe herausfinden wollen, wie ein Mensch reagiert, der einen anderen tot auffindet. Er habe sich als Direktor eines »beweglichen Theaters« (21. Tag, 251) vorgestellt und dem Maler allerlei Kunststücke vorgemacht. Darüber sei man in ein Gespräch über Poesie, Kunst und die Zuschauer gekommen (21. Tag, 253). Dann sei der Landstreicher plötzlich verschwunden. Zuletzt fragt der Maler den Famulanten, ob er glaube, er habe die Geschichte erfunden. Der Famulant schließt seine Notizen mit der Bemerkung: »Ich glaube schon, daß sie wahr ist« (21. Tag, 255).

Mann

Der Famulant belauscht ein nächtliches Gespräch zwischen der Wirtin und dem Wasenmeister, in dem von einem Mann die Rede ist, den beide von früher gut kennen und der am Tag zuvor im Tal zu Besuch war. Der Wasenmeister hat ihn zufällig getroffen und ihm Geld für die Heimreise geliehen. Die Wirtin reagiert unwirsch: Dieser Mann sei »an allem schuld«, er habe aus ihrem Mann einen Verbrecher gemacht, schon in der Schulzeit habe er ihn »auf Abwege gebracht« (22. Tag, 256). Zwei Tage später erinnert der Famulant sich wieder an das Gehörte, stellt sich vor, dass der Mann ein Geliebter der Wirtin war, und mutmaßt über seine Herkunft und über seine Rolle in dem Prozess gegen den Wirt (24. Tag, 279 f.).

Marwetz, Doktor

Ein Arzt, der den Famulanten auf die Idee brachte, Medizin zu studieren, und sich wünscht, dass er später seine Praxis übernimmt (7. Tag, 53). Er gehört zu den wenigen mit Personennamen (statt Berufsbezeichnungen) versehenen Figuren des Romans.

Metzgergehilfin

Während der Famulant und der Maler an einem Teich vorbeigehen, bemerkt der Maler, dass in der Gegend mehrere Menschen spurlos verschwunden seien, zuletzt die Metzgergehilfin (9. Tag, 101).

Neffe des Malers Strauch

Der Maler Strauch erwähnt einen Neffen, der Jurist gewesen sei, aber über der Arbeit »verrückt geworden« und in der Irrenanstalt »Am Steinhof« gelandet sei (3. Tag, 19). Da sein Bruder kinderlos ist, muss der Neffe ein Sohn seiner Schwester sein.

Oberin

Sie leitet das Armenhaus, das der Maler hin und wieder besucht. Sie ist bemüht, Geld für die Armen einzutreiben (10. Tag/»Im Armenhaus«, 110). Bei einem seiner Besuche erfährt der Maler, dass der Fassbinder, den er auf einer Bank in ihrem Zimmer liegen sieht, nur in ihrer Nähe zu schreien aufhört. Noch während seines Besuches fällt der Mann tot von der Bank (ebd., 114). Ihr Vater ist bei einem Traktorunfall gestorben, ihr Bruder, ein Jagdgehilfe, hat sich erschossen (ebd., 113).

Pfarrer aus dem Nachbarort

Nach der Beerdigung der Bäuerin macht der Pfarrer beim Leichenschmaus anzügliche Bemerkungen und tanzt (22. Tag, 261).

Pfarrer in Weng

Hin und wieder besucht der Maler den Pfarrer im Ort, »um mit ihm ›über seine schwarze Katze zu reden, denn über etwas anderes kann man sich mit ihm nicht unterhalten‹«. Die Besuche des Malers gelten denn auch eher seinem guten Wein (19. Tag, 221). Er ist ein Bauernsohn aus Lungau, seine Schwester ist seine Haushälterin, ohne die er nach Meinung des Malers »gar nicht existieren könnte« (ebd., 222). Er sei ein »›absolut guter Mensch‹, wenn auch, wie gesagt, ›hilflos in den einfachsten Dingen. Ganz zu schweigen von Erzbischofbesuchen, wo er ganz und gar versagt‹« (ebd.), denn er »fürchtet sich vor jedem Zeremoniell« und vor allem vor dem Bischof, was der Maler »poetisch« findet (14. Tag, 153). Er sei »ein schwerkranker Mann« und so furchtsam, dass selbst ein Vogel ihn aus der Fassung bringen könne. Dennoch gehe er, wenn es sein müsse, »mitten in der Nacht, in der größten Finsternis« zu einem Sterbenden (ebd.). Er besitze eine sehr gute Bibliothek, könne keine Kanzelreden halten und weine sehr oft (ebd.). Er kennt die Einstellung des Malers zur Kirche und macht keinen Versuch, ihm »mit etwas, wovon er ja selber nicht restlos überzeugt ist, zu kommen« (19. Tag, 222).

Pfarrersköchin

Die Schwester des Pfarrers in Weng ist zugleich seine Köchin und Haushälterin und ihrem Bruder »so treu, daß dieser ohne sie gar nicht existieren könnte« (19. Tag, 222). Beide stammen von einem Bauernhof. Sie hat ein Verhältnis mit dem Rauchfangkehrer (ebd.).

Postmeisterin

Die Postmeisterin, eine Verwandte des Wasenmeisters, stempelt einen Brief des Famulanten an den Chirurgen Strauch ab. Beide kommen über den Maler ins Gespräch und die Postmeisterin erklärt, dass er bei seinen früheren Aufenthalten in Weng »fast jeden Tag Berge von Post« bekommen habe, jetzt aber keinen einzigen Brief »in den ganzen langen Wochen, die der Maler schon da sei« (15. Tag, 173). Die Wirtin erzählt dem Famulanten, dass die Postmeisterin früher ihre Freundin gewesen sei und auch jahrelang in ihrem Gasthaus gegessen habe: »›Unsere Männer haben uns aber auseinandergebracht‹, sagte sie.« (17. Tag, 206) Die Postmeisterin sei früher mit dem Briefträger verheiratet gewesen, habe sich aber scheiden lassen und vor fünf Jahren einen Arbeiter aus der Zellulosefabrik geheiratet; auch diese Ehe scheint nicht geglückt zu sein (ebd.).

Schaustellertruppe

Eine Schaustellertruppe aus Kärnten, die »[v]erkrüppelte Frauen und verkrüppelte Tiere« (21. Tag, 247) ausstellt, gerät, nachdem sie im Wagnerwirtshaus die Zeche geprellt hat, in eine Schlägerei mit einheimischen »Bauernburschen« (21. Tag, 246 f.). Der Gendarm, der durch Tritte in den Unterleib verletzt wird, nimmt sie fest, nur einer kann fliehen. Den Schaustellern droht ein Prozess wegen Körperverletzung und Zechprellerei. Ihre Wagen, die der Gendarm versiegelt hat, möchte der geschädigte Wagnerwirt übernehmen und verkaufen, um so einen Teil seiner Rechnung zu decken (21. Tag, 248).

Schnapsbrenner

Der Maler kehrt mit dem Famulanten beim Schnapsbrenner ein, einem Mann, »lang, mager, wie aus Holz« (5. Tag, 41). Er lebt mit seinen beiden Töchtern in einem abgelegenen Haus. Jeden Winter geben die Leute ihm kein Jahr mehr, aber, so der Maler, »jedesmal, wenn ich herkomme, treffe ich ihn« (ebd.). Aus Furcht, von seinen heiratsfähigen Töchtern verlassen zu werden, schließt er sich mit ihnen ein und unterdrückt sie. Sie fügen sich »wie Unmündige«, weil sie sich vor ihm fürchten. Er sei der schweigsamste Mensch, dem er je begegnet sei, sagt der Maler, und tatsächlich spricht der Schnapsbrenner während des zweistündigen Besuchs kaum ein Wort, begrüßt und verabschiedet seine Gäste lediglich mit einem »Ja« und befiehlt seinen Töchtern mit den Worten »Speck«, »Schnaps« oder »Brot«, das Gewünschte zu bringen (ebd.).

Schrankenwärtersohn

Ein junger Mann, »kräftig, braun«, Arbeiter in der Zellulosefabrik, der mit der älteren, vierzehnjährigen Tochter der Wirtin ein Techtelmechtel hat. Der Famulant wird unfreiwillig Zeuge, wie die Wirtin ihre Tochter mit dem Schürhaken schlägt, nachdem sie, wie er vermutet, die Nacht mit dem jungen Mann verbracht hat. »Zu Mittag hieß es, das Mädchen sei ausgezogen und fortgefahren. Sie sei mit dem Liebhaber in einen Zug.« (12. Tag, 128)

Schuhmachergehilfe

Er wird bei der Schlägerei mit den Schaustellern verletzt, bricht aber erst Stunden später bei einem Begräbnis zusammen. Der ins Dorf gerufene Arzt diagnostiziert eine Gehirnerschütterung und eine Wirbelsäulenverletzung (21. Tag, 246 f.).

Strauch, Doktor (Chirurg, Assistent)

Der um ein Jahr ältere Bruder des Malers Strauch ist Assistenzarzt im Spital in Schwarzach und Vorgesetzter des Famulanten. Nachdem er seinen Bruder zwanzig Jahre nicht gesehen und seit zwölf Jahren auch keinen Briefkontakt mehr mit ihm hat, beauftragt er den Famulanten, nach Weng zu reisen, um seinen Bruder zu beobachten. Der Auftrag lautet: »Beschreibung seiner Verhaltensweisen, seines Tagesablaufs; Auskunft über seine Ansichten, Absichten, Äußerungen, Urteile. Ein Bericht über seinen Gang. Über seine Art, zu gestikulieren, aufzubrausen, ›Menschen abzuwehren‹. Über die Handhabung seines Stockes. ›Beobachten Sie die Funktion des Stockes in der Hand meines Bruders, beobachten Sie sie genauestens.‹« (2. Tag, 12)

Der Famulant sieht in dem Chirurgen und seinem Bruder zwei fundamental entgegengesetzte Charaktere (18. Tag, 212). Der Chirurg ist in seinen Augen ein »Erfolgsmensch«, der, anders als sein Bruder, »Verzweiflung nicht kennt oder einfach nicht an sich herankommen lässt« (18. Tag, 212). Er lebt nur für seinen Beruf, gönnt sich keine Vergnügungen oder Zerstreuungen und »ist ein Feind des Zwischenreichs, der Kunst« (18. Tag, 213).

Wie er mit den Mitteilungen des Famulanten umgeht, erfährt man nicht, denn auf die insgesamt sechs Briefe, die dieser ihm schreibt (und die gegen Ende des Romans im Wortlaut eingerückt sind), reagiert er nicht.

Strauch, Eltern

Nach Angabe des Malers haben seine Eltern seinen älteren Bruder immer bevorzugt. Ihn selbst hätten sie vernachlässigt, während der Bruder alle Unterstützung und Zuneigung bekam: »Die Eltern kümmerten sich wenig um ihn, mehr um den ein Jahr älteren Bruder, von dem sie alles erwarteten, was sie von ihm nicht erwarteten: eine geregelte Zukunft, überhaupt Zukunft. Mehr Liebe und mehr Taschengeld hatte sein Bruder immer bekommen. Wo er sie enttäuschte, enttäuschte sein Bruder sie nie.« (5. Tag, 33). Die Eltern sterben beide innerhalb eines Jahres und offenbar recht früh, schon kurze Zeit nach den Großeltern (ebd.).

Strauch, Großeltern

Der Maler wuchs, wie er dem Famulanten erzählt, bei seinen Großeltern auf. Sein Großvater habe ihn zu langen Spaziergängen mitgenommen, bei denen er ihm die Welt erklärt habe. »Die Großstadt wechselte in seinem Leben oft mit dem Land ab, denn sein Großvater war unruhig, genauso unruhig wie er selbst. Die Großmutter geistreich, stattlich, unzugänglich für gemeine Menschen. Der Großvater nahm den Enkel mit in Landschaften, in Gespräche, in Finsternisse hinein. ›Herrenmenschen waren die Großeltern‹, sagte er. Ihr Verlust war sein allergrößter Verlust.« (5. Tag, 33)

Strauch, Maler

Der Maler Strauch hat sich in das Gebirgsdorf Weng zurückgezogen und logiert dort im Gasthaus der Wirtin. Sein um ein Jahr älterer Bruder, der Chirurg Strauch, der ihn seit zwanzig Jahren nicht gesehen hat (2. Tag, 12), schickt seinen Famulanten nach Weng mit dem Auftrag, ihn zu beobachten. Der Auftrag lautet wörtlich: »Beschreibung seiner Verhaltensweisen, seines Tagesablaufs; Auskunft über seine Ansichten, Absichten, Äußerungen, Urteile. Ein Bericht über seinen Gang. Über seine Art, zu gestikulieren, aufzubrausen, ›Menschen abzuwehren‹. Über die Handhabung seines Stockes. ›Beobachten Sie die Funktion des Stockes in der Hand meines Bruders, beobachten Sie sie genauestens.‹« (2. Tag, 12) Die Aufzeichnungen des Famulanten über seine täglichen Begegnungen mit dem Maler konstituieren den Roman. Abgesehen von (fremdcharakterisierenden) Aussagen anderer Figuren über den Maler sowie von dessen eigenen (selbstcharakterisierenden) Reden wird die Figur also ganz aus der Perspektive des Famulanten präsentiert. Umgekehrt beruhen die Charakterisierungen einer ganzen Reihe von anderen Figuren, die der Famulant nur oberflächlich oder gar nicht kennenlernt, auf Aussagen des Malers.

Der Maler ist, wie der Famulant feststellt, kleiner als sein Bruder (14. Tag, 152), hat dünne Beine (6. Tag, 48), trägt einen großen schwarzen Hut und einen Spazierstock, mit dem er oft herumfuchtelt (2. Tag, 13; ebd. 14). An Fuß, Gesicht und Nacken bemerkt der Famulant »weibliche Hautpartien«, die ihm »kränklich« erscheinen: »Stellen der Auflösung. […] An die Oberflächenstruktur überreifer, auf vergessenen Feldern liegende Kürbisse erinnerte mich seine Haut. Das ist schon Verwesung.« (7. Tag, 53) Tatsächlich klagt er oft über Schmerzen, insbesondere Kopfschmerzen, und entwickelt wunderliche Theorien über deren Herkunft und Bedeutung (7. Tag, 51-53; 9. Tag, 93). So bestünde bekannterweise zwischen seinen Fuß- und Kopfschmerzen eine Verbindung, »[w]enn auch noch so geheim« (7. Tag, 51). Für den Maler liegt das »Zentrum des Schmerzes […] im Zentrum der Natur«, die selbst zwar mehrere Zentren habe, deren Mittelpunkt aber der Schmerz sei (6. Tag, 44).

Er wandert viel in der Umgebung und liest außer Zeitungen ausschließlich in den »Pensées« von Pascal, die er immer bei sich trägt. Die Bezeichnung ›Maler‹ weist er zurück, er sei »höchstens ein Anstreicher gewesen« (3. Tag, 16). Die Malerei hat er aufgegeben, sie hatte in seinen Augen keinen Wert, seine Bilder, die er »nur in völlig abgedunkelten Räumen« malen konnte (13. Tag, 139), hat er ausnahmslos verbrannt (5. Tag, 35). Einziges Überbleibsel seiner Zeit als Maler ist ein »Künstlerrock« aus rotem Samt, den er gelegentlich noch trägt, obwohl er »ein Ruin für sich« sei, weshalb er beschließt, ihn »heute« (6. Tag) zum letzten Mal getragen zu haben (44). Am 13. Tag zieht er ihn jedoch erneut an. Damit will er sich und »die Welt erschrecken«, denn in seinem »roten Rock« fühlt er sich stets »wie der größte Narr aller Zeiten«. Dies würden ihm seine Mitmenschen auch glauben (13. Tag, 143).

Der Assistent Strauch beschreibt seinen Bruder als »Gedankenmensch[en]. Aber heillos verwirrt. Verfolgt von Lastern, Scham, Ehrfurcht, Vorwürfen, Instanzen.« Er sei ein »Spaziergängertypus, also ein Mensch, der Angst hat. Rabiat. Und ein Menschenhasser« (2. Tag, 12 f.). Die Misanthropie des Malers resultiert nach eigenen Angaben daher, dass sein Vertrauen enttäuscht wurde (3. Tag, 21). In seinen Gesprächen mit dem Famulanten kreist er um die Themen Kindheit und Jugend (z. B. 5. Tag, 32; 16. Tag, 190 f.), Politik (3. Tag, 20; 24. Tag, 282 f.), Kunst/Künstler (z.B. 13. Tag, 139; 13. Tag, 140 f.) und Schmerz (z. B. 7. Tag, 51 f.). Der Staat Österreich sei ein »Hotel der Zweideutigkeit, das Bordell Europas«, zwar mit sehr guter Reputation in Übersee, aber mit einer Demokratie, die der Maler als »größte[n] Schwindel« bezeichnet (24. Tag, 282 f.). Sein idealer Staat ist der platonische (ebd.).

Er sieht sich selbst als jemanden, der zeit seines Lebens mit sich und der Welt gehadert hat: »Ich wußte nie, was anfangen. Mit dem, was auf einen zukommt, Einflüsse, Umwelt, Ich, mit dem wurde ich nicht fertig.« (5. Tag, 31) Er habe schon immer viel über das »Alleinsein« nachgedacht (5. Tag, 36), irritiert gerne seine Mitmenschen (7. Tag, 57; 9. Tag, 94) und ist enttäuscht, wenn er damit nicht die erhoffte Wirkung, wie z. B. Ekel, hervorruft (3. Tag, 25).

Für den Famulanten gehört der Maler zu den Menschen, die »alles flüssig machen. Was sie anrühren, schmilzt« (11. Tag, 117). In seinem Reden und Handeln sei der Maler widersprüchlich, da er »immer auch das Gegenteil« miteinbeziehe (8. Tag, 85). So auch bei seinem Anti-Vaterunser: »Vater unser, der du bist in der Hölle, geheiligt werde kein Name. Zukomme uns kein Reich. Kein Wille geschehe. Wie in der Hölle, als auch auf Erden. Unser tägliches Brot verwehre uns. Und vergib uns keine Schuld. Wie auch wir vergeben keinen Schuldigern. Führe uns in Versuchung und erlöse uns von keinem Übel. Amen. So geht es ja auch.« (19. Tag, 221)

Der Maler ist von einer großen Unruhe getrieben, er ist »ständig aufgeregt und irritiert« (7. Tag, 77). Seine Sprache bezeichnet der Famulant als »Herzmuskelsprache« (14. Tag, 145 f.), es fällt ihm zuerst schwer, den Maler zu verstehen und seine Worte adäquat wiederzugeben (ebd).

Obwohl er nicht gut von seinen recht früh verstorbenen Eltern spricht, glaubt der Famulant zu erkennen, dass er sie geliebt hat (3. Tag, 17). Als Kind fühlte er sich ungeliebt und stand immer im Schatten seines erfolgreicheren älteren Bruders (5. Tag, 33). Mit seiner Schwester fühlte er sich wohl etwas enger verbunden, beide halten angeblich losen Briefkontakt (ebd.). Aufgewachsen ist er jedoch nicht bei den Eltern, sondern bei seinen Großeltern, und das »ziemlich wild« (5. Tag, 32). Mit ihnen lebte er wechselnd auf dem Land und in der Großstadt, weil der Großvater ähnlich unruhig gewesen sei wie sein Enkel, den er »in Landschaften, in Gespräche, in Finsternisse hinein« mitgenommen habe (5. Tag, 33.). Auch legte der Großvater viel Wert auf Bildung, so dass der Enkel schon bei der Einschulung mehr wusste als der Lehrer (5. Tag, 32). »Herrenmenschen« seien die Großeltern gewesen, und ihr Verlust »war sein größter Verlust« (5. Tag, 33.).

Nach der Schule begann er in einem Büro zu arbeiten und besuchte dann die Kunstschule mit einem Stipendium (5. Tag, 35). Da die Malerei ihn nicht ernähren konnte, arbeitete er zeitweise als Hilfsarbeiter in einem »Schneeschauflertrupp« (8. Tag, 83) in Wien und als Hilfslehrer. Während er sehr gerne Hilfsarbeiter war, hasste er die Arbeit als Hilfslehrer, von der er dem Famulanten ausgiebig berichtet (18. Tag, 210 f.).

Der Ort Weng hat für ihn besondere Bedeutung: Im Krieg fanden er und seine Schwester dort wiederholt Zuflucht (18. Tag, 209). Nach Auskunft des Wasenmeisters war der Maler damals ein lebenslustiger junger Mann, der »immer gelacht« und »alles mitgemacht« habe, ein »großer Blutwurstesser« sei er gewesen und habe beim Trinken »mehr vertragen als viele Einheimische«. Dass er jetzt »anders sei als früher«, habe er schon bei dessen Besuch im letzten Spätherbst bemerkt (7. Tag, 50).

Der Maler »interessiert sich nur für sich« (3. Tag, 17), stellt der Famulant gleich zu Beginn fest. Auch bemerkt er früh, »daß ihn nur der Selbstmord beschäftigt« (ebd., 20). In den langen, oft eher Selbstgesprächen gleichenden Reden des Malers bei den täglichen Begegnungen erkennt er eine tiefe Verstörung, deren Ursachen und innere Zusammenhänge er (und mit ihm der Leser seiner Aufzeichnungen) letztlich nicht zu durchschauen vermag. »Der Maler ist, glaube ich, so für sich allein, daß keiner ihn jemals versteht.« (21. Tag, S. 245)

Am Ende des Romans, nach seiner Rückkehr nach Schwarzach, liest der Famulant im »Demokratischen Volksblatts«, dass der Maler verschollen ist: »Der Berufslose G. Strauch aus W. ist seit Donnerstag vergangener Woche abgängig. Wegen der herrschenden Schneefälle mußte die Suchaktion nach dem Vermißten, an welcher sich die Angehörigen der Gendarmerie beteiligten, eingestellt werden.« (27. Tag, 336)

Strauch, Schwester

Die namenlos bleibende Schwester der Brüder Strauch lebt nach Aussage des Malers seit längerer Zeit in Mexiko und wechselt mit ihm zwei- oder dreimal im Jahr Briefe (5. Tag, 33). In früheren Jahren scheinen beide enger verbunden gewesen zu sein, besonders in den Kriegsjahren, in denen sie gemeinsam Schutz in Weng fanden (18. Tag, 209).

Bei einem dieser Aufenthalte in Weng wurde sie von dem Brunnenmacherlehrling hinter der Kirchenmauer geschwängert. Sie habe »nichts gegen dieses Kind einzuwenden« gehabt, meint der Maler, vielmehr habe sie während ihrer Schwangerschaft ›freundliche Züge‹ gehabt, die er vorher nicht an ihr bemerkt habe, »so etwas wie eine immer zurückgehaltene Wildheit« sei an ihr zum Vorschein gekommen (18. Tag, 209). Aber dann sei das Kind bald nach der Geburt gestorben, das habe sie nie verwunden (ebd.).

An anderer Stelle spricht der Maler von einem Neffen, der Jurist und später »verrückt« geworden sei (3. Tag, 19). Da sein Bruder kinderlos ist, muss es sich um einen weiteren Sohn seiner Schwester handeln

Studenten

Zwei befreundete Studenten verunglückten in der Klamm. Einer der beiden schafft es aus eigener Kraft, Hilfe für den Freund zu holen. Die Dorfbewohner retten die Fremden und bringen sie unter Beschimpfungen und Vorwürfen in ein Gasthaus in der Nähe des Bahnhofs. Ständig, so der Ingenieur, hätten sie »mit Bergsteigern zu tun, die, weil sie ahnungslos und noch dazu schlecht ausgerüstet sind, abstürzen oder sich verirren«. Der Ingenieur sorgt dafür, dass die Studenten für alle entstandenen Kosten aufkommen. Er vermutet, dass sie oben in der Hütte Selbstmord begehen wollten (12. Tag, 132 f.).

Tochter der Gemischtwarenhändlerin

Die Schule hat wieder begonnen und im Laden des Ortes kaufen die Schüler ihre Schreibwaren. Der Andrang ist so groß, dass die Tochter der Ladeninhaberin, ein kleines Mädchen in einem schwarzen Kleid, mit dem Abzählen des Kleingeldes nicht mithalten kann, mit dem die Kinder bezahlen (13. Tag, 141 f.).

Wagnerwirt

Der Wirt des Wagnerwirtshauses erhebt Anspruch auf die beschlagnahmten Wagen und Tiere der Schaustellertruppe, um sich daran für deren Zechprellerei schadlos zu halten. Die Tiere will er schlachten und die Wagen für den Heutransport nutzen. Der Gendarm meint allerdings, dass das Eigentum dem Staat zufallen wird (21. Tag, 248).

Wasenmeister

Der Wasenmeister, d. i. der Abdecker, ein »großer schwarzer Mann« (4. Tag, 27), versieht auch das Amt des Totengräbers in Weng. Zu jeder Jahreszeit trägt er eine Lederjacke und eine Lederhose (7. Tag, 63). Er hat ein Verhältnis mit der Wirtin, setzt sich aber bei ihr dennoch vehement für ihren im Gefängnis sitzenden Mann ein und drängt sie, ihm eine von ihm erbetene Geldsumme ins Gefängnis zu schicken (7. Tag, 60-62). Dass er sich vor dem Tag fürchtet, an dem der Wirt aus der Haft entlassen wird, und dass auch er – wie die Wirtin – sich insgeheim seinen Tod wünscht, wird angedeutet (19. Tag, 235).

Als er den Maler in klirrender Kälte auf einem Holzstumpf sitzend findet, überredet er ihn, ins Wirtshaus zurückzugehen (7. Tag, S. 49 f.), und verlangt von der Wirtin, dass sie ihm das Zimmer besonders stark einheizt und sich um ihn kümmert. Im Gespräch mit dem Famulanten äußert er die Sorge, der Maler könnte sich umbringen (7. Tag, 50 f.).

Alle vierzehn Tage fährt er in die Stadt, »von allen ist er der einzige, der hie und da etwas von der Welt sieht« (7. Tag, 63). Beim Ausheben der Gräber findet er oft Schmuckstücke, die er angeblich in der Stadt verkauft (ebd.).

Nach dem Krieg musste er sich zunächst mehrere Wochen in »Heuhütten« verstecken, weil er noch Uniform trug (9. Tag, 105). Als er dann nach Weng zurückkehrte, gab die Gemeinde ihm die »Ämter, für die sich sonst niemand meldete«; vor dem Krieg war er Holzfäller, hatte jedoch diesen Beruf nicht erlernt (7. Tag, 63). Früher schilderte er oft seine Erlebnisse aus dem Krieg, die auch der Maler sich gerne angehört hatte (7. Tag, 51). Der Maler ist überzeugt, dass der Wasenmeister wie nahezu jeder im Tal an Tuberkulose leidet (14. Tag, 158) und dass er nachtblind ist (3. Tag, 23).

Wirt

Der Ehemann der Wirtin sitzt wegen Totschlags im Gefängnis: In der Wirtsstube hatte der alkoholkranke Mann einen Arbeiter aus dem Kraftwerk mit einem Bierkrug so stark auf den Kopf geschlagen, dass er seinen Verletzungen erlag. Die Wirtin selbst hatte ihren Mann angezeigt, weil sie, wie sie später zugibt, ihr Liebesverhältnis mit dem Wasenmeister ungestört ausleben wollte (7. Tag, 61). Im Prozess wurde auf Notwehr erkannt, so dass die Strafe mit zwei Jahren milde ausfiel (ebd.). Aus der Haftanstalt schickt er seiner Frau Briefe mit Bitten um Geld und warme Kleidung, denen sie widerwillig und nur auf Drängen des Wasenmeisters nachkommt (7. Tag, 60 f.). Der Maler ist überzeugt, dass »diese Totschlaggeschichte« ihm »endgültig das Genick gebrochen« hat und dass »etwas Furchtbares« geschehen wird, wenn er aus der Strafanstalt zurückkommt (7. Tag, 62). Die Wirtin wünscht sich, dass er »nicht mehr da wäre« (19. Tag, 235). – In den Wirren der letzten Kriegstage war der Wirt nur knapp der Erschießung durch französische Soldaten entgangen (9. Tag, 104 f.).

Wirtin

Die Wirtin des Gasthauses, in dem der Famulant absteigt, führt das Haus zu diesem Zeitpunkt in Eigenregie, weil der Wirt eine zweijährige Haftstrafe absitzt. Sie selbst hatte ihren Mann angezeigt, weil sie ihr Liebesverhältnis mit dem Wasenmeister ungestört ausleben wollte (7. Tag, 61). Sie hatte den Wirt mit sechzehn Jahren geheiratet, weil sie von ihm schwanger geworden war (ebd.), und begann, wie der Maler Strauch berichtet, schon nach einem Jahr fremdzugehen (7. Tag, 69), womit sie es ihrem Mann allerdings nur gleichtat (vgl. 11. Tag, 117). Aktuell hat sie ein Verhältnis mit dem Wasenmeister und mit dem Gendarmen und lässt wohl auch sonst kaum eine Gelegenheit aus; besonders die regelmäßig ins Tal kommenden Bierführer haben es ihr angetan (7. Tag, 66). Die Bitten ihres Mannes um Geld und warme Kleidung erfüllt sie widerwillig und nur auf Drängen des Wasenmeisters (7. Tag, 60 f.). Vor seiner Rückkehr fürchtet sie sich (7. Tag, 62, 65) und wünscht sich, dass er »nicht mehr da wäre« (19. Tag, 235). Der Maler ist überzeugt, dass »etwas Furchtbares« geschehen wird, wenn der Wirt aus der Strafanstalt zurückkommt (7. Tag, 62).

Im Tal gilt sie als Fremde, denn ihr Vater stammt »aus einem anderen Tal, gegen das Tirolische zu« (11. Tag, 116). Er war »Wegmacher« und hinterließ ihr »nichts als die Begräbnisschulden« (11. Tag, 117). Mit vierzehn Jahren verdingte sie sich als Stallmagd bei dem Bauern aus dem Nachbardorf. »Eine gute Arbeitskraft ist sie immer gewesen«, womit sie wohl auch das Interesse des Wirts auf sich gezogen hat (ebd.).

Das Gasthaus führt sie mit Geschick und Tatkraft. Ohne sie würde es längst nicht mehr existieren, meint der Maler, denn der Wirt sei alkoholkrank (11. Tag, 116). Sie ist eine sehr gute Köchin, steht allerdings im Verdacht, den Gästen heimlich Hundefleisch zu servieren, ein Verdacht, der sich in einer vom Famulanten belauschten nächtlichen Szene, in der der Wasenmeister ihr einen toten Hund bringt, zu bestätigen scheint (22. Tag, 255-257).

Mit ihren beiden halbwüchsigen Töchtern geht sie lieblos um; die ältere, eine Vierzehnjährige, schlägt sie mit einem Schürhaken blutig, weil sie, wie sie vermutet, eine Nacht mit dem Sohn des Schrankenwärters verbracht hat. Am nächsten Tag heißt es, dass die Tochter mit ihrem Liebhaber durchgebrannt sei (12. Tag, 128). Der Maler glaubt zu wissen, dass sie und ihre Töchter, wie fast alle im Tal, an Tuberkulose leiden (14. Tag, 158).

Der Famulant empfindet von Anfang an Ekel vor der rohen Sinnlichkeit der Wirtin: »Mich ekelt vor der Wirtin. Es ist derselbe Ekel, der mich als Kind vor offenen Schlachthaustüren hat erbrechen lassen. Wäre sie tot, würde mich – heute – nicht vor ihr ekeln – die toten Sezierkörper erinnern mich nie an lebendige Körper –, aber sie lebt, und sie lebt in einem faulen, uralten Gasthausküchengeruch.« (2. Tag, 9) Gleich bei der ersten Begegnung bietet sie sich ihm unverkennbar an: »Stillschweigend schien sie mich, noch im Türrahmen, etwas zu fragen, das nur eine Frau einen Mann blitzschnell fragen kann. Ich war überrumpelt. Es gab keinen Irrtum. Ich schlug ihr Angebot, ohne ein Wort zu sagen und nicht ohne plötzliche Übelkeit, aus.« (ebd., 10)

Dem Maler gefällt es, dass sie dem Famulanten zuwider ist, und bestätigt seine Einschätzung: »Sie ist ein »Unmensch« (3. Tag, 22). Leuten wie ihr »seien Begriffe wie Hochachtung und Ehrfurcht unbekannt« (11. Tag, 115). Der Fremdenhass der Dorfbewohner tue ein übriges: Sie ließen einen Menschen, »der nicht dazugehört«, der »sich von ihnen nichts hat sagen lassen«, ungerührt untergehen: »Sie bezeichnen so jemanden wie die Wirtin als Ungeziefer.« (ebd., 116)

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