Heinrich Mann: »Der Untertan« (1918)

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Barnim, Herr von

Assessor von Barnim ist ein Freund des Assessors Wiebel und lädt Diederich während seiner Zeit bei den Neuteutonen in seine Wohnung ein, um ihn politisch aufzuklären und gegen die Sozialdemokratie einzustimmen.

Brietzen, Leutnant von

Leutnant von Brietzen beginnt eine Affäre mit Emmi Heßling. Nach einiger Zeit lässt er sich versetzen und verlässt Emmi. Diederich begibt sich zu ihm, um ihn an seine Ehrenpflicht zu erinnern. Von Brietzen bietet sich für ein Duell an. Diederich schlägt dies aus. Angewidert von Diederichs Feigheit wirft ihn der Leutnant aus seinem Haus und verlässt Netzig.

Buck, Der alte

Der alte Buck, Vater von Wolfgang Buck, ist eine angesehene und wohlhabende Persönlichkeit in Netzig. »Der alte Herr Buck trug keinen steifen Kragen, sondern eine weißseidene Halsbinde und darüber einen großen weißen Knebelbart. Wie langsam und majestätisch er seinen oben goldenen Stock aufs Pflaster setzte! Und er hatte einen Zylinder auf, und unter seinem Überzieher sahen häufig Frackschöße hervor, mitten am Tage!« (12) Seine verstorbene Frau war eine jüdische Theaterschauspielerin. Er zählt zu den Liberalen in Netzig und bekennt sich in vertraulichen Gesprächen als Kritiker des Kaisers. Er war schon an der Märzrevolution 1848 beteiligt und wurde damals sogar zum Tode verurteilt. »Ich bin verurteilt worden, weil ich die Souveränität der Nationalversammlung gegen eine Partikularmacht verteidigte und das Volk, das sich in Notwehr befand, zum Aufstand führte.« (106)

Er versucht Diederich Heßling nach dessen Rückkehr nach Netzig zu fördern und in die gehobene Gesellschaft zu integrieren. Erst im Prozess gegen seinen Schwiegersohn, den Fabrikanten Lauer, verabschiedet er sich von dem Gedanken, dass Diederich ein liberaler Mann und Menschenfreund sein könnte. Auf dem Harmonieball von Netzig verzeiht er Diederich jedoch und sagt ihm sogar seine Unterstützung zu, falls er Stadtverordneter werden möchte.

Als Diederich die nationale »Partei des Kaisers« in Netzig gründet, lässt der alte Buck verlauten, dass es Diederich lediglich um den Erwerb der Papierfabrik Gausenfeld gehe und er die nationale Sache nur unterstütze, um die Fabrik billig aufkaufen zu können. Damit zieht er Diederichs Rachsucht auf sich. Nachdem er mit seinem Kandidaten bei der Wahl zum Reichstag gescheitert ist und Diederich ihn erfolgreich verleumdet hat, gerät er in eine schwere finanzielle Krise. Es kommt sogar so weit, dass er sich von Diederich Geld leihen muss, was Diederich in der Netziger Gesellschaft mit Genugtuung herumerzählt.

In einer letzten Auflehnung gegen seinen gesellschaftlichen Abstieg verklagt Buck die Zeitung »Die Volksstimme«, um den Vorwürfen der Grundstücksspekulation um Gausenfeld zu begegnen. Er gewinnt zwar den Prozess, ist aber danach gesellschaftlich und finanziell ruiniert. Er legt sein Amt als Stadtrat und den Parteivorsitz nieder, bevor man ihm beides entzieht. In seinen letzten Jahren leidet er an einer Herzschwäche. Am Tage der Denkmalsenthüllung, nach einem Besuch Diederichs, dessen Anblick ihn buchstäblich zu Tode erschreckt, stirbt er im Kreise seiner Familie.

Buck, Der Bruder des alten

Der Bruder des alten Buck, ebenfalls ein Liberaler, hat fünf unverheiratete Töchter und ist seit längerer Zeit bankrott. Er wird von seiner Familie unterstützt. Durch seine finanzielle Lage hat er in der Netziger Gesellschaft seine politische und gesellschaftliche Bedeutung verloren.

Buck, Wolfgang

Wolfgang Buck ist der jüngste Sohn des alten Buck und ein früherer Schulfreund Diederich Heßlings. Als beide sich in Berlin treffen, dient er gerade sein Jahr bei der Armee ab, studiert ansonsten Jura und richtet sich darauf ein, Rechtsanwalt in Netzig zu werden. Er hat weiche Gesichtszüge, ist »dick«, elegant gekleidet, »und die Füße setzte er einwärts« (181). Zwar ist er mit Guste Daimchen verlobt, hat aber in Berlin ein Verhältnis mit einer Schauspielerin. Er sympathisiert mit der Sozialdemokratie und äußert sich in privaten Gesprächen oft kritisch über den Kaiser.

Als sein Schwager, Fabrikant Lauer, wegen Majestätsbeleidigung angeklagt wird, kehrt der inzwischen Examinierte nach Netzig zurück, um die Verteidigung zu übernehmen. Um Guste Daimchen kümmert er sich kaum, bittet vielmehr Diederich augenzwinkernd, sich seiner Verlobten anzunehmen, und bekennt offen, dass ihm seine Berliner Liebschaft wichtiger sei. Den Prozess verliert er, der parteiische Richter Sprezius untergräbt seine Verteidigung, und Lauer wird verurteilt. Als Wolfgang sich zu ironischen Äußerungen gegen Staatsanwalt Jadassohn hinreißen lässt, wird er sogar zu einer Ordnungsstrafe von 80 Mark verurteilt.

Auf dem Harmonieball berichtet Guste ihrem Verlobten im Beisein Diederich Heßlings von den Gerüchten um ihre angebliche Verwandtschaft. Wolfgang überspielt mühsam seinen Zorn gegen den Urheber dieser Gerüchte, ohne Guste ins Bild zu setzen. Einige Zeit später entschließt er sich, die Verlobung zu lösen und zum Theater zu gehen. Er bittet Diederich, ihn zu Guste zu begleiten und der Lösung des Verlöbnisses als »Vertreter sozusagen des verhängnisvollen Gerüchtes« beizuwohnen, eine Anspielung, die Diederich nicht versteht. Noch bevor Guste den Salon betritt, verlässt Wolfgang das Haus, so dass es schließlich Diederich ist, der ihr die Lösung des Verlöbnisses mitteilt. Drei Jahre später kehrt Wolfgang Buck nach Netzig zurück und arbeitet wieder als Rechtsanwalt. Wie sein Vater ist auch er nun von der ›feinen Gesellschaft‹ ausgeschlossen und hat politisch resigniert: »Wir sollten uns leicht und klein nehmen heute, es ist die sicherste Haltung angesichts der Zukunft.« (406)

Cohn, Frau

Frau Cohn ist die Ehefrau des Warenhausbesitzers Cohn und eine Dame der gehobenen Netziger Gesellschaft.

Cohn, Herr

Herr Cohn ist jüdischer Warenhausbesitzer und gehört der liberalen Gruppierung in Netzig an. Er missbilligt die Erschießung des Arbeiters Karl durch den Wachposten vor dem Regierungsgebäude. Als er im Prozess gegen Lauer erscheint, erinnert Jadassohn an eine alte Begebenheit, die den Zeugen Cohn diskreditieren soll: »›Geben Sie zu, daß gleich damals einer Ihrer Lieferanten, ein gewisser Lehmann, sich in ihren Lokalitäten durch Erschießen das Leben genommen hat?‹ Und mit dämonischer Befriedigung blickte er auf Cohn, denn die Wirkung seiner Worte war außerordentlich. Cohn begann zu zappeln und nach Luft zu schnappen. ›Die alte Verleumdung!‹ kreischte er. ›Er hat es doch gar nicht meinetwegen getan! Er war unglücklich verheiratet! Mit der Geschichte haben die Leute mich schon einmal kaputt gemacht, und nun fängt der Mann wieder an!‹« (200) Die Wirkung dieser alten Geschichte ist im Prozess so stark, dass Cohn als Zeuge Lauer nicht mehr entlasten kann.

Daimchen, Frau

Die verwitwete Frau Oberinspektor Daimchen ist Guste Daimchens Mutter. Als Guste durch ein Erbe zu unerwartetem Reichtum kommt, glaubt sie sich den höchsten gesellschaftlichen Kreisen zugehörig. Sie empfängt Diederich zwar »auf ihrem alten Plüschsofa, aber in einem braunen Seidenkleid mit lauter Schleifen, und die Hände breitete sie, rot und gequollen wie die einer Waschfrau, vor sich hin auf ihren Bauch, so dass der Gast die neuen Ringe immer vor Augen hatte.« (153) Sie spricht ungeniert von dem neugewonnenen Reichtum und über die Frage, ob sie und ihre Tochter sich nun »altdeutsch oder Louis käs einrichten sollten«. Als Diederich zu Altdeutsch rät, das er »in Berlin in den feinsten Häusern gesehen« habe, äußert sie Zweifel: »Wer weiß, ob Sie so feine Leute wie uns schon besucht haben.«(154)

In der Stadt wurde ihr früher nachgesagt, dass sie vor ihrer Eheschließung mit dem Oberinspektor Daimchen eine Affäre mit dem alten Buck gehabt hat. Angeblich soll Guste das Kind der beiden sein. Das Gerücht stützte sich auf den Umstand, dass Guste »zu früh« (d.h. früher als neun Monate nach der Hochzeit) zur Welt kam und der alte Buck für die Mitgift der Braut aufkam. (234). Diederich Heßling macht sich das alte Gerücht zunutze, um das Verlöbnis von Guste und Wolfgang Buck zu hintertreiben.

Daimchen, Guste

Guste Daimchen ist eine Bekannte Diederichs aus Kindertagen. Diederich trifft sie auf seiner Heimreise nach Netzig im Zug wieder. Er betrachtet sie eingehend und findet alles an ihr »kolossal appetitlich«: »das dicke, rosige Gesicht mit dem fleischigen Mund und der kleinen, frech eingedrückten Nase; das weißliche Haar, nett glatt und ordentlich, den Hals, der jung und fett war, und in den Halbhandschuhen die Finger, die die Wurst hielten und selbst rosigen Würstchen glichen«. (91) Sie ist mit Wolfgang Buck verlobt. Zuvor pflegte sie ihren Onkel in Magdeburg, der ihr aus Dankbarkeit sein Vermögen vermacht hat, das er »mit Zichorie« verdient hat. Sie wird nun in der Stadt als »Millionärin« bezeichnet und gilt als gute Partie, obwohl niemand die wahre Geldsumme kennt, die ihr vererbt wurde. Allerdings gehen Gerüchte, dass sie mit ihrem Verwandten ein Verhältnis gehabt habe, da sie immerhin ein Jahr lang alleine bei ihm gewesen sei. Von der Verbindung mit Wolfgang Buck und seiner in Netzig hoch angesehenen Familie verspricht sie sich vor allem einen hohen gesellschaftlichen Status. Während des Prozesses um den Fabrikanten Lauer hält sie zunächst zu ihrem Verlobten, aber als Wolfgang den Prozess verliert, wendet sie sich verstärkt Diederich zu und versucht ihn mit ehrenrührigen Geschichten über Käthchen Zillich davon zu überzeugen, dass sie die bessere Partie für ihn ist. Bei einem Besuch in seiner Fabrik eröffnet sie ihm, dass sie 350.000 Mark in Papieren auf der Bank hat. Es kommt zu Intimitäten zwischen beiden. Dann findet sie in den Lumpen einen Knopf mit einem Brillanten, den Diederich ihr schenkt.

Bei einem abendlichen Gespräch im Hause Heßling erfährt Diederich von alten Gerüchten, wonach Guste angeblich einer Affäre ihrer Mutter mit dem alten Buck entstammt, mithin die Halbschwester ihres Verlobten Wolfgang Buck ist (234). Diederich sorgt dafür, dass diese Gerüchte erneut die Runde machen, und erreicht damit, dass Wolfgang Buck seine Verlobung mit Guste schließlich löst. Guste verlobt sich daraufhin mit Diederich.

Wenig später gibt es eine Doppelhochzeit im Hause Heßling: Guste und Diederich und Diederichs Schwester Magda und Kienast heiraten am selben Tag. Auf der Hochzeitsreise lernt Guste schnell, dass die ganze Liebe ihres Ehemanns nicht ihr, sondern dem Kaiser gehört. Schon bald nach der Hochzeit wendet Diederich sich immer mehr der Politik zu und vernachlässigt seine Frau. Gustes erstes Kind ist eine Tochter, was ihr ohnehin schlechtes Verhältnis zu Magda vertieft, die zuerst einen Sohn zur Welt bringt. Dann aber bekommt auch Guste einen Sohn und später noch eine weitere Tochter.

Delitzsch

Der »dicke Delitzsch« ist sächsischer Herkunft und Mitglied der Neuteutonen. Er trägt wesentlich zu dem Gefühl der Geborgenheit bei, das Diederich Heßling bei den Neuteutonen empfindet: »Etwas tief Beruhigendes, Vertrauen gestattendes wohnte in dieser glatten, weißen und humorvollen Speckmasse, die unten breit über die Stuhlränder quoll, in mehreren Wülsten die Tischhöhe erreichte und dort, als sei nun das Äußerste getan, aufgestützt blieb, ohne eine andere Bewegung als das Heben und Hinstellen des Bierglases.« (28) Delitzsch ist stets das Opfer von Späßen innerhalb der Korporation und trinkt oft so viel, dass er sich übergeben muss. Er verachtet die »Weibergeschichten« der anderen Korpsbrüder und witzelt gerne darüber. Als Diederich und Wiebel ihn eines Vormittags abholen wollen, erleidet er einen Herzinfarkt: »plötzlich, ehe sie zugreifen konnten, fiel er hin, mitsamt dem Waschgeschirr. Wiebel befühlte ihn: Delitzsch regte sich nicht mehr. ›Herzklaps‹, sagte Wiebel kurz.« (33)

Fischer, Napoleon

Napoleon Fischer ist Maschinenmeister und Vorarbeiter in der Papierfabrik Heßling. Er ist Sozialdemokrat und möchte politische Kariere machen. Einerseits steht er schützend vor den anderen Arbeitern und zieht somit den ganzen Hass Diederich Heßlings auf sich, andererseits ist er jedoch auch ein Opportunist, der versucht, über Diederich Heßlings Einfluss und Kontakte seine Machtposition in der Sozialdemokratischen Partei zu stärken, um einen Sitz im Reichstag zu ergattern. Er ist ein hagerer Mann mit »krummen, mageren Beine[n]«, knochigen Schultern, »knotigen Hände[n]« und einem »dünnen schwarzen Bart«. (101)

Als Diederich einen neuen Holländer für die Papierfabrik bestellt, den er nicht bezahlen kann, weil wegen des Prozesses gegen den Fabrikanten Lauer die Aufträge ausbleiben, hilft Napoleon Fischer ihm, indem er den Holländer selbst montiert und dafür sorgt, dass die Maschine die versprochenen Leistungen nicht liefert. Um die Zahlung hinauszuzögern, will Diederich den Holländer reklamieren, und Fischer bietet sich als Zeuge für die Mängel der Maschine an.

Nach dem Unfall eines vierzehnjährigen Mädchens in der Heßlingschen Papierfabrik nutzt Diederich die Gunst der Stunde und informiert Fischer über das Gerücht, dass Wolfgang Buck und Guste Daimchen Halbgeschwister sein sollen. Fischer sieht die Möglichkeit, mit diesen Informationen über die »Schandtaten der besitzenden Klasse« gegen die gute Gesellschaft Netzigs Stimmung zu machen und sich selbst ein größeres politisches Gewicht zu verschaffen.

Fischer erklärt sich bereit, Diederichs Kandidatur zum Stadtverordneten zu unterstützen, falls dieser seine Kandidatur ebenfalls unterstützt; außerdem fordert er die Unterstützung der Stadt beim Bau eines Gewerkschaftshauses. Das Gewerkschaftshaus wird gebaut, was allerdings nicht Diederich, sondern den Liberalen zu verdanken ist, die die Nähe zu den Sozialdemokraten suchen. Es kommt zwischen Fischer und Diederich zu einem Zerwürfnis. Fischer erhält bei der Reichstagswahl genug Stimmen, um gegen Heuteufel in eine Stichwahl einzutreten. Da ein Brief des Fabrikanten Klüsing das liberale Lager zerschlägt, gewinnt Napoleon Fischer mit der Unterstützung der Nationalen die Wahl zum Reichstagsabgeordneten.

Fritzsche

Der Landgerichtsrat Fritzsche gehört zur liberalen Gruppierung in Netzig. Er verlässt am Abend der Erschießung des Arbeiters Karl frühzeitig das Lokal, in dem die Liberalen und Nationalen in Zwist geraten, und wird somit nicht Zeuge der Äußerungen des Fabrikbesitzers Lauer, die zu einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung führen. Als er Diederich einige Zeit später alleine im Ratskeller antrifft, stellt er ihn zur Rede und zeigt ihm Möglichkeiten auf, wie er die Angelegenheit juristisch beenden kann, ohne dass jemand zu Schaden kommt. Er ist mit der Familie Lauer eng befreundet (vgl. 161). Fritzsche ist der Untersuchungsrichter im Fall Lauer. Vor ihm macht Diederich seine ersten Angaben zum Prozess. Während des Prozesses ist Fritzsche als Zeuge geladen. Statt seinen Freund Lauer zu entlasten, macht er einige belastende Aussagen zu dessen Person. Nach Lauers Verurteilung fährt er in Urlaub nach Genua. (216)

Gehritz, Fräulein

Fräulein Gehritz ist Hausschneiderin in Netzig und arbeitet für die angesehensten Familien der Stadt. Sie verbreitet das Gerücht, wonach Wolfgang Buck und Guste Daimchen Halbgeschwister sind, in der Netziger Gesellschaft.

Göppel, Agnes

Agnes Göppel ist die Tochter des Zellulosefabrikanten Göppel aus Berlin, der mit Diederich Heßlings Vater in geschäftlichen Beziehungen steht. Sie ist schlank und groß, hat rotbraunes Haar und einen weißen Teint. »Eigentlich war sie nicht hübsch«, stellt Diederich bei einem seiner ersten Besuche im Hause Göppel fast erleichtert fest: »Sie hatte eine zu kleine, nach innen gebogene Nase, auf deren freilich sehr schmalem Rücken Sommersprossen saßen. Ihre gelbbraunen Augen lagen zu nahe beieinander und zuckten, wenn sie einen ansah. Die Lippen waren zu schmal, das ganze Gesicht war zu schmal.« (17)

Agnes besucht gerne Konzerte, Kunstausstellungen und das Theater. Sie verliebt sich in Diederich, wird aber auch von dem Studenten Mahlmann umworben, einem Untermieter im Hause Göppel. Der macht Diederich unmissverständlich klar, dass er für die Dauer seines letzten Semesters Anspruch auf Agnes macht, danach könne er ihn »beerben«. (24) Von diesem Zeitpunkt an betritt Diederich das Haus der Familie Göppel zu Agnes‘ Kummer nicht mehr. Erst drei Jahre später treffen beide sich zufällig im Tiergarten wieder, und es entwickelt sich eine Beziehung zwischen beiden. Agnes kämpft in der folgenden Zeit immer wieder mit dem wechselhaften Verhalten Diederichs. Da sie dessen Gründe nicht kennt, hält sie sich an Diederichs emotionalen Momenten fest, die ihr die Hoffnung geben, dass er sie eines Tages heiraten wird. Als die Beziehung endgültig zerbricht, leidet sie sehr darunter. Viele Jahre später erfährt Diederich, dass sie geheiratet hat. 

Göppel, Herr

Herr Göppel, Agnes‘ Vater, ist Zellulosefabrikant in Berlin. Er kommt ursprünglich aus Netzig und liefert auch an die Papierfabrik des alten Heßling. Der »gedrungene, gerötete Mann mit grauem Kinnbart (14) verehrt den alten Buck und ist ein freisinniger Gegner Bismarcks (vgl. 15) Seit dreißig Jahren lebt er in Berlin, seine Frau ist verstorben. Göppel ist ein höflicher und zuvorkommender Mann, der Diederich während seiner Studienzeit an den Wochenenden bewirtet und gerne über Politik diskutiert. Er sieht mit Wohlwollen, dass sich zwischen Diederich und seiner Tochter Agnes eine Beziehung anbahnt. Zu seiner Tochter unterhält er ein sehr inniges und herzliches Verhältnis. Diederich erfährt bereits vor seiner ersten Rückkehr nach Netzig, dass Göppels Geschäfte schlecht gehen, da die Qualität seiner Zellulose nachlässt. Als Diederich seine Beziehung zu Agnes abbricht, sucht Göppel ihn in seiner Berliner Wohnung auf und versucht vergeblich ihn dazu zu bewegen, seine Tochter zu heiraten. Als Diederich ihn zum Duell fordert, schlägt Göppel dies aus: »Die Tochter verführen und den Vater abschießen! Dann ist Ihre Ehre komplett!« (87) Diederichs schäbiges Verhalten verschlägt ihm schließlich die Sprache. Er kehrt unverrichteter Dinge nach Hause zurück.

Grützmacher, Herr

Grützmacher ist der Wirt des Ratskellers in Netzig.

Harnisch, Frau

Dame der Netziger Gesellschaft, Ehefrau des Landgerichtsrates Harnisch und Mutter von Meta Harnisch.

Harnisch, Herr

Landgerichtsrat Harnisch ist einer der Richter im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer.

Harnisch, Meta

Tochter des Landgerichtsrats Harnisch und Freundin von Emmi und Magda Heßling.

Heßling, Der alte

Diederich Heßlings Vater, Besitzer einer Papierfabrik in Netzig . Bevor er zu einer eigenen Fabrik kam, war er Büttenschöpfer in alten Papiermühlen (7) und »hatte dazwischen alle Kriege mitgemacht« (8). Aus dieser Zeit sind ihm ein invalides Bein und der Glaube an preußische Ideale geblieben, die er seinem Sohn mit dem Rohrstock einbläut. Als er erfährt, dass Diederich Knöpfe der in seiner Fabrik verarbeiteten Lumpen gesammelt und gegen Bonbons eingetauscht hat, gerät er aus der Fassung: »Dem Vater, der immer nur methodisch, Ehrenfestigkeit und Pflicht auf dem verwitterten Unteroffiziersgesicht, den Stock geführt hatte, zuckte diesmal die Hand und in die eine Bürste seines silberigen Kaiserbartes lief, über die Runzeln hüpfend, eine Träne. ›Mein Sohn hat gestohlen‹, sagte er außer Atem, mit dumpfer Stimme, und sah sich das Kind an wie einen verdächtigen Eindringling.« (8)

Die »gefühlsselige Art« (8), mit der seine Frau den Sohn erzieht, ist ihm ein Dorn im Auge. Auch sie ertappt er beim Lügen und erklärt sich ihre Charakterschwächen unter anderem durch ihre Lektüre von Romanen (vgl. 8). Trotz seiner autoritären Gesinnung fühlt er sich dem alten Buck freundschaftlich verbunden und verehrt ihn sehr.

Der alte Heßling stirbt früh, noch während Diederichs Studienzeit.

Heßling, Diederich

»Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.« (7) Von Kindes Beinen an fürchtet er sich vor Autoritäten, ganz besonders vor dem Vater, dessen Züchtigungen er dennoch herbeiwünscht und genießt. »Wenn er genascht oder gelogen hatte, drückte er sich so lange schmatzend und wedelnd am Schreibpult umher, bis Herr Heßling etwas merkte und den Stock von der Wand nahm. Jede nicht herausgekommene Untat mischte in Diederichs Ergebenheit und Vertrauen einen Zweifel.« (7) Zugleich reizt es ihn, Autoritäten fallen zu sehen: »Als der Vater einmal mit seinem invaliden Bein die Treppe herunterfiel, klatschte der Sohn wie toll in die Hände – worauf er weglief.« (7)

Diederich Heßling wächst in Netzig auf, einem kleinen fiktionalen Ort nahe Berlin. Die autoritäre Erziehung in Elternhaus und Schule lehrt ihn früh, menschliche Beziehungen auf das Prinzip von Macht und Unterwerfung zu reduzieren. Bereits im Kindesalter versucht er, sich entweder mit den Mächtigen gut zu stellen oder selbst Machtpositionen zu erlangen. Während er eine demütige Bewunderung gegenüber Respektspersonen wie Lehrern, Geistlichen oder Polizisten empfindet und sich ihnen anbiedert, verachtet er die Schwachen, die von den Mächtigen gemaßregelt werden können. Entsprechend wechselt auch sein Verhältnis zu sich selbst je nach Situation zwischen Machtgefühl und Selbstverachtung. Im Bewusstsein gemeinsamer Ohnmacht gegen die Autorität des Vaters fühlt er auch keine Achtung vor seiner Mutter: »Ihre Ähnlichkeit mit ihm selbst verbot es ihm. Denn er achtete sich selbst nicht, dafür ging er mit einem zu schlechten Gewissen durch sein Leben«. (9)

Gegenüber seinen Schwestern Emmi und Magda versucht Diederich früh, sich in Machtpositionen zu bringen. So müssen sie beim Lehrerspiel »nach seinem Diktat schreiben und künstlich noch mehr Fehler machen, als ihnen von selbst gelangen, damit er mit roter Tinte wüten und Strafen austeilen konnte« (11).

In der Schule bietet er sich den Lehrern als Spitzel an und bringt es so »zum Primus und zum geheimen Aufseher« (13). Einen Höhepunkt seiner persönlichen Machtentfaltung erreicht er in der Schulzeit, als er den einzigen Juden der Klasse zwingt, vor einem selbstgebauten Kreuz niederzuknien. Dafür erntet er das Wohlwollen der Lehrer. (vgl. 12) »Immer blieb er den scharfen Lehrern ergeben und willfährig. Den gutmütigen spielte er kleine, schwer nachweisbare Streiche, deren er sich nicht rühmte.« (10) Wie zunächst die Schule erlebt er später auch die Gesellschaft insgesamt als einen »unerbittlichen, menschenverachtenden, maschinellen Organismus«, dem anzugehören und dessen Prinzip von Macht und Unterwerfung zu gehorchen, ihm Lust bereitet: Die »Macht, die kalte Macht, an der er selbst, wenn auch nur leidend, teilhatte«, ist schon des Gymnasiasten ganzer Stolz, weshalb er denn auch dafür sorgt, dass am Geburtstag des Ordinarius sogar der Rohrstock mit Blumen bekränzt wird (vgl. 10).

Diederichs Leistungen in der Schule erfüllen das Notwendige, gehen aber nicht über das Geforderte hinaus. Nach seinem Gymnasialabschluss wird er von seinem Vater auf die Universität nach Berlin geschickt, um Chemie zu studieren.
Dort sucht er sich eine Wohnung nahe der Universität und geht täglich zweimal dorthin, »in der Zwischenzeit weinte er oft vor Heimweh« (14). Bei seinen Besuchen im Hause Göppel findet er Gefallen an der Tochter des Hauses, Agnes Göppel, aber sein Konkurrent Mahlmann hindert ihn zunächst daran, um Agnes zu werben.

Ein früherer Schulkamerad, Gottlieb Hornung, führt ihn bei den »Neuteutonen« ein, einer schlagenden Studentenverbindung. Die hierarchischen Strukturen und Rituale der Verbindung sagen ihm zu, und er fühlt sich in dieser Gruppe wohl und akzeptiert. »Er war untergegangen in der Korporation, die für ihn dachte und wollte. Und er war ein Mann, durfte sich selbst hochachten und hatte eine Ehre, weil er dazugehörte! Ihn herausreißen, ihm einzeln etwas anhaben, das konnte keiner!« (28) Er ist zunächst nur Konkneipant, tritt dann aber auf Drängen seiner Korpsbrüder den Weg zum Vollmitglied an, was von ihm auch verlangt, dass er sich der Mensur stellen muss. Sein Korpsbruder Wiebel nimmt sich seiner an und macht ihn zu seinem »Leibfuchs« (31). Mit dessen Austritt geht seine Lehrzeit zu Ende, er avanciert zum Vollmitglied und trägt seine Renommierschmisse stolz zur Schau.

Als ihm wegen seines kostspieligen Korpslebens das Geld ausgeht, erinnert er sich an den Studenten Mahlmann, dem er einst Geld geliehen hatte. Mit neuem Mut sucht er Mahlmann auf, um sein Geld zurückzufordern. Aber dessen Auftreten schüchtert ihn erneut ein, und als er versucht, ihn zu einem Duell zu fordern, wirft Mahlmann ihn lachend aus seinem Büro.

Kurz darauf muss Diederich nach Netzig reisen, weil sein Vater im Sterben liegt. Nach dessen Tod wird er der Vormund seiner Schwestern. Danach muss er sein Jahr beim Militär abdienen. Die körperlichen Anstrengungen des militärischen Drills sind ihm schon nach kurzer Zeit zuwider. Er kontaktiert einen Alten Herrn der Neuteutonia, einen Geheimen Sanitätsrat, der dafür sorgt, dass er zunächst vom Felddienst befreit und schließlich ausgemustert wird.

Diederich nimmt sein Studium wieder auf, um seinen Doktor zu machen. Im Tiergarten begegnet er zum ersten Mal dem Kaiser und fällt dabei vor Begeisterung in eine Pfütze. Unmittelbar danach trifft er dort zufällig Agnes Göppel. Er beginnt mit ihr eine Liebesbeziehung, die in einem heimlichen Ausflug nach Mittenwalde gipfelt. Doch Diederich kann mit Agnes‘ Liebe nicht umgehen, weil er auch intimste Beziehungen nach dem Prinzip von Macht und Unterwerfung betrachtet: Agnes‘ rückhaltlose Hingabebereitschaft rührt ihn zwar für Momente, erzeugt aber auch Verachtung, weil er sie als Ausdruck der Schwäche wertet. Er verlässt Agnes nach dem Ausflug aufs Land, und als Agnes‘ Vater ihn zur Rede zu stellen versucht, schämt er sich nicht, alle Ansprüche mit dem Argument abzuwehren, sein »moralisches Empfinden« verbiete es ihm, »ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt« (88).

Diederich kehrt nach bestandenem Doktorexamen nach Netzig zurück, um die Fabrik seines verstorbenen Vaters zu leiten. Auf der Heimreise trifft er Guste Daimchen, die er aus Kindertagen kennt und die, wie er wenig später von seinen Schwestern erfährt, durch eine Erbschaft »Millionärin« sein soll. Zu Hause angekommen, »empfand er die feierliche Schicksalsstunde, in der er das erstemal als wirkliches Haupt der Familie ins Zimmer trat, ›fertig‹, mit dem Doktortitel ausgezeichnet und bestimmt, Fabrik und Familie nach seiner überlegenen Einsicht zu lenken« (93). In Netzig gerät er sofort zwischen die Fronten der Liberalen und Nationalen. Beide Seiten versuchen, sich seiner Unterstützung zu vergewissern. Da er plant, seine Papierfabrik zu vergrößern, biedert er sich bei beiden Seiten an. Gleichzeitig entscheidet er sich, um Guste Daimchen zu werben.

Die Fabrik führt er mit harter Hand, um sich Respekt zu verschaffen. So entlässt er den Arbeiter Karl und dessen Braut fristlos, weil sie sich während der Arbeitszeit hinter einem Haufen Lumpen getroffen haben. Er schlägt alle guten Ratschläge des Buchhalters Sötbier in den Wind und übernimmt sich mit dem Kauf eines neuen Holländers (einer Maschine zur Papierherstellung). Mit einer Reklamation der Maschine, bei der Napoleon Fischer ihm mit einer Manipulation behilflich ist, versucht er seiner Zahlungspflicht zu entkommen. Den eigens angereisten Prokuristen der Herstellerfirma, Kienast, der den Schwindel durchschaut, weiß er auf seine Seite zu ziehen, indem er ihm seine Schwester Magda verspricht.

Als der von ihm fristlos entlassene Arbeiter Karl von dem Wachsoldaten Emil Pacholke erschossen wird, nutzt Diederich den Vorfall, um sich als Nationaler zu profilieren. In einem fingierten Telegramm gibt er vor, dass Kaiser Wilhelm II. den Wachsoldaten für seine Tat belobigt und zum Gefreiten befördert hat. Dies geschieht kurz darauf tatsächlich. Im Zusammenhang mit der Erschießung des Arbeiters fallen auch die Worte, mit denen der Fabrikant Lauer sich eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung einhandelt. Diederich muss in dem Prozess als Hauptzeuge der Anklage auftreten, was ihm in der guten Gesellschaft der Stadt zunächst verübelt wird. Eingeschüchtert von der Ablehnung, auf die er allenthalben stößt, verhält er sich in der Verhandlung zunächst sehr ängstlich und hütet sich, Lauer zu stark zu belasten. Als er bemerkt, dass die Stimmung der Mächtigen in Netzig ohnehin gegen Lauer ist, bekräftigt und verschärft er seine Aussage in einem zweiten Anlauf. Er hält eine Rede voll nationalem Pathos, die Lauers Verurteilung besiegelt und die allgemeine Stimmung vollends umschlagen lässt, so dass Diederich nicht nur die Anerkennung des Regierungspräsidenten Wulckow, sondern auch derer zuteil wird, die ihm zuvor mit Ablehnung entgegengetreten waren. Seine gesellschaftliche Stellung erfährt durch seine Rolle im Prozess gegen Lauer einen ungeheuren Aufschwung. Wolfgang Buck, der Verteidiger des Angeklagten, beschreibt Diederich in seinem Schlussplädoyer folgendermaßen: »Ich werde also nicht vom Fürsten sprechen, sondern vom Untertan, den er sich formt; nicht von Wilhelm II., sondern vom Zeugen Heßling. Sie haben ihn gesehen! Ein Durchschnittsmensch mit gewöhnlichem Verstand, abhängig von Umgebung und Gelegenheit, mutlos, solange hier die Dinge schlecht für ihn standen, und von großem Selbstbewußtsein, sobald sie sich gewendet hatten.« (211)

Beim Netziger Harmonieball nutzt Diederich die Gelegenheit, sich beim Regierungspräsidenten Wulckow und seiner Frau einzuschmeicheln. Er redet Wulckow nach dem Mund und lobt das Theaterstück der Gräfin in höchsten Tönen. Schließlich bekommt er eine Einladung zum Tee.

Diederich schließt einen Pakt mit Napoleon Fischer, der ihm bei der Wahl zum Stadtverordneten die Unterstützung der Sozialdemokraten sichern soll. Mit der Hilfe des alten Buck wird er als Kandidat der freisinnigen Partei aufgestellt und mit den Stimmen von Liberalen und Sozialdemokraten zum Stadtverordneten gewählt. Nachdem er sich die Unterstützung der Sozialdemokraten gesichert hat, unterbreitet er Wulckow den Vorschlag, statt eines Säuglingsheimes ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Netzig zu errichten. Als Gegenleistung fordert er die exklusive Belieferung aller lokalen Zeitungen mit Papier und die Unterstützung Napoleon Fischers bei seiner Kandidatur für den Reichstag. Als er zudem versucht, ein eigenes Grundstück als Standort des Denkmals an die Stadt zu verkaufen, weist Wulckow ihn erbost aus seinem Haus.

Diederichs Intrigen gegen die Verlobung von Guste Daimchen und Wolfgang Buck zeigen inzwischen Wirkung. Nachdem Wolfgang seine Verlobung mit Guste gelöst hat, geben Diederich und Guste ihre Verlobung bekannt. Sie heiraten am selben Tag wie Magda und Kienast. Am Tag der Hochzeit wird Diederich durch den Premierleutnant Karnauke zum Verkauf seines elterlichen Grundstückes an Herrn von Quitzin gezwungen. Anschließend überreicht Karnauke ihm den Kronenorden vierter Klasse.

Auf der Hochzeitsreise nach Zürich liest Diederich in der Zeitung vom bevorstehenden Besuch des Kaisers in Italien. Kurzentschlossen folgt er der Reiseroute des Kaisers und richtet seine komplette Hochzeitsreise daran aus. Er hält nachts Wache vor dem kaiserlichen Palast und folgt seinem Idol bei jedem Besuch. Als er einen Mann überwältigt, der verdächtig vor der kaiserlichen Residenz herumschleicht, stellt sich heraus, dass es lediglich ein Künstler war. Diederich erfährt, dass der Kaiser den Reichstag aufgelöst hat, und kehrt mit Guste nach Netzig zurück.

Wieder zu Hause, hilft er bei der Gründung der »Partei des Kaisers« und leitet alles in die Wege, die Papierfabrik Gausenfeld zu übernehmen. Als seine Schwester Emmi von ihrem Liebhaber Leutnant von Brietzen verlassen wird, stellt er ihn zwar zur Rede, weigert sich aber, dessen Duellforderung nachzukommen. Er denkt zurück an Agnes Göppel und sieht sich plötzlich in der gleichen Situation wie deren Vater vor vielen Jahren.

Bei einer Wahlveranstaltung greift Diederich den alten Buck erneut an, und es gelingt ihm, der versammelten Menge glaubhaft zu machen, dass Buck durch den Kauf des Grundstückes von Gausenfeld versucht habe, sich selbst zu bereichern. Statt Gausenfeld zu kaufen, wartet er, bis Regierungspräsident von Wulckow der Fabrik alle Aufträge entzieht, und kauft dann die Anteile der anderen Aktionäre zu günstigsten Preisen auf. Mit mehr als 50 Prozent der Anteile wird er Großaktionär und schließlich Generaldirektor des Betriebs. Kurz darauf kauft er mit dem Kapital der Firma das Heßlingsche Werk auf, erhöht hierdurch das Kapital Gausenfelds und macht einen persönlichen Gewinn am Verkauf seines väterlichen Betriebs.

Diederich wird Vater dreier Kinder. Er bekommt einen Sohn und zwei Töchter. Sein Verhältnis zu Guste erfährt einen Wandel, als beide bemerken, dass es Diederich reizt, von Guste dominiert zu werden. Das eheliche Liebesleben wird mehr und mehr von sado-masochistischen Herren- und Sklavenspielen geprägt, in denen Guste Diederich unterwirft.

Bei der Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals hält Diederich die Einweihungsrede. Es kommt zu einem schweren Gewitter, das die Zeremonie stört. Diederich wird noch schnell von einem Schutzmann der Wilhelmsorden verliehen, dann zerstreuen sich die geladenen Gäste in wildem Durcheinander. Diederich kommt auf dem Nachhauseweg am Haus des alten Buck vorbei. Er geht hinein und wird Zeuge, wie der alte Buck stirbt.

Heßling, Emmi

Emmi ist die ältere der beiden Schwestern Diederich Heßlings. Sie erhält ihr monatliches Auskommen ebenso wie ihre Schwester Magda aus dem Gewinn der Papierfabrik. Als Prokurist Kienast sich für Magda entscheidet, kränkt dies Emmi schwer, da sie annimmt, dass sie als die Ältere das Anrecht auf die erste Verheiratung hat. Sie missgönnt Magda ihr Glück und hasst Diederich dafür, dass er die Verbindung unterstützt. In Emmi erwachen emanzipatorische Tendenzen, und sie versucht Käthchen Zillichs Verhalten gegenüber Männern zu rechtfertigen: »Und wenn schon! Käthchen tut, was sie will! Wir Mädchen haben ebensogut wie ihr das Recht, unsere Individualität auszuleben! Die Männer sollen froh sein, wenn sie uns dann nachher noch kriegen!« (233) Nach den Hochzeiten Diederichs und Magdas wird Emmi mit ihrer Mutter in einem alten Dienstmädchenzimmer untergebracht. Das Verhältnis zwischen Emmi und Guste kühlt sich spürbar ab.

Als Guste eines Tages im Gespräch mit Diederich erwähnt, dass Leutnant von Brietzen sich versetzen lässt, möchte Emmi sich mit Chloroform umbringen. Ihrem Bruder, der sie daran hindert, gesteht sie, dass sie schon seit langer Zeit eine Affäre mit dem Leutnant hat. Diederichs Versuch, Brietzen zur Rede zu stellen, scheitert kläglich. Emmi bleibt unverheiratet, genießt aber seit dem Vorfall die besondere Fürsorge ihres Bruders, der ihr, sehr zum Ärger ihrer Schwester Magda, ein eigenes Appartement und ein großzügigeres monatliches Budget zuweist. Emmi und Wolfgang Buck kommen sich nach dessen Rückkehr nach Netzig näher.

Heßling, Frau

Diederich Heßlings Mutter unterhält eine zwiespältige Beziehung zu ihrem Sohn. Während sie ihn einerseits mit mütterlicher Liebe überhäuft, züchtigt sie ihn andererseits ebenso wie sein Vater: »Sie betete mit dem Kind ›aus dem Herzen‹, nicht nach Formeln, und bekam dabei gerötete Wangenknochen. Sie schlug es auch, aber Hals über Kopf und verzerrt von Rachsucht.« (9) Aus Furcht vor ihrem Mann wagt sie es nicht, bei Tisch viel zu essen, und schleicht später heimlich an den Schrank, um sich satt zu essen. Nach dem Tod ihres Mannes überträgt sie die Furcht auf ihren Sohn Diederich und unterwirft sich dessen Willen und Absichten vollständig. Als Diederich sich daran macht, Magda mit dem Prokuristen Kienast zu verkuppeln, unterschlägt sie den Brief mit Diederichs Vorladung zum Gerichtsprozess gegen den Fabrikanten Lauer (vgl. 186). Nach seiner Hochzeit mit Guste bringt Diederich seine Mutter in einem ehemaligen Dienstmädchenzimmer unter.

Heßling, Magda

Diederichs jüngere Schwester Magda steht nach dem Tod des Vaters unter der Vormundschaft ihres Bruders und des Buchhalters Sötbier. Wie ihre ältere Schwester Emmi erhält sie ihr monatliches Auskommen aus dem Gewinn der Papierfabrik. Der Prokurist Kienast, der für seine Firma die von Diederich reklamierten Mängel des neuen Holländers überprüfen soll und die Manipulationen an der Maschine sofort durchschaut, verliebt sich in Magda, die ihrerseits nicht abgeneigt ist. Alles Weitere wird zwischen den Männern ausgehandelt: Diederich unterstützt die Verbindung, nachdem Kienast ihm angeboten hat, im Gegenzug die Manipulationen am Holländer gegenüber seiner Firma vertuschen zu wollen. Magda und Kienast heiraten am selben Tag wie Guste und Diederich. Sie bekommen einen Sohn.

Heuteufel, Herr

Herr Heuteufel ist der praktische Arzt in Netzig und gehört dort zur besseren Gesellschaft. Diederich kennt ihn schon von Kindesbeinen an. Als Kind fürchtete er sich vor dem Arzt, der ihn bei Untersuchungen immer im Hals gepinselt hatte. Ein Versuch Diederichs, sich durch die Unterstützung Heuteufels als dienstuntauglich einstufen zu lassen, wird von Heuteufel abgewiesen. Seine »Antwort lautete, er solle nur nicht kneifen, das Dienen werde ihm trefflich bekommen«. (43) Heuteufel ist der Schwager von Pastor Zillich und hält gerne freisinnige Reden, die mehr Gehör finden, als die Predigten seines Schwagers. Er gehört der Freimaurerloge an (vgl. 122). Als Diederich sich an ihn wendet, um den Brief zurückzuverlangen, den er schrieb, um sich vor dem Militärdienst zu drücken, wendet Heuteufel listig das Gesprächsthema, indem er Diederich auf seine Heiserkeit anspricht und in ihm Sorge um seinen Gesundheitszustand aufkommen lässt.

Im Gerichtsprozess gegen Lauer gilt Heuteufel als Hauptentlastungszeuge. Jadassohn diskreditiert ihn, indem er seine regelmäßigen Besuche im städtischen Bordell »Klein-Berlin« öffentlich macht. Heuteufel kontert mit der Bemerkung, dass auch Jadassohn zur Kundschaft des Bordells gehöre (vgl. 202). In der folgenden Zeit bemüht sich Heuteufel, seinen Stand in der Netziger Gesellschaft wieder zu verbessern. So betont er die scheinbaren Verfehlungen der anderen Liberalen Netzigs, um seine eigenen dagegen klein wirken zu lassen, und hat keine Bedenken, den Gerüchten um eine Blutsverwandtschaft Wolfgang Bucks und Guste Daimchens Vorschub zu leisten. Nach dem Verzicht Kühlemanns kandidiert er für den Reichstag und tritt dabei gegen den Kandidaten der Konservativen, Major Kunze, und den Kandidaten der Sozialdemokraten, Napoleon Fischer, an. Auf einer Wahlveranstaltung wettert er gegen den Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals und möchte Sympathien für den Bau des Säuglingsheimes wecken, das sich die Liberalen wünschen. Er erhält bei der Reichstagswahl die meisten Stimmen, muss jedoch mit Napoleon Fischer in eine Stichwahl, die er verliert, nachdem das liberale Lager durch Vorwürfe gegen Cohn und Buck geschwächt worden ist.

Hornung, Gottlieb

Gottlieb Hornung, ein ehemaliger Schulkamerad Diederich Heßlings, arbeitet zunächst in der Löwenapotheke von Netzig und geht dann zum Studium der Pharmazie nach Berlin. Dort wird er Mitglied einer Studentenverbindung, der Neuteutonen, in die er Diederich einführt. Nach seinem Studium kehrt er nach Netzig zurück und findet eine Anstellung als Apotheker. Er weigert sich, den Kunden auch Zahnbürsten und Schwämme zu verkaufen, weil dies in seinen Augen mit der Würde eines studierten Apothekers nicht zu vereinbaren ist. So wird er aus mehreren Apotheken entlassen. Er hilft Diederich dabei, den konservativen Reichstagskandidaten bei Wahlveranstaltungen populär zu machen. Später wird er bezichtigt, obszöne Briefe an verschiedene Mitglieder der guten Gesellschaft Netzigs geschrieben zu haben, und in einem Prozess zu einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt verurteilt.

Jadassohn

Jadassohn ist promovierter Jurist und Assessor bei der Staatsanwaltschaft von Netzig. Er hat stark abstehende und rote Ohren und sieht in Diederichs Augen »stark jüdisch aus«, weshalb er seine Reserve erst aufgibt, als er hört, dass Jadassohn angehender Staatsanwalt ist (108-109). Obwohl selbst Jude, tut Jadassohn sich durch antisemitische Bemerkungen hervor (»So ein Judenblatt!«, 113). Es stellt sich heraus, dass Jadassohn gut bekannt ist mit Assessor Wiebel. Er teilt dessen Verachtung gegenüber liberalen Gesinnungen. Nachdem sich Fabrikbesitzer Lauer in einem unbedachten Moment zu beleidigenden Äußerungen über den Kaiser hat hinreißen lassen, nutzt Jadassohn die Abwesenheit seines Vorgesetzten, des Staatsanwaltes Feifer, um einen politischen Prozess gegen Lauer anzustrengen, der seine Karriere voranbringen soll. Jadassohn gelingt es, mit Diederichs Hilfe eine Verurteilung des Fabrikanten Lauer herbeizuführen.

Er hat ein Verhältnis mit Käthchen Zillich, das ein Ende findet, als Käthchen Netzig verlässt, um in Berlin zu leben. Jadassohn fällt beim Harmoniefest in Netzig bei Frau von Wulckow unter anderem durch sein überzogenes Spiel und seine äußere Erscheinung in ihrem Theaterstück in Ungnade. Daraufhin bittet sie ihren Mann, Jadassohns Ernennung zum Staatsanwalt zu verhindern. Jadassohns Karriere gerät hierdurch ins Stocken, und er reist nach Paris, um sich einer schönheitschirurgischen Operation zu unterziehen. Als er mit verkleinerten Ohren zurückkehrt, bekommt er schließlich doch noch den Posten des Staatsanwalts.

Karl

Karl ist ein Arbeiter in der Papierfabrik Heßling. Diederich entdeckt ihn mit seiner Braut hinter einem Berg von Lumpen, wo sie sich kurz ausruhen. Daraufhin wird er von Diederich entlassen und kurze Zeit später von einem Wachsoldaten vor dem Regierungsgebäude von Netzig erschossen, angeblich, weil er den Wachposten gereizt habe.

Karnauke

Premierleutnant a. D. Karnauke wird von den Herren Quitzin und Wulckow zu Diederich geschickt, um den Verkauf seines Grundstücks abzuschließen. Karnauke bietet 120.000 Mark für Diederichs Grundstück, obwohl es 200.000 wert ist. Karnauke zwingt Diederich zum Verkauf. Wahrer Käufer des Grundstückes ist Quitzin. Noch am gleichen Tag, Diederichs Hochzeitstag, wird das Geschäft beim Notar abgeschlossen. Auf der anschließenden Hochzeitsfeier verleiht Karnauke Diederich den Kronenorden vierter Klasse.

Kienast, Friedrich

Friedrich Kienast ist Prokurist der Firma Büschli & Cie, bei der Diederich einen neuen Holländer (eine Maschine für die Papierherstellung) bestellt hat. Als Diederich bemerkt, dass er den Holländer nicht bezahlen kann, möchte er die Maschine mit vorgetäuschten Gründen reklamieren. Als ein Rechtsstreit droht, schickt die Firma Büschli & Cie. den Prokuristen Kienast nach Netzig, damit dieser sich ein Bild von der Lage macht. »Er war groß, blondbärtig und trug einen braunen wolligen Jackettanzug.« (169) Kienast bezeugt schon bei seinem ersten Besuch großes Interesse an Diederichs Schwester Magda. Auch Magda ist sehr von ihm angetan. Kienast stellt bei der Besichtigung der Heßlingschen Fabrik sofort fest, dass an dem neuen Holländer manipuliert wurde. Er konfrontiert Diederich mit dem Vorwurf und deutet ihm an, dass er bereit wäre, den Schwindel nicht auffliegen zu lassen, wenn er dafür Diederichs Schwester Magda den Hof machen darf. Diederich willigt ein und unterstützt die Verbindung. Bei den Verhandlungen über Magdas Mitgift kommt er mit Diederich noch einmal in Konflikt. Magda und Kienast heiraten am selben Tag wie Guste und Diederich. Kienast kauft in Diederichs Auftrag die an Wert gefallenen Aktien der Fabrik Gausenfeld auf, was Diederich zum Großaktionär macht. Durch die Fusion des Heßlingschen Werkes mit Gausenfeld fällt jedoch Kienasts Anspruch auf ein Achtel des erwirtschafteten Gewinns weg. Er entzweit sich mit seinem Schwager.

Klappsch, Herr

Klappsch besitzt das Wirtshaus »Klappsch«, in dem die bessere Gesellschaft Netzigs gerne ihren Dämmerschoppen einnimmt. Er informiert Pastor Zillich regelmäßig darüber, was die Beamten der Regierung in seinem Wirtshaus bereden, wenn sie nicht in Zillichs Gottesdienst gehen und den Sonntagmorgen bei Klappsch verbringen (vgl. 123). Klappsch hat eine Tochter, die in seinem Wirtshaus bedient.

Klüsing

Klüsing ist Besitzer der Papierfabrik Gausenfeld und Diederichs schärfster Konkurrent auf dem Netziger Markt. Er hat alle Aufträge der Stadt und ist dem alten Buck in Gesinnung und Freundschaft verbunden. Als sich Diederichs Kontakte unter den nationalgesinnten Mächtigen Netzigs festigen und er sogar den Regierungspräsidenten von Wulckow auf seine Seite ziehen kann, wird Klüsing zunehmend unter Druck gesetzt. Er muss seine Papierfabrik Diederich Heßling zum Verkauf anbieten. Außerdem gibt er Diederich in einem Brief zu verstehen, dass die Herren Cohn und Kühlemann versucht hätten, ihrerseits das Grundstück von Gausenfeld zu erwerben, um darauf das Säuglingsheim zu errichten.

Kühlemann, Herr

Landgerichtsrat Kühlemann, ein Freund des alten Buck, ist Mitglied des Reichstags für die Liberalen. Assessor Jadassohn bezeichnet ihn als »Umstürzler« (110). Als Richter am Netziger Gericht muss er auch am Prozess gegen den Fabrikanten Lauer mitwirken. »Er hätte Lauer lieber freigesprochen, die anderen Richter haben ihn überstimmt« (261). Kühlemann ist alt und krank und hat für sein beträchtliches Vermögen keine Erben. Schon zu seinen Lebzeiten hoffen viele in Netzig darauf, bei seinem Tode am Erbe beteiligt zu werden. Auf dem Harmonieball weiß Bürgermeister Scheffelweis zu berichten, dass Kühlemann die Stadt als Erben eingesetzt habe, worauf sogleich ein Disput über die Verwendung des Geldes entsteht: Scheffelweis hat die Absicht, ein Säuglingsheim zu bauen, Diederich möchte eine »nationale« Verwendung des Erbes sicherstellen, Pastor Zillich hofft auf den Bau einer neuen Kirche. Als Kühlemann stirbt, hinterlässt er der Stadt 600.000 Mark, die für den Bau des Kaiser-Wilhelm-Denkmals eingesetzt werden.

Kühnchen, Herr

Gymnasialprofessor Kühnchen ist Veteran des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Er hat einen faltigen, zahnlosen Mund und einen steifen Finger, weil ihm ein Franzose im Krieg darauf gebissen hat. Kühnchen erfindet Kriegs- und Heldengeschichten, wenn er betrunken ist (136). Im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer weigert er sich, belastende Aussagen zu machen. Er gibt vor, er habe geschlafen (194). Auf dem Harmonieball von Netzig bemerkt er als einziger, dass das Stück der »Geheimen Gräfin« (Frau von Wulckow) nichts anderes als ein Plagiat der ›Natürlichen Tochter‹ von Goethe ist. Er berichtet dies dem Redakteur Nothgroschen. Als ein nationaler Kandidat Netzigs für den neuen Reichstag gesucht wird, fordert Kühnchen für seine Unterstützung den Rektorenposten am Gymnasium.

Kullerow, Leutnant von

Leutnant von Kullerow ist Ausbilder während Diederichs Zeit im Militärdienst. »Leutnant von Kullerow trug eine unbeteiligte Hochnäsigkeit zur Schau, die Einjährigen betrachtete er nie anders als mit einem zugekniffenen Auge.« (43)

Kunze, Major

Major Kunze, ein »älterer Herr mit grimmiger Miene« (132), ist Vorstandsmitglied des Netziger Kriegervereins. Der Veteran des deutsch-französischen Krieges 1870/71 befindet sich zu seinem Bedauern im Ruhestand und leidet an dem damit verbundenen gesellschaftlichen Geltungsverlust. Zuletzt war er beim Bezirkskommando von Netzig. Seine politische Haltung ist schwankend. Jadassohn rät Diederich, Kunzes Bekenntnis zu den Kaisertreuen nicht zu vertrauen: »Glauben Sie ihm kein Wort! Er ist ein schlapper Hund und kriecht vor dem alten Buck. Wir müssen ihm imponieren.« (134) Tatsächlich bezichtigt Major Kunze Diederich während des Prozesses um den Fabrikanten Lauer des Denunziantentums und versucht Stimmung gegen ihn zu machen. Als Jadassohn ihn offen fragt, ob er sich von Lauer nicht kürzlich hundert Mark geliehen habe, gibt Kunze zu, die Majestätsbeleidigung gehört zu haben. Als sich die Stimmung zu Diederichs Gunsten ändert, schwenkt er sofort in diese Richtung ein. Er entschuldigt sich bei Diederich und nimmt ihn in den Kriegerverein auf. Nach der Auflösung des Reichstags wird er als nationaler Kandidat Netzigs für den Reichstag aufgestellt, unterliegt aber seinen Konkurrenten Heuteufel und Fischer.

Lauer, Judith (geb. Buck)

Die Ehefrau des Fabrikbesitzers Lauer ist die Tochter des alten Buck. Im Prozess gegen ihren Mann ist sie anwesend. Als Lauer zu sechs Monaten Haft verurteilt wird, fährt sie in den Süden, um sich der Netziger Gesellschaft zu entziehen.

Lauer, Karl

Fabrikbesitzer Lauer zählt in Netzig zur gehobenen Gesellschaft. Er hat eine Tochter und mehrere Söhne. Er ist Freimaurer und Liberaler (122) und beteiligt seine Arbeiter am Gewinn seiner Firma (112). Er war im Krieg in Frankreich und ist Mitglied im Kriegerverein (158). Nachdem der Fabrikarbeiter Karl auf offener Straße erschossen wird, lässt er sich zu einer folgenreichen Bemerkung hinreißen: »Und als die Köpfe rot genug waren, verstiegen sich die Herren dazu, für das Bürgertum, das tatsächlich alle Leistungen liefere, auch die Führung im Staat zu verlangen. Herr Lauer wünschte zu wissen, was die herrschende Kaste vor anderen Leuten eigentlich noch voraus habe. ›Nicht einmal die Rasse‹, behauptete er. ›Denn sie sind ja alle verjudet, die Fürstenhäuser einbegriffen.‹ Und er setzte hinzu: ›Womit ich meinen Freund Cohn nicht kränken will.‹« (131) In dem daraufhin von Jadassohn in Gang gesetzten Prozess wegen Majestätsbeleidigung wird er zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Mahlmann

Der Student Mahlmann ist Mecklenburger und absolviert in Berlin sein Ingenieurstudium. In dieser Zeit ist er Zimmerherr im Hause Göppel. Er spricht mit »ungeheurer Stimme« (15), hat einen breiten Rücken und ist hoch gewachsen. Gegenüber Diederich ist er schroff und herrisch. Er nutzt Diederichs Ängstlichkeit und Zurückhaltung, um ihn zu dominieren. »Etwas später, in der Leipziger Straße, bekam Diederich ohne Anlaß von Mahlmann eine mächtige Ohrfeige.« (21) Mahlmann nimmt ihm auf einer Kneipentour seine letzten zehn Mark ab, um sich auf seine Kosten zu amüsieren. Als Diederich am darauffolgenden Wochenende bei Göppels zum Essen erscheint, erzählt Mahlmann der Runde, dass Diederich all sein Geld verlumpt habe und gekommen sei, um sich satt zu essen (21). Zu dieser Zeit bürgt Diederich für einen Wechsel Mahlmanns mit hundert Mark und muss zahlen, da Mahlmann den Wechsel platzen lässt. Beide Männer werben um Agnes Göppel. Während eines Ausflugs mit der Familie Göppel, bei dem deutlich wird, dass Agnes Diederich vorzieht, schafft Mahlmann sich seinen Konkurrenten mit Prahlereien und Drohungen vom Hals: »Wissen Sie was, ich bin nur noch ein Semester in Berlin: dann können Sie mich beerben. Aber so lange warten Sie gefälligst [...] Freundchen!« (24) Danach traut Diederich sich nicht mehr in Göppels Haus. Mahlmann eröffnet nach Beendigung seines Studiums ein Patentbüro in Berlin.

Nothgroschen

Nothgroschen ist Redakteur der Netziger Zeitung und bewegt sich in der gehobenen Gesellschaft Netzigs, um Stoff für seine Artikel zu sammeln. Im nationalen Lager, das ihn mit Verachtung behandelt und seine Zeitung für ein »freisinniges Hetzblatt« hält (151), benimmt er sich unterwürfig und angepasst. Im Prozess gegen Lauer tritt er als Zeuge der Anklage auf.

Pacholke, Emil

Der Wachsoldat Emil Pacholke bewacht das Regierungsgebäude in Netzig. Als er sich von dem gerade aus Heßlings Papierfabrik entlassenen Arbeiter Karl provoziert fühlt, erschießt er ihn. Dies führt zu Auseinandersetzungen zwischen den Netziger Liberalen und Nationalen. Pacholke wird für seine Tat zuerst vom Regierungspräsidenten von Wulckow und danach vom Kaiser selbst belobigt und befördert.

Quitzin, Herr von

Rittergutsbesitzer von Quitzin ist ein Vetter des Regierungspräsidenten von Wulckow. Mit dessen Hilfe zwingt er Diederich dazu, ihm sein Haus und Grundstück zu verkaufen.

Scheffelweis

Doktor Scheffelweis ist der Bürgermeister von Netzig. »Doktor Scheffelweis reichte Diederich seine weißliche Hand hin und musterte ihn dabei über den Klemmer weg. Trotzdem wußte man nie genau, ob er einen ansah, so unbestimmt war der Blick seiner Augen, die farblos schienen wie das Gesicht und die seitwärts fliehenden, dünnen Bartkotelettes.« (108) Scheffelweis ist ein vorsichtiger Politiker, der versucht, in den Machtkämpfen zwischen Monarchisten, Liberalen und Sozialdemokraten nicht zerrieben zu werden. Während er sich hütet, die einflussreichen Liberalen in Netzig zu verärgern, schmiedet er mit Jadassohn und Diederich ein Bündnis, um eine kaisertreue Koalition in Netzig an die Macht zu bringen. Zu diesem Zweck sucht er die Nähe des Regierungspräsidenten von Wulckow. Jadassohn bemerkt abfällig über Scheffelweis: »Mit unserem Stadtoberhaupt kompromittiert sich niemand, er ist immer, wie der liebe Gott, mit den stärksten Bataillonen.« (115) Im Prozess gegen Lauer rühmt Scheffelweiß zwar dessen Verdienste um die Stadt, lässt jedoch auch viele Zweifel an dessen Person bestehen. Durch Wolfgang Buck und Guste Daimchen erfährt Diederich Heßling, dass Scheffelweis im Verdacht steht, ein intimes Verhältnis mit seiner Schwiegermutter zu haben (247).

Sötbier

Der alte Sötbier ist Buchhalter in der Papierfabrik Heßling in Netzig. Er wird nach dem Tode des alten Heßling neben Diederich zum Vormund für dessen Schwestern Emmi und Magda bestimmt. Während Diederichs Aufenthalt in Berlin führt Sötbier die Geschäfte in Netzig und kümmert sich um die Zuweisung der monatlichen Budgets der Familienmitglieder. Sötbier ist zuverlässig und vorsichtig. Er teilt jedem Familienmitglied rechtzeitig das monatliche Budget zu. Als Diederich einen neuen Holländer für die Fabrik bestellen will, rät Sötbier von der Anschaffung ab, weil sie in seinen Augen der Firma keinen Nutzen bringt. Sötbier missbilligt Diederichs Verquickung von Geschäft und Politik und steht vielen seiner Entscheidungen kritisch gegenüber. Als er erfährt, dass Diederich das elterliche Haus und Grundstück verkaufen will, kommt es zur offenen Konfrontation. Diederich fordert Sötbier daraufhin auf, sein Entlassungsgesuch einzureichen. Danach versucht Sötbier mehrfach, Diederichs politische Feinde zu unterstützen, um sich zu rächen.

Sprezius, Herr

Landgerichtsdirektor Sprezius ist der vorsitzende Richter im Prozess gegen den Fabrikanten Lauer. Er ist »anzusehen, wie ein alter wurmiger Geier« (190). Er unterstützt die Anklage so gut er kann und erschwert gleichzeitig Wolfgang Bucks Verteidigung.

Sprezius, Leutnant

Leutnant Sprezius ist der Sohn des Landgerichtsdirektors. Er spielt auf dem Harmonieball in Netzig in dem Stück Frau von Wulckows eine tragende Rolle.

Tauern-Bärenheim, Albrecht Graf von

Graf Albrecht Tauern-Bärenheim ist ein adeliger Leutnant, mit dem Diederich Heßling auf einem Ball, dem Tanz am Halensee, aneinandergerät. Tauern-Bärenheim drängt sich zwischen Diederich und seine Ballbegleiterin, das Dienstmädchen Rosa. Nach einer kurzen Keilerei folgen Diederich und Gottlieb Hornung dem fliehenden Unbekannten in einer Kutsche, um Satisfaktion von ihm zu fordern. Nachdem sie einige Stunden lang dessen Haus belagert haben, erfahren sie, dass es sich bei ihm um einen Adeligen handelt, und verzichten auf die Forderung. Der Graf zeichnet sich nicht nur durch schlechte Manieren, sondern auch durch eine Portion Feigheit aus, da er vorgibt, Diederich und Hornung nicht zu kennen.

Tietz, Herr

Tietz ist Direktor der Netziger Zeitung. Nach der Verurteilung des Fabrikanten Lauer erteilt er Diederich Heßling den Auftrag, künftig einen Teil des benötigten Papiers an die Zeitung zu liefern.

Tietz, Inge

Inge Tietz ist eine junge Dame der gehobenen Netziger Gesellschaft, vermutlich die Tochter von Direktor Tietz, und eine Freundin von Emmi und Magda Heßling.

Wiebel

Der Jurist Wiebel ist Mitglied der Neuteutonen und eine Respektsperson für Diederich. Wiebel nimmt sich seiner an, um ihn zu einem vollwertigen Mitglied der Neuteutonen zu machen. Er kleidet sich in englische Stoffe und farbige Hemden und dient Diederich auch als Vorbild im Bereich der Vornehmheit und guten Manieren. »Wiebel sprach mit leiser, arroganter Feudalstimme. ›Man kann sagen, was man will‹, bemerkte er gern, ›Formen sind kein leerer Wahn.‹« (31) Wiebel hat einen rötlichen Bart, lange gekrümmte Fingernägel und verbreitet einen starken männlichen Duft. Seine abstehenden Ohren verstärken die »Wirkung des durchgezogenen Scheitels« und die seiner Augen, die »katerhaft in Schläfenwülste« eingebettet sind (31).

»Die Ehre der Korporation, in der auch Diederichs Ehre und sein ganzes Selbstbewusstsein wurzelten, am glänzendsten vertrat Wiebel sie. Er schlug sich, mit wem man wollte, für die Neuteutonia. Er hatte das Ansehen der Verbindung erhöht« (31-32). Wiebel verlässt die Neuteutonia, um sein Referendariat zu absolvieren. Nach seiner Militärzeit trifft Diederich ihn bei der Neuteutonia wieder. Er ist inzwischen Assessor und auf dem Weg, Staatsanwalt zu werden. Wie Diederich später erfährt, waren Wiebel und Jadassohn befreundet.

Wilhelm II, Kaiser

Zum ersten Mal sieht Diederich Heßling den Kaiser in Berlin, als dieser sich auf seinem Pferd einer demonstrierenden Menschenmenge zeigt. »Er selbst, der Kaiser, sah nur sich und seine Leistung. Tiefer Ernst versteinerte seine Züge, sein Auge blitzte hin über die Tausende der von ihm Gebannten. Er maß sich mit ihnen, der von Gott gesetzte Herr mit den empörerischen Knechten!« (54) In Rom, während seiner Hochzeitsreise, begegnet Diederich seinem Idol ein zweites Mal. Vom Wagen herab lächelt der Kaiser seinem jubelnden Untertanen zu. Kurz darauf löst er den Reichstag auf, weil dieser seine Militärvorlage abgelehnt hat.

Wulckow, Frieda von

Die Ehefrau des Netziger Regierungspräsidenten ist, anders als ihr Ehemann, den schönen Künsten zugeneigt. Sie sieht sich selbst als Dichterin und schreibt ein Theaterstück, das auf dem Netziger Harmonieball aufgeführt wird. Es entpuppt sich allerdings als Plagiat von Goethes Schauspiel »Die natürliche Tochter«. Sie ist eine geborene Gräfin Züsewitz. »Die entblößten Schultern waren hohl und nach vorn gebogen, die Haare von slawischem Weißblond, und Frau von Wulckow trug einen Zwicker.« (242)

Wulckow, Otto von

Regierungspräsident von Wulckow stellt die höchste amtliche Macht in Netzig dar. Als der Arbeiter Karl, der zuvor von Diederich Heßling aus seiner Papierfabrik entlassen wurde, vor seinem Haus erschossen wird, lobt er den Wachsoldaten Pacholke, der dafür verantwortlich ist. Zum Prozess gegen den Fabrikanten Lauer erscheint Wulckow mit Verspätung und » im Jagdanzug, mit großen kotigen Stiefeln« (193). Auf dem Netziger Harmonieball treffen sich Diederich und Wulckow erneut: »Er streckte den Kopf vor, braunfleckig, mit slawischen Backenknochen, und glotzte Diederich an aus den Mongolenfalten seiner Augen, die voll einer warmblütigen, schalkhaften Gewaltsamkeit waren« (255). Diederich biedert sich bei ihm an, erleidet aber Schiffbruch, als er ihn zu direkter Mitwirkung an dem Komplott gegen das geplante Säuglingsheim bewegen will. Wulckow zieht im Hintergrund die Fäden und zwingt Diederich zum Verkauf seines elterlichen Hauses. Bei der Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals aber findet selbst er sich durch Diederich auf die Plätze verwiesen, da nicht ihm, sondern Diederich die Ehre der Eröffnungsrede zukommt. Später wird er zum Oberpräsidenten ernannt.

Zillich

Zillich ist der Pastor von Netzig. Er war Korpsbruder von Assessor Jadassohn und ist monarchistisch eingestellt. Eine zu liberale Geisteshaltung sieht er als dem Christentum abträglich an. Seinen Schwager Doktor Heuteufel verachtet er wegen dessen freisinniger Einstellung. Vor allem aber verübelt er ihm, dass dessen Vorträge über Darwinismus und andere gesellschaftlich und wissenschaftlich relevante Themen mehr Zuhörer finden als seine Predigten.

Zillich, Käthchen

Die Tochter des Pastors Zillich ist die beste Freundin von Emmi und Magda Heßling. Sowohl Assessor Jadassohn als auch Diederich Heßling machen ihr den Hof. Diederich sieht Käthchen allerdings nur als zweite Wahl an für den Fall, dass er Guste Daimchen nicht erobern sollte. Als er im Vorfeld des Prozesses gegen Lauer angefeindet wird, hält Käthchen zu ihm. Sie trifft sich aber auch heimlich mit Jadassohn im »Grünen Engel«, einem verrufenen Gasthaus in Netzig, in dem Diederich sie zufällig trifft. Nach anfänglicher Verlegenheit zeigt sie ihm hier ein ganz anderes Gesicht: Sie raucht und trinkt und schämt sich nicht ihrer ehrenrührigen Situation. Das ermutigt Diederich, sie während des Harmonieballs in einem ›Liebeskabinett‹ zu bedrängen, wobei er allerdings von Guste Daimchen überrascht wird. Im nachfolgenden Streit zwischen beiden Frauen erzählt Käthchen ihrer Nebenbuhlerin von dem Gerücht, dass ihr Verlobter Wolfgang Buck ihr Halbbruder sein soll, und genießt Gustes Entsetzen. Am selben Abend erwischt Diederich Käthchen noch mit einem Schauspieler hinter einer Tür. Bald darauf heißt es, Käthchen Zillich sei nach Berlin ausgerissen und lebe dort als Prostituierte. Später kehrt sie nach Netzig zurück und unterhält in der ehemaligen Villa der Familie von Brietzen ein Etablissement, in dem die Männer der Netziger guten Gesellschaft, darunter auch Diederich und Jadassohn, ein und aus gehen.

© Michael Roesler 2015 – Alle Rechte vorbehalten.