Oppner, Theodor

Zweites Kind und einziger Sohn von Emmanuel und Selma Oppner, geboren 1868, gestorben 1939. Bruder von Annette, Klara und Sofie Oppner, Ehemann von Beatrice von Lazar, Vater von Harald Oppner.

Theodor, »der Aesthet« (60), steht als junger Mann unter dem Eindruck des Darwinismus (106), liest Dramen und Romane des Naturalismus (Ibsen, Zola) und hadert mit dem Leben und der Welt. Er leidet an seiner unerwiderten Liebe zu Marie Kramer (108), beginnt im Oktober 1885 ein Verhältnis mit Susanna Widerklee (121, 163f.), die die Beziehung 1887 beendet, als sie sich mit dem Grafen Sedtwitz verlobt (164, 181). Das Straßenmädchen Wanda tröstet ihn (164f.), er beginnt ein Verhältnis mit ihr. Als sie ein Kind erwartet, will er sie heiraten (208), aber sein Vater schickt ihn für ein Jahr auf Reisen und zahlt dem Mädchen eine Abfindung. Nach seiner Rückkehr ist Theodor »gewillt, sich einzufügen« (228). Jahre später, 1902, heiratet er die 18-jährige Beatrice (319). Er hofft, wie er seinem Freund Miermann gesteht, »durch sie wieder natürlicher zu werden« (325). Schon in der Hochzeitsnacht wird er tief enttäuscht: Beatrice ist dumm und eitel und liebt ihn nicht (329). Das erste Kind beider ist geistig behindert und wird, als sich das zweite Kind, Harald, ankündigt, in einer Anstalt untergebracht (344, 373). Beatrice hat wechselnde Liebhaber.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts kauft Theodor ein verwildertes Gartengrundstück in einer Nebenstraße der Bendlerstraße und baut dort eine klassizistische Villa, deren Räume er mit erlesenen Antiquitäten aus Italien einrichtet (356-359, 364). Nach dem Tod seines Vaters (1908) übernimmt er die Führung des Bankhauses. Nach dem Krieg fährt er nach Schweden, um mit Hilfe dubioser Geschäftsleute das Familienvermögen der Soloweitschicks für seine Tante Eugenie zu retten (586f.), was letztendlich misslingt (665). Einen Berliner Partner dieser Geschäftsleute, Schulz (586), nimmt er in das Bankhaus Oppner & Goldschmidt auf, weil er glaubt, »mit der Zeit gehen« zu müssen (667). Bald schon geht Beatrice bei Schulz ein und aus (706). Im Januar 1924 verlässt sie Theodor endgültig und heiratet Schulz (738).

Im April 1931 führt Hartert gezielt den Ruin des Bankhaus Oppner & Goldschmidt herbei, indem er einen Kredit nicht verlängert (806). Theodor lässt seine Kunstsammlung und das gesamte Inventar seines Hauses versteigern, um den Schaden für seine Kunden und Gläubiger gering zu halten, und steht am Ende mittellos da (809, 811). Er zieht mit seinem Sohn zur Mutter in die Bendlerstraße (809) und betreibt einen kleinen Handel mit Weinen und Likören (818). Nach Selmas Tod lebt er mit Harald in dem Haus (818f.), in dem er nach Haralds Auswanderung nach Kolumbien allein zurückbleibt. Im Sommer 1939 lebt er nicht mehr, über die Umstände seines Todes erfährt man nichts (878).

Der Familienstammbaum datiert seinen Tod auf das Jahr 1939.