Unwiederbringlich (1891)

Theodor Fontane: Unwiederbringlich. Herausgegeben von Christine Hehle. Berlin: Aufbau 2003 (Große Brandenburger Ausgabe. Das erzählerische Werk. Bd. 13) – Nachweise von Zitaten erfolgen unter Angabe der Kapitel- und Seitenzahl (z.B. IV/28 = 4. Kapitel, S. 28).

Arne, Alfred Baron

Bruder von Christine Holk, Gutsherr auf Arnewiek in der Nähe von Holkenäs, Junggeselle. Er ist mit fast sechzig Jahren deutlich älter als seine Schwester, an der er nach dem frühen Tod der Eltern Vaterstelle vertreten hat. An ihrer pietistischen Erziehung hat er zwar maßgeblichen Anteil gehabt (vgl. VIII/66), hält aber ihre strenge Frömmigkeit bei aller Wertschätzung und Liebe, die er ihr entgegenbringt, für überspannt und »nicht auszuhalten« und fürchtet um ihre Ehe mit Holk (V/36), dessen wachsende Gereiztheit er spürt und versteht (V/38 f.). Holk sieht in ihm seinen »beste[n] Freund und Berather« (XXIV/212). Er versucht, auf beide mäßigend einzuwirken, kann das Zerwürfnis aber nicht verhindern. Nach der Scheidung setzt er mit Pastor Petersens und Schwarzkoppens Hilfe alles daran, das Paar wieder zu vereinen (vgl. XXXI, 278 f.).

Bie, Dr.

Arzt aus Hilleröd, der die in Frederiksborg erkrankte Prinzessin behandelt. Er ist ein Bruder von Frau Schleppegrell, mit der er das »Embonpoint und die klugen, freundlichen Augen« gemein hat (209). Er spricht dreimal täglich vor, nimmt mit dem Hofstaat die Mahlzeiten ein und erzählt dabei gern von Island und Grönland, wo er viele Jahre Schiffsarzt gewesen ist. Holk bringt ihn mit Fragen nach den ethnographischen Besonderheiten der Isländer in Verlegenheit, weil seine Bildung dafür nicht ausreicht, er ist »nur höherer Feldscheer« (XXVI/224). Er hat das Talent, die Tischgesellschaft in Heiterkeit zu versetzen, indem er von ihm selbst oder anderen erzählte Anekdoten mit »wahren Lachsalven unkritischen Beifalls« begleitet (XXVI/227).

Brockdorff, Gräfin

Gräfin aus der Nachbarschaft, die Arne bei Sitzungen des Missionsvereins trifft (vgl. XXXI/279). Sie nimmt auch an der Trauung des wiedervereinten Holkschen Paares teil (vgl. XXXII/281).

Brödstedt

Kapitän des Dampfschiffs »König Christian«, mit dem Holk nach Kopenhagen fährt (VIII/68), ein »schöner Mann«, wie Asta feststellt, die auch zu erzählen weiß, dass Brödstedt eine schöne Frau hat, die er vom Bornholmer Leuchtturm »heruntergeholt« hat (IX/69 f.).

Bülow

Dänischer General, dem Holk neben Oberst du Plat, Tersling, Lundbye und Worsaae bei einem Frühstück in Pentz' Wohnung begegnet und den er auf dem Heimweg ein Stück begleitet (XVI/131 f.).

Frederik von Bülow (1791-1858) war zum Zeitpunkt der Romanhandlung schon tot.

Dickens, Charles

Während seines Aufenthaltes in London lernt Holk bei einer Gesellschaft in Charles Keans Haus auch Dickens kennen. Bei einem Dinner bringt er einen Toast auf den »neugewonnenen Freund« aus und bekennt freimütig, dass er nur den »David Copperfield« gelesen habe, der ihn zum »Sanspareil aller lebenden Schriftsteller« mache (XXXI/271).

Charles Dickens (1812-1870) war einer der bedeutendsten Vertreter des englischen Realismus. »David Copperfield« erschien 1849/50 in Fortsetzungen und 1850 als Buch.

Dobschütz, Julie von

Enge Freundin der Gräfin Holk, beide kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit im Gnadenfreier Mädchenpensionat. Julie von Dobschütz, ein »armes Fräulein«, ist kurz nach dem Einzug der Holkschen Familie in das neue Schloss zunächst besuchsweise nach Holkenäs gekommen und dann auf Wunsch der Gräfin als deren Gesellschafterin dauerhaft geblieben (2/10). Sie übernimmt auch den Unterricht der Kinder Asta und Axel; letzterer wechselt später zu Kandidat Strehlke. In Arnes Augen ist sie »eine vorzügliche Person«, vor deren »Wissen und Charakter« er zwar »allen möglichen Respekt« habe, die aber dennoch für seinen »armen Schwager ein Unglück« sei, weil sie, ohne es zu wollen, den Dissens zwischen Christine und Holk vertiefe (5/36). Nach der Ehescheidung geht sie mit Christine nach Gnadenfrei (XXXI, 279) und kehrt auch mit ihr nach Holkenäs zurück. Der Roman schließt mit ihrem Brief an Schwarzkoppen, in dem sie ihn von Christines Freitod in Kenntnis setzt (XXXIV, 290-295).

Du Plat

Dänischer Oberst, dem Holk neben Bülow, Tersling, Lundbye und Worsaae bei einem Frühstück in Pentz' Wohnung begegnet und den er auf dem Heimweg ein Stück begleitet (XVI/131 f.).

Peter Henrik Claude du Plat (1809-1864), dänischer Offizier und Kammerherr, fiel als Generalmajor im April 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg bei den Düppeler Schanzen.

Erichsen

Dänischer Freiherr, seit zehn Jahren Kammerherr im Dienst der Prinzessin. Er tritt fast immer in Gesellschaft von Pentz auf. Die beiden Kammerherrn bilden in Lebensweise und äußerer Erscheinung ein Gegensatzpaar. Pentz ist klein, rundlich, »Gourmand« und »Apoplecticus«, Erichsen, aus einer »Schwindsuchtsfamilie« stammend, ein »Hecticus« (X/80) von langer, hagerer, »einem Ausrufezeichen gleichende[r] Gestalt« und Tafelfreuden aus gesundheitlichen Gründen wenig zugetan (X/81). Zu ihnen gesellt sich Holk, den sie gleich an seinem ersten Abend in Kopenhagen aus seinem Quartier bei Witwe Hansen zum Abendessen abholen.

Hansen, Brigitte

Tochter von Witwe Hansen in Kopenhagen, eine dreißigjährige Schönheit, die ihre Reize gekonnt in Szene zu setzen versteht, womit sie Holk sogleich beeindruckt (vgl. X/77, 88). Sie ist mit einem Kapitän Hansen verheiratet (vgl. XI/90), den sie bis vor kurzem auf seinen Fahrten begleitet hat, nun bleibt sie zu Hause. Man munkelt, dass sie ein Verhältnis mit dem Polizeichef von Kopenhagen hat, wofür nach Pentz' Ansicht auch spricht, dass sie sich in allen Vorkommnissen in der Kopenhagener guten Gesellschaft bestens auskennt (vgl. X/86 f.). Ihre Mutter hat indes eine phantasievollere Erklärung für ihre Häuslichkeit. Bei der letzten Fahrt, so erzählt sie Holk, habe ihr der Kaiser von Siam in Bangkok eine märchenhafte Huldigung zuteil werden lassen, seither sei sie vor allen Versuchungen gefeit und bleibe mit der Zustimmung ihres Mannes zu Hause (vgl. XI/95-97). Holk, der nicht sicher ist, ob man ihm einen Bären aufbindet (vgl. XI/96 f.), befragt Pentz, der ihm auf den Kopf zusagt, dass er verliebt sei (vgl. XVI/135 f.). Bald darauf schlägt ihn Ebba von Rosenberg in ihren Bann, und sein Interesse an Brigitte Hansen erlahmt.

Hansen, Witwe

Kapitänswitwe in Kopenhagen, eine »noch hübsche Frau von beinah fünfzig« (X/77), in deren Haus in der Dronningens-Tvergade Holk während seines Hofdienstes Wohnung nimmt. Sie hat Gefallen an der Aufmerksamkeit, die Holk ihrer schönen Tochter Brigitte entgegenbringt (vgl. X/78), deren mutmaßlich lockeren Umgang mit der ehelichen Treue sie zu billigen scheint, während sie nach außen den Eindruck der Ehrbarkeit wahrt (vgl. X/78 f.). Pentz zerstreut zwar Holks Besorgnis, in einer »Spelunke« untergebracht zu sein, lässt aber durchblicken, dass er sich auf die Untadeligkeit der beiden Frauen nicht verwetten würde (XVI/136). Als Informationsquelle für die neuesten Begebenheiten in der städtischen und höfischen Gesellschaft dagegen hält er sie für unschlagbar, Mutter und Tochter seien ein »Nachschlagebuch für alle Kopenhagener Geschichten« (X/86).

Holk, Asta

Tochter von Graf und Gräfin Holk, Schwester von Axel, enge Freundin von Elisabeth Petersen, zu Beginn der Geschichte sechzehn Jahre alt (vgl. II/13). Sie liebt ihren Vater, glaubt sich aber von der strengen Mutter mehr geliebt als von ihm (vgl. VII/59). Einige Wochen nach Holks Abreise nach Kopenhagen schickt die Mutter sie in das Herrnhuter Pensionat »Gnadenfrei«. Bis dahin hatte sie Hausunterricht bei Julie von Dobschütz.

Holk, Axel

Sohn von Graf und Gräfin Holk, Bruder von Asta, zu Beginn der Geschichte fünfzehn Jahre alt (II/13). Er wird zunächst gemeinsam mit seiner Schwester von Julie von Dobschütz, später von Kandidat Strehlke unterrichtet, mit dem er allerdings lieber auf die Jagd geht, was dem Vater gefällt (vgl. VIII/68). Einige Wochen nach Holks Abreise nach Kopenhagen schickt die Mutter ihn auf das »Bunzlauer Pädagogium« (XVIII/158).

Holk, Christine Gräfin

Ehefrau von Graf Holk, Mutter von Asta und Axel, Schwester des Barons Arne, zu Beginn der Geschichte 37 Jahre alt (vgl. V/36). Sie wurde »bei den Herrnhutern erzogen« (I/7), verbrachte ihre Mädchenjahre in dem pietistischen Pensionat »Gnadenfrei«, das ihre Religiösität stark geprägt hat und in das sie auch ihre sechzehnjährige Tochter Asta schickt. Ihre von dem Bewusstsein der eigenen Rechtgläubigkeit und Tugend durchdrungene Frömmigkeit hat, wie ihr Bruder feststellt, einen starken Zug von »Selbstgerechtigkeit« und »versteckte[m] Hochmuth« (V/40), den sie selbst nicht erkennt. Sie hat ein ernstes Naturell, ist »nie heiter« (IV/27) und neigt zu Melancholie, ganz im Gegensatz zu ihrem unbekümmerten Mann. Dennoch führen beide viele Jahre lang eine glückliche Ehe, zu deren Gelingen nicht zuletzt Holks Bereitschaft beiträgt, die Tugendhaftigkeit seiner Frau rückhaltlos zu bewundern und sich ihr gegenüber »immer in die zweite Linie zu stellen« (V/38). Das hat sich allerdings »seit einiger Zeit« (ebd.) geändert, Holk reagiert zunehmend gereizt auf Christines »doctrinäre[n] Ton« (XIX/160), und auch ihr fällt es zunehmend schwer, seine »leichtlebige Natur« zu respektieren (IV/33). Die Briefe, die die Eheleute während Holks Aufenthalt in Kopenhagen wechseln, vertiefen die Missstimmung, beide finden nicht den rechten Ton, verletzen sich gegenseitig mit spitzen Bemerkungen und Anspielungen. Holks Berichte über Brigitte Hansen und Ebba von Rosenberg erregen Christines Eifersucht, mehr noch ihre schon vor Holks Abreise zunehmende Neigung, das eheliche Glück verloren zu geben (vgl. IV/33). Wohl deshalb setzt sie Holks Scheidungswunsch nicht nur nichts entgegen, sondern nimmt ihn ihm sogar aus dem Mund und versäumt damit die Chance, »den so Bestimmbaren [...] zur Erkenntniß seines Irrthums« zu führen (XXIX/253). Nach der Scheidung lebt sie mit ihrer Freundin Julie von Dobschütz in Gnadenfrei. Die von ihrem Bruder und Pastor Petersen betriebene Versöhnung zwei Jahre später kann das Glück nicht zurückbringen, Christine »will vergessen, aber sie kann es nicht« (XXIII/286). Ein Vierteljahr nach der erneuten Eheschließung nimmt sie sich in der Ostsee das Leben.

Holk, Helmuth Graf

Gutsherr auf Holkenäs, Kammerherr der dänischen Prinzessin Maria Eleonore, Ehemann von Christine Holk, Vater von Asta und Axel, zu Beginn der Geschichte 45 Jahre alt (vgl. XVI/138). Holk sei »gut und vortrefflich«, lässt der Erzähler gleich zu Beginn wissen, aber »doch nur durchschnittsmäßig ausgestattet«; er stehe »hinter seiner Frau, die sich höherer Eigenschaften erfreute, um ein Beträchtliches zurück« (II/11). Das scheint ihm bewusst zu sein, denn er ist, wie sein Schwager Arne bemerkt, Christine gegenüber »in fast zu weit gehender Anbetung und Ritterlichkeit die Nachgiebigkeit und Bescheidenheit selbst« (V/38). In jüngerer Zeit allerdings wünscht er sich gelegentlich »eine weniger vorzügliche Frau« (II/11). Ihre Tugend verbindet sich mit einer Neigung zu »Selbstgerechtigkeit« (V/40) und »Rechthaberei« in moralischen und religiösen Fragen (XVIII/160), auf die er zunehmend gereizt reagiert. Er ist, so Schwarzkoppen, ein »Augenblicksmensch und hält zu dem alten Troste: nach uns die Sündfluth« (V/38). Der Aufenthalt in Kopenhagen kommt seinem Bedürfnis nach Abwechslung entgegen, und die im Briefwechsel mit seiner Frau fortbestehende Missstimmung befördert seine Offenheit für die Reize der schönen Kapitänsfrau Brigitte Hansen und der Hofdame Ebba von Rosenberg. Die Leichtlebigkeit beider Frauen, die sie zu genauen Gegenbildern seiner sittenstrengen Frau macht, irritiert ihn einerseits, zieht ihn aber andererseits auch an. Dieses Schwanken zwischen Gegensätzen bezeichnet Ebba von Rosenberg in mehreren Äußerungen als den Kern seines Charakters. Er sei in allem »unklar und halb«, erklärt sie der Prinzessin, er wolle Unvereinbares in sich vereinbaren, schleswig-holsteinischen Patriotismus und dänischen Hofdienst, Aristokratismus und Liberalismus, Moral und Libertinage (XVIII/154). Holk ahnt nicht, dass sie ihn so kritisch sieht. Er verliebt sich in sie, missdeutet ihre unverbindlichen Koketterien als Ermutigungen und das nächtliche Tête-à-Tête in Frederiksborg (vgl. XXVI/230) als Zeichen der Gegenliebe, reist nach Holkenäs, um seiner Frau seinen Scheidungswunsch zu überbringen, und muss dann, nach Kopenhagen zurückgekehrt, erkennen, dass er Schein und Spiel für bare Münze genommen hat. Ebba weist seinen Antrag ab und lässt ihn unverblümt wissen, was sie von ihm hält: Er sei »kein Held der Liebe«, sondern »bloß ihr Don Quixote« (XXX/266). Nach der Scheidung reist er zwei Jahre lang durch Europa, während sein Schwager und Pastor Petersen bemüht sind, Christine zu einer Wiederverheiratung zu bewegen, was schließlich gelingt. Das erhoffte neue Glück aber bleibt aus, Christine, die nicht vergessen kann (vgl. XXXIII/286), nimmt sich das Leben. 

Karin

Kammerjungfer und »beinah Freundin« Ebba von Rosenbergs, eine Stockholmerin (XX/172). Während des Aufenthalts in Frederiksborg knüpft sie sogleich eine Liebesbeziehung mit einem jungen Gärtnerburschen an, worin sie »überaus erfahren« ist (XXVI/221). Durch die Überheizung des Ofens in ihrem Zimmer verursacht sie den Brand des Schlosses (vgl. XXVI/223), der das Tête-à-Tête zwischen Ebba und Holk unterbricht (XVII/231).

Kean, Charles

Während seines Aufenthalts in London lernt Holk den »berühmten Tragöden« kennen, der zu dieser Zeit gerade mit seinen »Shakespeare-Revivals« im »Prinzeß-Theater« Epoche macht. Er geht in dem »vielbesuchten« Haus des Schauspielers schon bald ein und aus und kommt dadurch mit zahlreichen Theaterleuten und Schriftstellern in Berührung, deren »lebhaftes und von heiterster Laune getragenes Treiben ihn ungemein sympathisch berührte« (XXXI/271).

Der englische Schauspieler Charles Kean (1811-1868), gefeierter Shakespeare-Darsteller, leitete von 1850 bis 1859 das Princess's Theatre in der Oxford Street, in dem er zahlreiche Shakespeare-Stücke zur Aufführung brachte.

König

Der dänische König ist überwiegend Gegenstand von Gesprächen, in denen von seiner Leidenschaft für die Archäologie und von seiner (morganatischen) Ehe mit der ehemaligen Balletttänzerin Louise Rasmussen, jetzt Gräfin Danner, die Rede ist. Nur bei dem Brand auf Schloss Frederiksborg tritt er als handelnde Figur auf. Den soeben vom Schlossdach geretteten Holk empfängt er mit einer spöttelnden Bemerkung (vgl. XXVII/234).

Frederik VII., geb. 1808, war von 1848 bis zu seinem Tod 1863 König von Dänemark.

Lissauer

Nur gesprächsweise erscheinende Figur, ein neuer Veterinär, der sich in der Nähe von Holkenäs niedergelassen hat und von dessen homöopathischen Heilerfolgen Holks Schwager Arne beeindruckt ist. Das »Wunder von Thierarzt« (II/16) stammt aus Sachsen und hat in Leipzig, der »Hochburg der Homöopathie« (II/17), studiert. Dass er für saubere Ställe, marmorne Futterkrippen und vernickelte Raufen votiert, stachelt sogleich Holks Bauleidenschaft an. Er will neue Ställe bauen und den Tierarzt dabei zu Rate ziehen (vgl. VIII/64). Lissauer ist getaufter Jude, weshalb Christine es »entbehrlich« findet, ihn im Schloss zu empfangen (II/18).

Lundbye

Dänischer Militär im Grad eines Kapitäns, Adjutant des dänischen Königs. In Kopenhagen nimmt er an einem Frühstück bei Pentz teil (vgl. XVI/131). In der Vorweihnachtszeit 1859 begleitet er den König nach Frederiksborg. Dort nimmt er regelmäßig an den abendlichen Zusammenkünften des kleinen Hofstaats der Prinzessin teil und gibt sich dabei als »Hof- und Lebemann« (XXV/215). Holk kennt ihn von früher, als er in Schleswig und Flensburg stationiert war (vgl. XIV/211).

Es handelt sich wohl um Sigvard Urne Rosenvinge Lundbye (1820-1864), der im Deutsch-Dänischen Krieg bei den Düppeler Schanzen fiel (vgl. Kommentar, S. 435).

Meza, de

Dänischer General, den Holk, Pentz und Erichsen an Holks erstem Abend in Kopenhagen in Vincent's Restaurant am Tisch sitzen sehen. Pentz und Erichsen geraten über seinen Charakter, insbesondere über seine Furcht vor Kälte und die Rolle, die seine portugiesisch-jüdische Abstammung dabei spielt, beinahe in Streit (vgl. X/83-85). In Klampenborg, wo ihm zu Ehren ein Festessen gegeben wird, begrüßt er die mit ihrem kleinen Hofstaat vorüberfahrende Prinzessin (vgl. XIII/111).

Christian Julius de Meza (1792-1865), dänischer Artilleriegeneral, wurde im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 trotz seines Alters als Befehlshaber eingesetzt. Zu seiner Furcht vor Kälte und seiner Abstammung vgl. Kommentar S. 415.

Ohlsen

Gärtner auf Holkenäs, ein »Muffel, wie die meisten seines Zeichens« (VIII/62), bringt Holks Telegramme an Pentz und Frau Hansen zur Post nach Glücksburg.

Pentz, Ebenezer Freiherr von

Kammerherr im Dienst der Prinzessin, in deren Auftrag er Holk Ende September 1859 in einem Brief an den Hof beordert (VI/48-50). Er ist 65 Jahre alt (vgl. XVI/138) und unverheiratet. Meistens tritt er in Gesellschaft von Erichsen auf, mit dem er sich gut versteht, obwohl beide, was Lebensweise und äußere Erscheinung angeht, ein Gegensatzpaar bilden. Erichsen ist lang, hager, Genüssen eher abhold und ein »Hecticus«, Pentz dagegen rundlich, klein, mit auffallend kurzen Beinen, die ihn zur »komische[n] Figur« machen, sowie »Gourmand« und »Apoplecticus« (X/80). Er nimmt »Alles von der heiteren Seite«, »ride si sapis« ist sein Wahlspruch (X/79). Als »lebendiges Nachschlagebuch für die hauptstädtische Chronique scandaleuse« (XVI/137) versorgt er Holk mit den neuesten Klatschgeschichten und stillt seine Neugier auf die Geschichte der jungen Frau Hansen (vgl. XVI/135-138) und Ebba von Rosenbergs (vgl. XVII/145-147).

Petersen

Pastor in Holkeby, ein Mann in den hohen Siebzigern (vgl. IV/31), Großvater von Asta Holks Freundin Elisabeth. Er kommt im September 1859 mit seiner Enkelin und dem Pudel Schnuck zu Besuch nach Holkenäs und spielt mit Holk, Arne und Schwarzkoppen einige Partien Whist. Christine verehrt ihn, wie Schwarzkoppen meint, »eigentlich schwärmerisch«, kommt aber »über den Rationalisten in ihm« nicht recht hinweg. Schwarzkoppen hält dagegen: Petersen habe seines hohen Alters wegen »hellere Augen als wir, vielleicht in all' und jedem und in Dingen von dieser Welt nun schon ganz gewiss« (V/43). Petersen teilt die Begeisterung der Zeit für Ausgrabungen und sammelt Altertümer (vgl. VII/56). Nach der Versöhnung Holks und Christines traut er beide zum zweiten Mal (vgl. XXXII, 282), hält auch die Trauerpredigt bei Christines Beerdigung (vgl. XXXIV/291, 294).

Petersen, Elisabeth

Freundin von Asta Holk. Enkelin von Pastor Petersen, dessen frühgeschichtliche Sammlung sie betreut (vgl. VII/56). Eigentlich heißt sie Elisabeth Kruse, ihre Eltern starben früh, seither lebt sie bei ihrem Großvater und wird von allen Elisabeth Petersen genannt (vgl. VIII/67). An dem zu Beginn des Romans geschilderten Abend auf Holkenäs im September 1859 singt sie das Lied »Der Kirchhof« von Waiblinger, das Christine Holk tief bewegt (vgl. IV/34).

Philipp

Alter Kammerdiener des Grafen Holk, der seinem Herrn die Koffer für Kopenhagen packt (vgl. VIII/62 f.). Von ihm hat Asta die Geschichte von Kapitän Brödstedts schöner Frau (vgl. IX/69).

Prinzessin

Prinzessin Maria Eleonore von Dänemark, eine Tante des Königs, unterhält in Kopenhagen im »Prinzessinnen-Palais« ihren kleinen Hofstaat (XII/98), dem Holk als Kammerherr angehört. Die »fast Siebzigjährige« (XVI/133), die sich »bequem« und »mit einer völligen Gleichgültigkeit gegen Eleganz« kleidet (XII/99), ist »noch ganz das Kind des vorigen Jahrhunderts« (XVI/133), an dessen Lebensgewohnheiten und »literarischen Allüren« sie festhält (XVII/143). Gegen die (morganatische) Gattin ihres Neffen, Gräfin Danner, hegt sie eine entschiedene Abneigung und geht Begegnungen mit ihr nach Möglichkeit aus dem Weg (vgl. XXIV/207). Der Brand von Frederiksborg erschüttert sie, bei Holks letzter Audienz sitzt sie »verfallen und zusammengeduckt« unter dem Porträt Christians VIII., »von Prinzessin nicht viel und von esprit-fort keine Spur« (XVIII/245).

Im Roman bezeichnet die Prinzessin sich als »Halbtante« des Königs (XII/100), was auf ihr historisches Vorbild, Luise Charlotte von Dänemark (1789-1864), nicht zutrifft. Luise Charlotte war eine Schwester Christians VIII., mithin eine leibliche Tante Frederiks VII.

Rosenberg, Ebba von

Hofdame der Prinzessin, eine junge blonde Frau »von schöner Figur und schönem Teint, aber sonst wenig regelmäßigen Zügen« (XII/101). Sie ist Schwedin, Enkelin des »Lieblings- und Leibjuden König Gustav's III.« (XIII/114), und sie hat, wie Holk von Pentz erfährt, »eine Vergangenheit«, eine Liebelei mit dem jüngsten Sohn der schwedischen Königin, bei der sie als Hofdame diente und die sie auf Druck des Hofes entlassen musste, was die Prinzessin, die ebenso »vernarrt« in sie ist wie zuvor die schwedische Königin, nicht davon abgehalten hat, sie in ihre Dienste zu nehmen (XVII/146 f.). Ebba, die ihren Vornamen als Variante von »Eva« deutet (XIII/113), beherrscht die Kunst der geistreichen Plauderei und spielerischen Koketterie, deren Unverbindlichkeit Holk nicht oder nur für Augenblicke (vgl. XVIII/159) durchschaut, während sie umgekehrt Holks Charakter rasch und mitleidlos erfasst (vgl. XVIII/153-156). Als er nach dem nächtlichen Rendezvous in Frederiksborg (vgl. XXVI/230) glaubt, aus dem unverbindlichen Spiel Ernst machen zu sollen, und um ihre Hand anhält, weist sie ihn entschieden ab und hält ihm schonungslos den Spiegel vor (vgl. XXX/265-267). Später heiratet sie einen reichen englischen Lord (vgl. XXXI/274 f.).

Schimmelmann, Aurora Gräfin

Hofdame der Prinzessin, eine große, hagere Frau von vierzig Jahren, deren verblühtes, gelbliches Gesicht und ins »Verdrießliche« spielender Ernst mit Ebba von Rosenbergs Jugendlichkeit und Heiterkeit kontrastiert (XIII/105). Sie ist aber »gut und charaktervoll«, beteiligt sich nicht am Hofklatsch, sagt den Leuten, was sie denkt, und wird zwar »nicht geliebt, aber sehr geachtet« (ebd.). In jungen Jahren ist sie »Hofschönheit« (ebd.) und Anlass eines Duells gewesen (XIII/107), man »sprach von einer unglücklichen Liebe« (XIII/105). Während der Krankheit der Prinzessin auf Frederiksborg erweist sie sich, »so steif und ceremoniell sie sonst sein mochte«, als »Wirthin von großer Liebenswürdigkeit« (XXV/215).

Schleppegrell, Arvid

Pastor in Hilleröd, ein »stattlicher Funfziger« in einem »langen Predigerrock« (XIX/168), den die Prinzessin gleich für den ersten Abend auf Frederiksborg zum Tee einlädt und der mit seiner Frau auch an fast allen weiteren Unternehmungen und Zusammenkünften ihres kleinen Hofstaats teilnimmt. Als junger Mann war er Lehrer mehrerer Prinzessinnen, von denen drei ihn geheiratet hätten, wenn er gewollt hätte, denn er war »wirklich ein sehr schöner Mann und dabei christlich und ablehnend zugleich« (XIX/170). Als Kenner der dänischen Geschichte unterhält er die Gesellschaft auf Frederiksborg mit Erzählungen historischer Begebenheiten und Personen, darunter mit der Geschichte von Herluf Trolles »große[m] Seesieg bei Oeland« (XX/174) und seiner Ehefrau Brigitte Goje [recte: Birgitte Goye], und schickt Holk tags darauf ein »Balladenbruchstück« über Herluf Trolles Begräbnis (vgl. XXI/183 f.). Anders als sein Schwager Bie erkennt er die Brandgefahr, die von dem Doppelofen in einem der Frederiksborger Türme ausgeht (vgl. XXVI/223).

Schleppegrell, Frau

Ehefrau von Pastor Schleppegrell, eine »kleine dicke Frau [...] von großer Unscheinbarkeit«, die zu den »Glücklichen« gehört, die sich »gar nicht mit sich selbst und [...] ihrer äußeren Erscheinung beschäftigen«, was ihr sogleich Ebba von Rosenbergs Sympathie einbringt (XX/173). Sie ist ihrem Mann in Liebe zugetan und macht Holk, ohne es zu ahnen, mit ihren Ansichten über die Ehe betroffen: Man müsse sich »helfen und unterstützen und vor Allem nachsichtig sein und sich in das Recht des Andern einleben« (XXI/186).

Schnuck

Pastor Petersens Hund, ein »wundervolle[r] schwarze[r] Pudel« (III/21), dessen Name »eigentlich mehr ein Name für eine Lustspielfigur« ist, wie Arne bemerkt (III/22). Petersens Enkelin Elisabeth und Asta lassen ihn »zu dessen eigener sichtlicher Freude« allerlei Kunststücke machen (III/23). Nach dem Whist-Abend auf Holkenäs nimmt Arne den Pastor und seine Enkelin in seiner Kutsche mit, so dass Schnuck auf eigene Faust nach Hause laufen muss, wo er seiner »Freude, wieder daheim zu sein, lebhaften Ausdruck« gibt (IV/35).

Schwarzkoppen

Theologe, seit etwa einem Jahr »Seminardirector« in Arnewiek, zuvor Pfarrer in Wernigerode (II/13), der zum engeren Gesellschaftskreis der Holks auf Holkenäs gehört. Er ist Witwer, seine Frau war eine Adelige (vgl. IX/70). Die Gräfin schätzt seine »Autorität in Schul- und Erziehungsfragen« und bittet ihn um seine Meinung zu ihren Plänen für die weitere Ausbildung der Kinder Asta und Axel, die er aber nur »sehr vorsichtig« und unbestimmt äußert, wohl um sich nicht gegen Holk zu stellen (II/13). Nachdem Holk seiner Frau freie Hand in der Ausbildungsfrage gelassen hat, schlägt er für Axel das Bunzlauer Pädagogium vor (vgl. IX/75). Ähnlich zurückhaltend reagiert er auf Arnes Bitte, mäßigend auf Christines Haltung gegenüber Holk einzuwirken, »es war ihm ein zu heißes Eisen« (V/39). An den Bemühungen aber, das geschiedene Holksche Paar wieder zu versöhnen, wirkt er augenscheinlich erfolgreich mit (vgl. XXXI/278 f.). Kurz danach tritt er das Amt eines Generalsuperintendenten in Stettin an. Von Christines Freitod erfährt er durch den Brief der Dobschütz, mit dem der Roman schließt (vgl. XXXIV/291-295).

Strehlke

Kandidat der Theologie, Hauslehrer von Axel Holk, der allerdings »mehr an Jagd als an Grammatik denkt« (XVII/150; vgl. VIII/68). Er hat in Jena und Berlin studiert, die Gräfin, die ihn schätzt, bedauert, dass er statt in Jena nicht in Halle, der Hochburg des Pietismus, studiert hat (vgl. XVIII/158). Nach Axels Wechsel an das Bunzlauer Pädagogium tritt er ein Vikariat bei seinem Bruder in Mölln an, wird aber auf Wunsch der Gräfin in den großen Ferien nach Holkenäs kommen, um sich um Axel zu kümmern (ebd.).

Tersling

Oberstleutnant der dänischen Armee, ein »schöner großer Mann«, der den Wagen der Prinzessin auf dem Weg nach Klampenborg eine Zeit lang eskortiert und von ihr freundlich begrüßt wird (XIII/106). Früher war er, wie sie Holk erklärt, »Prinzessinnentänzer und Cavalier comme-il-faut« und an dem Duell beteiligt, dessen Anlass die damals junge Gräfin Schimmelmann gewesen ist (XIII/107). Er ist Gast bei dem von Pentz gegebenen Frühstück, wo er sich Wortgefechte mit Worsaae liefert (vgl. XVI/131 f.).

Tersling kommandierte im Deutsch-Dänischen Krieg das 9. Regiment und geriet bei den Düppeler Schanzen in Gefangenschaft (vgl. Kommentar S. 417).

Waldhüter

Alter Forstbediensteter in Klampenborg, der zugleich das zugehörige Jagdschloss, die »Eremitage«, als Kastellan verwaltet, in dem die Prinzessin bei ihrem Ausflug nach Klampenborg mit ihrem Gefolge den Kaffee einnimmt (XIV/116). Auf Anordnung der Prinzessin organisiert er eine imposante »Defiliercour« zahlreicher Hirschrudel (XIV/120).

Westergaard

Dänischer Militär im Grad eines Kapitäns, Adjutant des dänischen Königs, den er in der Vorweihnachtszeit 1859 nach Frederiksborg begleitet. Wie Lundbye nimmt er dort regelmäßig an den abendlichen Zusammenkünften des kleinen Hofstaats der Prinzessin teil, bei denen er sich auf den »Freisinnigen hin ausspielte« (XXV/215). Holk kennt ihn von früher, als er in Schleswig und Flensburg stationiert war (vgl. XIV/211).

Worsaae

Dänischer Altertumsforscher. Die Prinzessin entdeckt ihn bei dem Ausflug nach Klampenborg unter den Teilnehmern des Festessens für General der Meza und wundert sich: »Was will er nur bei dem Mezafest? De Meza soll gefeiert, aber nicht ausgegraben werden.« (XIII/106) Er ist Gast bei dem von Pentz gegebenen Frühstück, wo er seinem Ruf als »Esprit fort und Anekdotenerzähler« gerecht wird und sich Wortgefechte mit Tersling liefert (XVI/131 f.).

Jens Jacob Asmussen Worsaae (1821-1885) war Prähistoriker und Archäologe. Der von der noch jungen Altertumsforschung begeisterte Frederik VII. förderte seine Arbeit und ernannte ihn 1847 zum Inspekteur der dänischen Altertümer. 1866 wurde er Direktor des Museums für Nordische Altertümer in Kopenhagen (vgl. Kommentar S. 399).

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