Trabacchio sen.

Vater von Ignaz Denner und mit dem Teufel verbündeter Alchimist. Seine Geschichte kommt durch die Nachforschungen ans Licht, die das Gericht in Fulda während des Prozesses gegen Ignaz Denner anstellt.

Trabacchio, ein »wunderlicher Doktor«, lebte vor »langen Jahren« in Neapel und muss damals schon etwa 80-jährig gewesen sein, wirkte aber, als ob »das Alter nichts über ihn vermöge« (93). Wenn er durch die Straßen lief, trug er einen »weiten roten Mantel mit goldnen Tressen und Troddeln« über seinem schwarzen Anzug und ein Kistchen unter dem Arm, in dem man seine Arzneien vermutete (93). Lediglich sein Gesicht war auf »seltsame grausige Weise verzerrt und verschrumpft, und seinen Blick konnte man kaum ohne innern Schauer ertragen«, weshalb die Menschen ihm aus dem Weg gingen, wenn sie nicht gerade schwer kranke Angehörige hatten (93). Er handelte sich den Titel des Wunderdoktors ein, weil er mit seinem Liquor alle Krankheiten zu heilen vermochte und niemals die Bitte um eine Behandlung ausschlug, auch wenn sie ihm kaum etwas einbrachte.

Überhaupt war sein zur Schau gestellter Reichtum der Bevölkerung ein Rätsel, überstieg er doch bei Weitem seine Einkünfte aus der Heiltätigkeit. Er hatte viele Frauen, die er aber stets versteckt hielt und von seiner alten Haushälterin bewachen ließ. Über kurz oder lang starben sie alle.

Die Bevölkerung wurde misstrauisch und »hielt den Doktor Trabacchio für einen Alchymisten, für einen Teufelsbeschwörer, ja man gab ihm endlich schuld, daß er mit dem Satan im Bündnis stehe«, mit dem ihn auch schon einige Edelleute gesehen haben wollten (94f.). Tatsächlich stellte sich eines Tages heraus, dass der Verkauf eines Giftes namens »Aqua Toffana« seine »reichste Erwerbsquelle« war. Unter Folter erzählte seine Haushälterin, die das Gift unter das Volk brachte, dass Trabacchio mit dem Teufel verbündet sei, seine heimlich geborenen Kinder für sein Heilelixier selbst »geschlachtet« und deren Mütter danach vergiftete habe (96). Nur sein letztes Kind, den späteren Ignaz Denner, habe er leben lassen.

Vor Gericht gestellt, leugnete Trabacchio nichts, es bereitete ihm sogar Vergnügen, das Gericht mit den Details zu schockieren, und er bestieg den Scheiterhaufen »mit verwegener Frechheit zum Tode«, um sich auf magische Weise genau in dem Moment aus dem Staub zu machen, in dem die Flammen ihn erreichten (99). Mit seinem Sohn, den er schon von klein auf in all seinen alchimistischen und magischen Geheimnissen unterwies und der in seinem Auftrag das Haus zerstörte, als ein Geistlicher den von ihm eingerichteten Geisterkeller öffnete, floh er aus Neapel. Die beiden wurden von einer Räuberbande aufgenommen, mit der er seit langem gute Kontakte gepflegt hatte. Er lehnte die ihm angetragene Würde des Räuberkönigs ab: Aufgrund besonderer »Konstellationen« sei er gezwungen, fortan ein »ganz unstetes Leben« zu führen (100). Als die Räuber stattdessen seinen Sohn wählten, war er damit sehr zufrieden.

Nach Andres' Folterung erscheint er in dessen Zelle, mit glühenden Augen, schwarzen struppigen Haaren und »finstern Augenbrauen«, die »über der krummgebogenen Habichtsnase« sitzen (86). Erst später wird Andres klar, dass Trabacchio ihm »wie der leibhaftige Satan« erschienen war und dazu verführen wollte, von dem Liquor aus dem Herzblut seines eigenen Sohnes zu trinken, um seine Qualen zu lindern (101).

Denner gibt vor Gericht zu Protokoll, dass sein Vater »noch zur Stunde lebe«, ihn im Gefängnis besucht und ihm »Rettung von der Gerichtsstätte versprochen habe« (101). Aber die wunderbare Rettung Andres' habe die Macht Trabacchios über ihn endgültig gebrochen, und er sei nun bereit, als frommer Christ für seine Sünden zu sterben (101). Als ihn in der Nacht vor der Hinrichtung allerdings die Panik ergreift und er an den Gitterstäben zu rütteln beginnt, zerfallen diese auf wundersame Weise und er kann fliehen.

Nachdem Andres den geschwächten Denner bei sich aufgenommen hat, gewinnt der Alte erneut Macht über seinen Sohn. Als Andres den verschleppten Georg im Wald nackt festgebunden neben einem Feuer findet, steht des »alten Trabacchio Gestalt im goldverbrämten Mantel, den Stoßdegen an der Seite, den niedergekrempten Hut mit roter Feder auf dem Kopfe, das Arzneikistchen unterm Arm« neben Ignaz Denner, der im Begriff ist das Kind zu erstechen. Die Gestalt verschwindet nach Andres' Schuss auf Denner. Frieden vor dem nächtlichen Spuk, der ihn immer noch mit Macht verführen will, findet Andres erst, als er das Schatzkistchen der Trabacchios in eine tiefe Schlucht wirft (109).