Lena

Begleiterin der Heilssoldatin Gerda, die mit ihr die zweite der beiden Weinstuben betritt, in denen Keetenheuve am Abend nach seiner Rückkehr nach Bonn einkehrt. Keetenheuve schätzt sie auf 16 Jahre und findet sofort Gefallen an ihr, obwohl sie »nicht eigentlich schön« und auch recht klein ist, »aber ihre frische und etwas trotzige Haltung machten sie hübsch« (II, 340). Als Keetenheuve ein Fünfmarkstück in Gerdas Sammelbüchse wirft, schaut sie ihn zuerst verwundert, dann wütend und empört an (II, 341).

Als er die beiden Mädchen kurz darauf auf der Straße wiedertrifft, erzählt Lena ihm ihre Lebensgeschichte. Sie stammt aus Thüringen, ist mit ihrer Familie in den Westen geflohen, wo sie ihre angefangene Lehre als Mechanikerin beenden und danach Ingenieurin werden wollte. Sie fand aber keine Anstellung, wurde vielmehr ausgelacht, weil man im Westen der Ansicht ist, dass die Drehbank »nichts für Mädchen« und ein Studium »nichts für Arme« sei. Nach einer Odyssee durch die Bundesrepublik war sie schließlich in der Hauptstadt am Bahnhof gelandet, wo die Heilssoldatin Gerda sich – nicht uneigennützig – ihrer angenommen hatte. Seither begleitet sie Gerda auf ihren Sammeltouren durch die Stadt. Keetenheuve verspricht ihr Hilfe und verabredet sich mit ihr für den nächsten Abend in der Weinstube.

Bei diesem zweiten Treffen stellt sich heraus, dass Keetenheuve vergessen hat, mit Knurrewahn und Korodin über Lena zu sprechen. Er schreibt ihr auf dem billigen Briefpapier der Weinstube Empfehlungsschreiben an beide (II, 384f). Danach gehen beide in eine Ruine und lieben sich, begleitet von Gerdas »Lied vom himmlischen Bräutigam« (II, 386). Lenas »Hingabe« kann Keetenheuve nicht erlösen: »Es war ein Akt vollkommener Beziehungslosigkeit, den er vollzog, und er starrte fremd in ein fremdes, den Täuschungen der Lust überantwortetes Gesicht« (II, 389). Wenig später springt er von der Brücke.