Kreikemeyer, Willi

Deutscher Kommunist (1894-1950), KPD-Mitglied seit 1919. Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg; Exil in Frankreich; Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk von Noel H. Field zur Unterstützung und Rettung verfolgter deutscher Kommunisten; 1946 Rückkehr nach Deutschland (Ost); Aufstieg zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn (1949); im August 1950 Parteiausschluss und Verhaftung im Zusammenhang mit den stalinistischen ›Säuberungsaktionen‹ anlässlich der Festnahme Noel H. Fields in Prag.

1684 Zur Eröffnung des Schuljahres 1950/51 an der Fritz-Reuter-Oberschule in Gneez hält der neu gewählte Erste Vorsitzende der ›Zentralen Schulgruppenleitung‹ der FDJ, Gesines Mitschüler Gabriel Manfras, seine Antrittsrede mit einer »Einschätzung der Weltfriedenslage«. Er lobt die »Wachsamkeit der Partei, wie sie aufgetreten ist bei der Entlarvung der führenden Genossen Kreikemeyer und Konsorten, Verschworene des amerikanischen Provokateurs Noel H. Field und seiner widerlichen Dreiecksehe, diese Wachsamkeit wird auch uns«.

1685-1686 Ergänzungen Gesines bzw. des Erzählers zum Stichwort »Kreikemeyer und Konsorten«: Bericht über Kreikemeyers wenig rühmliches Wirken als »Öberster der Deutschen Reichsbahn, Jakobs Generaldirektor«, der die Eisenbahner mit Versprechungen hinhält, die er nicht einlöst, »alles für seine Partei«, die ihn nun, Ende August 1950, der Spionage für den amerikanischen Geheimdienst beschuldigt. – Jahre später bittet Gesine den ›Club der Carola Neher‹, »einen Lebenslauf für Willi Kreikemeyer« zu recherchieren. Aber »all die drei Gelehrten mit ihrer Gewitztheit in Registern und Quellen und Querverweisen fanden keine Lebenserwartung für ihn seit dem August 1950«.

Nach Darstellung des Ministeriums für Staatssicherheit soll er sich am 31. August 1950 in seiner Zelle das Leben genommen haben; vgl. auch Jahrestage-Kommentar zu 1684,4 (Willi Kreikemeyer) und 1684,4 f. (Noel H. Field).