Bastet

Die katzenköpfige Göttin ist die Patronin »altertümlicher, derber Lustigkeit« (IV, 726). Ihr Heiligtum bildet das ›gewaltige Kernstück‹ der Stadt Per-Bastet im Nildelta, in die alljährlich Tausende von Ägyptern zum Bastet-Fest pilgern, einem ausgelassenen »Fest von drei Tagen, mit Opfern, Tänzen und Mummenschänzen, mit Jahrmarkt, dumpfem Getrommel, Märchenerzählern, Gaukeleien, Schlangenbeschwörern und so viel Traubenwein, wie in Per-Bastet das ganze übrige Jahr hindurch nicht verbraucht« wird, so dass sich das Volk »in echt altertümlicher Verfassung« befindet und nachts ein Geschrei anstimmt, das dem der Katzen bei der Paarung gleicht (IV, 726 f.).

Der von zahllosen Katzen bevölkerte Tempel liegt mit seinen »sinnbildstarrenden Pylonen« in der Stadtmitte auf einer Halbinsel in »ragender Mauerumfriedung«. Sein Hauptgebäude ist »geborgen in einem Hain alter Sykomoren«, die Säulenköpfe seiner Hallen ahmen »die offenen und die geschlossenen Blütendolden des Byblusschilfs« nach, und die »gegrabenen Schildereien seiner Wände« schillern »tiefrot und himmelblau« (IV, 727).

Joseph betrachtet den alten Tempel mit »ruhigen Augen«, denn das Bewusstsein, einer jungen, zukunftweisenden Religion und Kultur zuzugehören, »steifte ihm den Rücken« gegen das erdrückend »Altersgewaltige«, und beim Gedanken an das altertümliche Nachtgeschrei beim Bastet-Fest »zuckte er die Achseln« (IV, 727 f.).

Über das Bastet-Fest fand TM Informationen bei Wiedemann (316). Vgl. auch Erman (34, 336). – Abb: Bastet-Figur mit Sistrum aus dem British Museum.

Letzte Änderung: 13.02.2011  |  Seitenanfang / Lexikon   |  pfeil Zurück