Joseph Roth: »Radetzkymarsch« (1932)

Abramtschik

Jude in der Dorfschenke von Burdlaki, er trägt einen feuerroten Bart: »Er saß vor dem gewölbten Tor seiner Schenke und leuchtete weithin« (435). Man bekommt bei ihm »Kernseife, Schnaps, Zigaretten, Knaster und Briefmarken« (435). Er erinnert Carl Joseph, der in der Gegend für Chojnicki arbeitet, an den Großvater Max Demants, der ebenfalls ein jüdischer Schankwirt war.

Als Carl Joseph kurz nach Kriegsbeginn an seiner Schenke vorbeigeht, steht Abramtschik auf, lüftet sein schwarzes Samtkäppchen und bemerkt, man müsse achtgeben wegen der Raben, es seien »kluge Vögel« (437).

Babenhausen, Herr von

Rittmeister der Reserve. Er ist »angeheitert«, als er von der Ermordung des Thronfolgers erfährt und schließt sich Rittmeister Zschoch an, der an der Glaubwürdigkeit der Nachricht zweifelt: »Was mich betrifft, ich pfeif’ auf Gerüchte! Wann’s wahr ist, werden wir’s früh genug erfahren!« (421)

Bärenstein, Fähnrich

Reservist, der nur zu den jährlichen Übungen einrückt. Er ist in einem »gesetzten Alter« und erinnert Carl Joseph an eine Art »Hausarzt oder Onkel«, der als einziger der Offiziere des Kavallerieregiments Ruhe ausstrahlt. Als Reservist fühlt er sich dem zivilen Leben näher als dem militärischen und befürchtet allezeit, die Regeln des Militärs zu verletzen. So hält er es beispielsweise für eine »Anstandspflicht«, das Dominospiel, bei dem er als Zivilist immer gewinnt, gegen Aktive zu verlieren (201f.).

Battyanyi, Graf

Während in Chojnickis Haus eine Diskussion über die Umstände von Franz Ferdinands Ermordung entbrennt, beginnt der Graf, sich mit seinen Landsleuten auf Ungarisch zu unterhalten. Bald scheinen sie die Anwesenheit der Anderen zu vergessen, die, abgesehen von Jelacich, von dem Gespräch kein Wort verstehen (422).

Beniower, Hirsch

Jüdischer Schankwirt in Burdlaki, dem Heimatort von Onufrij. Als Leutnant Trotta Probleme wegen seiner Schulden bekommt, sucht Onufrij den Schankwirt auf, da er der einzige Bankier ist, den Onufrij kennt. Dieser bietet ihm in seiner Schenke Mehl, Zucker, Tabak und Geld zur Auswahl an (389). Als er hört, dass Onufrij sein Grundstück beleihen möchte, sieht er im Grundbuch nach und gibt ihm gegen eine Unterschrift 300 Kronen für die viereinhalb Morgen Land (390).

Benkyö, Graf

Glaubt die Nachricht vom Tod des Thronfolgers zunächst nicht. Als Rittmeister Jelacich die Ungarn auffordert, ihr Gespräch auf Deutsch weiterzuführen, fasst er das Ergebnis der Diskussion zusammen: »Wir sind übereingekommen, meine Landsleute und ich, daß wir froh sein können, wann das Schwein hin is!« (423)

Daraufhin ruft er den Trauermarsch aus, der von der Kapelle gespielt wird. Die betrunkenen Gäste marschieren im Takt im Kreis und am Höhepunkt des Stücks macht der Graf einen Freudensprung und schreit auf Ungarisch »Das Schwein ist hin!« (426)

Brodnitzer

Der Inhaber des Hotels, in dem die Offiziere logieren, ist von schlesischer Abstammung und hält sich aus unbekannten Gründen an der Grenze auf. Er eröffnet ein Spielkasino zur gleichen Zeit, als Kapturak auftaucht, in dem er schon während der Renovierung »Tingel-Tangel-Sängerinnen von Ruf« auftreten lässt, um das Interesse der Leute zu wecken (301).

Er steht als Zeuge vor der Tür, als Kapturak von Carl Joseph sein Geld einfordert und dieser seinen Gläubiger mit dem Säbel bedroht (382). Brodnitzer hat jedoch selbst Schulden bei Kapturak. Als die Affäre auf Veranlassung des Kaisers behoben wird, muss Brodnitzer sein Kasino schließen (409).

Cak, Alexander

Einer der jungen Männer, die dem Bezirkshauptmann Trotta nach dem Tod Jacques’ als neuer Diener empfohlen werden. Er hat drei Jahre bei der Armee gedient und ist Gefreiter, zugleich ist er in der sozialdemokratischen Partei, was den Bezirkshauptmann nicht nur am Regiment Caks, sondern an der ganzen Armee verzweifeln lässt (356).

Chojnicki, Graf Wojciech

Reicher Adeliger, der die Winter vor allem in den Spielsälen der Riviera und die Sommer in seiner Heimat an der Grenze verbringt, in die er jedes Jahr aufs Neue den »leicht parfümierten Hauch der großen Welt« mitbringt (263).

Während er in seiner Villa regelmäßig Gesellschaftsabende veranstaltet, bei denen die Offiziere sich betrinken, widmet er sich in seinem »alten Schloss«, einem alten Jagdpavillon, der Alchemie und versucht, wie schon seine Vorfahren, Gold herzustellen. Es ist ihm jedoch bis jetzt nicht gelungen, auch nur ein »Stäubchen« herzustellen und er ist sich selbst nicht sicher, wie ernst er es damit meint, er weiß nur, dass jede andere Beschäftigung, selbst mit den höchsten politischen Ämtern, auch nicht sinnvoller wäre (289). Stattdessen ist er seit Jahren Reichsratsabgeordneter seines Heimatbezirks, da die Gegend an der Grenze »glücklicherweise weit genug entfernt von allen modernen Ideen« sei (297f.). Seiner Ansicht nach ist die Monarchie längst dem Untergang geweiht und die Völker des Reiches werden alle nach dem Tod des Kaisers »dreckige, kleine Staaten« (265) bilden, denn man glaubt »nicht mehr an Gott. Die neue Religion ist der Nationalismus« (290). Er ist sich bewusst, dass seine antisemitische, antidemokratische und antinationale Einstellung keine Zukunft hat, doch außer Carl Joseph Trotta sieht keiner seiner Zuhörer, die ihn für einen »Witzbold« halten, das »finstere Gewicht« seiner Prophezeiungen (266). Auch auf den Vater Carl Josephs Franz Trotta ist er neugierig. Er lädt ihn zu einem seiner Feiern ein und überzeugt den kaisertreuen Staatsbeamten davon, dass die alte Monarchie »bei lebendigem Leibe« zerfällt (290).

Er fühlt sich für Carl Joseph verantwortlich, der sich durch die Freundschaft mit dem »irrsinnigen Wagner« immer tiefer in Schulden verstrickt (315). Er möchte, dass Trotta die weite Welt kennen lernt und schickt ihn mit seiner alten Bekannten Wally von Taußig in den Urlaub nach Wien. Als der Krieg beginnt, kommt er bald als geisteskrank von der Front in die Irrenanstalt Steinhof in Wien, wo eben diese Wally als Krankenschwester beschäftigt ist. Er bestellt mit ihrer Hilfe Franz Trotta zu sich und erklärt ihm, das Ende des Kaisers sei gekommen, das wisse er »Von oben!« (450).

Die Figur kommt auch in der Kapuzinergruft als Xandl Chojnicki vor.

Demant, Eva

Frau Max Demants und Tochter Herr Knopfmachers. Sie ist attraktiv und verbringt ihre Zeit mit Körperpflege (216). Sie hatte wohl schon einige Affären, obwohl Demant versucht, sich selbst einzureden, es sei nie »bis zum Äußersten« gekommen (215). Sie scheut sich nicht, ihrem Ehemann ins Gesicht zu sagen, dass sie ihn nicht liebt, seine Drohungen nimmt sie nicht ernst. Direkt nach seinem Tod versucht sie, sich bei Carl Joseph Trottas Kondolenzbesuch an ihn heranzumachen. Sie erinnert Trotta an eine der »mordenden, hübschen Frauen« aus den Geschichten der Kameraden (250).

Demant, Großvater

In Max Demants Erinnerung war sein Großvater »ein alter, großer Jude mit silbernem Bart« (220). Er war ein frommer Jude, der vor seiner Schenke, die seit Urzeiten in Händen der Familie war, in Galizien, an der östlichen Reichsgrenze, saß und noch eigenhändig die Pferde der Gäste ausspannte. Demant glaubt, der Großvater hätte es nicht ausgehalten, dass sein Enkel die Offiziersuniform trägt, da es ihm schon schwergefallen sei, zu ertragen, dass der Sohn Postbeamter wurde statt die Schenke weiterzuführen (210f.).

Demant, Max

Der Jude und Sohn von Simon Demant ist seit drei Jahren Regimentsarzt des X. Ulanenregiments. Er ist Brillenträger und in jeder Hinsicht unmilitärisch, er reitet beispielsweise so schlecht, dass Oberst Kovacs ihm schließlich nahelegt, nicht mehr durch die Stadt zu reiten (205). Er ist nur zum Militär gekommen, weil er aus einfachen Verhältnissen stammt und die Armee seine Versorgung sicherstellte, schließlich blieb er dabei, er glaubt allerdings, dass er unter anderen Umständen Assistent eines berühmten Wiener Chirurgen und sogar Professor hätte werden können, er habe aber ein »Leben mit Widerhaken« (210).

Als er nach längerer Krankheit ins Regiment zurückkehrt, lernt er Carl Joseph Trotta kennen und sie schließen innerhalb einer halben Stunde Freundschaft in ihrer geteilten Abscheu der Bordellbesuche des Regiments. Trotta ist der erste Freund, den er je beim Militär gefunden hat, doch schon nach kurzer Zeit wird er von seinem Schwiegervater Knopfmacher mit dem Verdacht konfrontiert, Trotta habe ein Verhältnis mit seiner Frau Eva. Er stellt seine Frau zur Rede, die ihm eröffnet, dass sie ihn nicht mehr liebt, als er darauf droht, sie zu töten, erntet er nur Spott von ihr. Trotta dagegen leugnet jede Beziehung mit Eva, doch ist das Vertrauen zwischen ihnen gebrochen (218f.).

Nachdem Trotta und Eva nachts gemeinsam gesehen werden, kommen auch unter den Offizieren Gerüchte auf, bis der betrunkene Rittmeister Tattenbach den Arzt wegen der Affäre und seines Judentums beschimpft, so dass es zwangsläufig ein Duell geben muss. Er zieht noch in Betracht, zu fliehen und ehrlos zu werden, aber das Leben hat ebenso wenig Sinn für ihn wie der Tod (236). Er beschließt, zwar »nach Ehrenkodex und Dienstreglement« zu sterben, aber die Brille abzusetzen und blind zu schießen (239). Jedoch umfängt ihn in dem Moment nicht der vertraute Nebel der Kurzsichtigkeit, er scheint geheilt zu sein und so finden beide, wie der Oberst später mitteilt, »für die Ehre des Regiments den Soldatentod« (242).

Demant, Mutter

Da ihr Mann spielt und Schulden über Schulden macht, lebt sie in »ständiger, hastiger Suche nach irgendwelchen Nebeneinnahmen« (211). Als ihr Mann stirbt, hält sie ihn im »getreuen Gedächtnis«, indem sie seine Uniformen weiterhin pflegt, so dass sie »wie Mumien« im Schrank hängen (212).

Demant, Simon

Mittlerer Postbeamter, der zwölf Jahre bei der Landwehr war, seine militärische Karriere aber wegen seiner Frau aufgeben musste (211). Sein Sohn Max soll auch Beamter bei der Post werden. Er selbst ist spielsüchtig und macht Schulden, jedes Jahr an des Kaisers Geburtstag nimmt er sich vor, mit dem Spielen aufzuhören. Er betrinkt sich dann stets und bildet sich ein, er wäre ein Oberst »im Dienste Franz Joseph des Ersten«, bis seine Frau ihn beruhigt. Er stirbt einen »freundlichen Tod«, als ihn am Tag nach so einem Geburtstag des Kaisers im Bett der Schlag trifft (212).

Ferdinand, Franz

Der Thronfolger tritt nicht selbst in Erscheinung, man erfährt jedoch, dass er im Gegensatz zum Kaiser selbst an den Manövern teilnimmt und die Generäle ihn natürlich immer gewinnen lassen: »Wo gab es noch einen General, der den Thronfolger besiegt hätte?« (351)

Die Nachricht von seiner Ermordung führt bei der Gesellschaft in Chojnickis Haus zu einer Diskussion unter den anwesenden ungarischen Generälen, die auf Ungarisch geführt wird. Man sagt von ihm, er sei »den slawischen Völkern günstig gesinnt und den Ungarn böse« (421) und dementsprechend unbeliebt ist er bei den Ungarn. Als Graf Benkyö auf deutsch zusammenfasst, dass sie »froh« seien, dass »das Schwein hin is«, verteidigt Leutnant Trotta den Kaiser gegen seine Vorgesetzten: »Wer noch ein Wort gegen den Toten sagt […] den schieß ich nieder!« (424f.)

Franz Ferdinand wurde am 28. Juni  1914 in Sarajewo durch ein Attentat getötet. Ein Monat später erklärte Österreich Serbien den Krieg, wodurch der Erste Krieg ausgelöst wurde.

Festetics, Oberst

Der Oberst im Dragonerregiment an der Grenze gehört zu einer der »besten ungarischen Familien« (411). Er plant gemeinsam mit Rittmeister Zschoch das Sommerfest, das als Probe für die nächstjährige Hundertjahrfeier des Regiments dienen soll. Er plädiert dafür, die Einladungen nicht nach Rang, sondern gleichzeitig zu verschicken. Zschoch leitet daraus eine »blutmäßig bedingte demokratische Neigung« des Obersten ab (411). Als ihm der Brief mit der Nachricht vom Tod des Thronfolgers überreicht wird, wird er »bald violett, bald kreideweiß« (417). Er reagiert jedoch nicht auf die Nachricht und erst als Chojnicki zufällig davon erfährt, werden die wichtigsten Gäste zusammengerufen und das Fest wird aufgelöst.

Franz Joseph I., Kaiser

Der junge Kaiser der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erscheint in der Schlacht von Solferino an der Front, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Aufgrund seiner militärischen Unerfahrenheit setzt er einen Feldstecher an die Augen und wird von Leutnant Joseph Trotta zu Boden gerissen, der so den ihm geltenden Schuss abfängt. Trotz seiner Jugend ist er sich »seiner kaiserlichen Pflicht« bewusst und fragt nach dem Namen seines Lebensretters (140).

Er verleiht Trotta nach Beendigung des Krieges einen Orden und erhebt ihn in den Adelsstand, Jahre später macht er ihm noch ein großzügiges Geldgeschenk für die Ausbildung des Sohnes Franz Trotta. Josephs Beschwerde bezüglich der heroisierenden Darstellung seiner Tat in einem Schulbuch nennt er »recht unangenehm« und versucht in einer Audienz, Trotta freundlich davon zu überzeugen, die Sache nicht zu ernst zu nehmen, es werde »viel gelogen« (148). Er lässt die Geschichte trotzdem aus den Schulbüchern entfernen.

Als der Enkel des Helden von Solferino den Kaiser Jahrzehnte später bei seinem Auftritt beim Fronleichnamszug in Wien sieht, trägt er den »schneeweißen Rock, den man von allen Bildern der Monarchie kannte« und entspricht so dem Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hat (321). Der »Römische Kaiser Deutscher Nation« demonstriert Bescheidenheit, als er nach dem Aufmarsch »wie ein einfacher Mann« zu Fuß die Kirche betritt (322).

Diesem positiven Bild widerspricht der »älteste Kaiser der Welt« (342) jedoch hinsichtlich seines körperlichen wie geistigen Zustands. Er wird zunehmend vergesslicher, so dass er sich seines eigenen Alters nicht mehr sicher ist. Auch an den Namen Trotta erinnert er sich nur noch nebulös, als er über den Umgang mit der Schuldenaffäre Carl Josephs entscheiden soll. Er hält sein Unwissen nicht bis zur Ankunft des Oberhofmeisters Montenuovo aus und fragt schließlich seinen Leibdiener nach Trotta, der ihn an die Lebensrettung erinnert. Er fühlt sich durch die plötzliche Erinnerung »wieder jung« und lässt den Fall Carl Josephs zu dessen Gunsten erledigen (341f.).

Er durchschaut jedoch immer noch viel mehr, als seine Berater glauben, doch er widerspricht ihnen nicht, denn es »ziemt einem Kaiser nicht, klug zu sein wie seine Berater« (343). Und so spielt er in allen Situationen den senilen alten Mann, wie man es von ihm erwartet, denn er lebt schon »lange genug […], um zu wissen, daß es töricht ist, die Wahrheit zu sagen« (343). So ist ihm die politische Seite von Kriegen zuwider, da er weiß, »daß man sie verliert«, trotzdem muss er so tun, als ob ihn die Pläne des Generalstabs interessierten. In Wirklichkeit liebt er jedoch die militärische Pracht, das »Blasen der Trompeten« (344). So plant er, überraschend an einem Manöver an der Ostgrenze des Reiches teilzunehmen und der Gedanke an die »Verzweiflung der zivilen Behörden«, die kein entsprechendes Polizeiaufgebot würden bieten können, bereitet ihm eine diebische Freude (344).

In der Nacht, die er in einem Ort Z. an der Grenze verbringt, steht er auf und es wird ihm bewusst, dass er, der Kaiser, dem von Gott persönlich seine Macht verliehen wurde, sich fürchten muss, von seinen Nachtwächtern ertappt zu werden. Jeder Soldat erscheint ihm »mächtiger als er« (346). Er leidet auch unter dem festen Tagesplan, in den er eingebunden ist. Am nächsten Tag ist ihm besonders der Gottesdienst eine schwere Last, da er das Gefühl hat, er müsse sich »vor Gott wie vor einem Vorgesetzten zusammennehmen« (347). Er sieht jedoch auch, dass er dessen Entscheidungen genauso wenig anzweifeln darf, wie die Soldaten die seinen, denn »wo sollte man da hinkommen, wenn jeder Untergeordnete seinen Vorgesetzten kritisieren wollte!« (347) Beim Anblick seiner Armee während des Manövers fühlt er Stolz, der sich mit Trauer und Resignation über den bevorstehenden Zerfall mischt: »Es passt ihnen halt nimmer von mir regiert zu werden! Dachte der Alte. Da kann man nix machen!« (352)

Während er im Sterben seine Sünden beichtet, stellt er fest, dass er »zu lange Kaiser gewesen« sei und er sagt dem anwesenden Geistlichen, der Krieg, der seit 1914 andauert, sei »auch eine Sünde« und möge aufhören. Als er bemerkt, dass niemand mehr seine Worte hört, wünscht er sich, er wäre in der Schlacht von Solferino gefallen (353).

Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) ist von 1848 an Kaiser von Österreich und apostolischer König von Ungarn und ist 68 Jahre, länger als irgendein Habsburger vor ihm, im Amt. Zwei Jahre nach seinem Tod zerfällt der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn mit dem Ende des Ersten Weltkriegs in einzelne Nationalstaaten.

Haberkamm, Leutnant

Offizier an der Grenze. Er will nach der Festnahme Jedliceks zu diesem vordringen und ihn »niederknallen« (385). Lippowitz macht ihm klar, dass er nicht bis zu ihm gelangen würde, dass sie Jedlicek aber sowieso eine Pistole mit in seine Zelle geben würden und er sich selbst erschießen werde (385).

Hartenstein, Friseur

Frisiert in einer Szene den alten Kaiser (348). Obwohl er erst seit einem halben Jahr beim Militär ist, ist er bereits Korporal. Er würde aber wegen seiner Familie und seinem Laden in Olmütz lieber aus dem Militärdienst ausscheiden, was er durch Simulation von Rheumaschmerzen schon mehrmals erfolglos versucht hat.

Den Kaiser rasiert er »elegant wie sein Metier erforderte«, er benimmt sich allerdings so ehrfürchtig, dass er dem Kaiser »ein wenig nervös« erscheint (348). Als der Kaiser ihn anspricht und fragt, ob er beim Militär bleiben will, traut er sich nicht nein zu sagen. Noch bevor der Kaiser ausspricht, dass er zum Feldwebel befördert werde, erkennt er, dass er gerade »sein ganzes Leben verpatzt« hat (348).

Hasselbrunner, Gustl von

Einer der alten Schulkameraden Franz Trottas, von denen er als »Glückspilz« beneidet wird, da er eine Stelle im Obersthofmeisteramt Montenuovos hat (399). Zudem hat er als Bürgerlicher die Tochter eines Fuggers geheiratet und einen Adelstitel bekommen. Den Kameraden kommt es so vor, als sei seine Arbeit um ein Vielfaches einfacher als ihre eigenen Beamtentätigkeiten. Sie warten hämisch darauf, dass mit dem Tod des Kaisers und der Thronbesteigung Franz Ferdinands auch das Ende seiner Laufbahn kommt.

Franz Trotta sucht ihn, als er in Wien versucht, wegen der Schuldenaffäre seines Sohnes eine Privataudienz beim Kaiser zu erwirken. Man sagt ihm aber, dass Hasselbrunner an dem Tag verreist ist. Trotta findet ihn jedoch zu Hause und die beiden suchen einen Freund Montenuovos auf, wodurch tatsächlich eine Audienz zustande kommt und die Affäre beigelegt werden kann (400).

Hirschewitz, Fräulein

»Hausdame« des Bezirkshauptmanns Franz von Trotta (161). Sie lebte viele Jahre in Deutschland und spricht nur hochdeutsch, sie besitzt ein strenges Äußeres: »den schweren Haarknoten im Nacken, eine mächtige, krumme Spange quer über der Brust wie eine Art Tartarensäbel. Gewappnet und gepanzert sah sie aus« (161). Beim gemeinsamen Essen mit dem Bezirkshauptmann nimmt sie nur winzige Häppchen zu sich, um danach heimlich »in ihrem Zimmer die ganze Speisenfolge aus neue« zu sich zu nehmen (161). Als der Bezirkshauptmann sie wegen ihrer Kochkünste kritisiert, nickt sie »schwer und langsam« (162), was vom Erzähler dem immensen Gewicht ihres Haarknotens zugeschrieben wird, von Trotta allerdings als abwehrende Reaktion verstanden wird. Sie ist bis zum Tod Trottas in dessen Diensten.

Horak, Bezirkskommissär

Leitet die Gendarmerie an der Grenze. Er wird von Carl Joseph als »ein guter Tänzer, schlesischer Pole, flott und bieder zur gleichen Zeit« (335) beschrieben.

Er ist verantwortlich für die Klärung des Borstenarbeiterstreiks. Er scheint mehr Erfahrung mit Aufträgen dieser Art zu haben als Leutnant Trotta, die »Internationale« kennt er »berufsmäßig« (336). Als die Versammlung im Gange ist und die Arbeiter einem Redner zujubeln, geht er, flankiert von zwei Gendarmen, auf die Menge zu und versucht die Versammlung mit seiner hellen Stimme aufzulösen (337). Als die Demonstranten sich wehren und mit Steinen und anderen Gegenständen werfen, überzeugt er Trotta, dass er schießen lassen soll: »Lassen Sie schießen, Herr Leutnant, um Gottes willen!« (337)

Horvath, Resi (Tante Resi)

»Tante Resi« führt das Bordell, in das das Kavallerieregiment Carl Joseph Trottas regelmäßig einkehrt. Sie wird nicht gerade als Schönheit dargestellt: »Ihre großen, schwarzen Augenbälle rollten ohne Richtung und Ziel in ihrem breiten, mehligen Antlitz herum, weiß und groß wie Klaviertasten schimmerte in ihrem breiten Mund das falsche Gebiß« (207).

Sie überwacht Küche und Keller und leidet unter den Annährungen des Oberleutnants Trautmannsdorff, aber »die Gastfreundschaft verpflichtete sie zu Opfern« und sie lässt sich »verführen« (208). Beim nächsten Mal aber entfernt sie entschlossen seine Hand aus ihrem Ausschnitt und steht »mächtig und gebieterisch« auf, um das Licht des Kronleuchters zu löschen (208).

Hruba, Oberleutnant

Offizier an der Grenze. Er wohnt im Hotel Brodnitzers und bestellt alle Offiziere nach der Festnahme Jedliceks auf sein Zimmer. Er befürchtet, dass Major Zoglauer sich wegen der Schande erschießen wird und will etwas dagegen unternehmen (384). Als Lippowitz erklärt, dass Jedlicek eine Waffe mit in die Zelle gegeben werde und er sich dort selbst erschießen werde, beruhigt er sich (385).

Jacques (Kromichl, Franz Xaver Joseph)

Alter Diener der Trottas. Eigentlich heißt er Franz Xaver Joseph Kromichl, doch der alte Joseph Trotta wollte, dass er Jacques genannt werde. Nach dem Tod Josephs wird er Diener Franz Trottas. Um das Essen hereinzutragen, zieht er weiße Handschuhe an, die einen »schneeigen Glanz über sein ohnehin schon weißes Gesicht, seinen ohnehin schon weißen Backenbart, seine ohnehin weißen Haare« verbreiten (161). Er erzählt Carl Joseph oft von dessen Großvater, den er sehr verehrt, weshalb er sich immer die Hände abputzt, bevor er von ihm spricht (169).

Als er an einem Tag im Mai zum ersten Mal krank ist und mit Fieber im Bett liegt, ist er schon über 80. Der Arzt hält seine Genesung für nicht sehr wahrscheinlich und Jacques verlangt nach einem Geistlichen. Er lässt den Bezirkshauptmann das Fenster öffnen und angesichts der Frühlingsgeräusche beginnt er zu lachen: »Ja, der Tod kam zum alten Jacques wie ein munteres Mädchen im Frühling, und Jacques öffnete den alten Mund und zeigte ihm die spärlichen, gelben Zähne« (276). In seinem Fieberwahn sieht er den alten Trotta auf einem Schimmel zu ihm herab reiten und wünscht sich, noch einmal das Porträt zu sehen. Nachdem er das Bild betrachtet hat, schläft er ein.

Kurz darauf ist er wieder auf den Beinen und scheint wieder kerngesund zu sein. Er rasiert sich und beginnt mit seiner täglichen Arbeit, Stiefel zu putzen. Er übergibt Trotta seine Habseligkeiten und seine Ersparnisse für die Bestattung und nachdem er das Porträt zurückgebracht hat, setzt er sich neben Trotta auf eine Bank und stirbt (280). Auf seinem Grabstein wird er, wie er es sich gewünscht hatte, neben seinem bürgerlichen Namen »Jacques« genannt (281).

Jedlicek, Hauptmann

Er kommt nach dem Selbstmord Hauptmann Wagners von den »Einser-Jägern« zum Regiment an der Grenze. Er gilt als »›guter Kerl‹ von enormen körperlichen Ausmaßen, breit, heiter und sanft wie jeder Riese« (372) und scheint der Situation an der Grenze gewachsen zu sein. Er setzt sich über die militärischen Gebote hinweg, trotzdem halten die Kameraden ihn für verlässlich und jeder leiht ihm Geld: »Er brauchte viel Geld, aber es strömte ihm auch von allen Seiten zu« (373). Auch Leutnant Trotta gibt ihm jede Woche Geld, das er von Kapturak leiht, dafür übernimmt Jedlicek die Verantwortung für die heimlichen Reisen Trottas nach Wien.

Eines Tages verschwindet er plötzlich und man erfährt, dass er wegen Spionageverdachts festgenommen wurde (380). Es wird erwartet, dass er standrechtlich erschossen wird, falls er sich nicht vorher selbst umbringt. Für Kapturak, der ihm viel Geld geliehen hat, bedeutet die Festnahme eine Katastrophe, weshalb er von Trotta dessen Schulden zurückverlangt. Als die Sache von höchster Stelle geklärt wird und Kapturak ebenfalls verschwunden ist, spricht niemand mehr über Jedlicek: »Er versank in den militärischen Untersuchungsgefängnissen der alten Monarchie, in den Bleikammern Österreichs« (409).

Jelacich, Rittmeister

Er ist Slowene und hasst die Ungarn ebenso wie die Serben. Er versteht als einziger unter den Anwesenden in Chojnickis Haus das Gespräch der Ungarn über die Ermordung des Thronfolgers. Obwohl er patriotischer Anhänger der Monarchie ist und seine Familie den Habsburgern seit etwa hundertfünfzig Jahren »redlich und ergeben« (423) dient, kann er den Schmähungen der Ungarn nichts entgegensetzen, da der Attentäter ein Slowene gewesen sein könnte und er sich »in der Tat ein bißchen mitschuldig« fühlt (422).

Seine beiden geliebten Söhne sind Anhänger der »Selbständigkeit aller Südslawen« und verstecken nationale Zeitungen und Broschüren vor ihm. Er tut jedoch so, als wüsste er nichts davon, da er versteht, dass sie zur Generation einer neuen Zeit gehören: »ihre Herzen schlugen einen neuen Takt, ihre Köpfe gebaren fremde Gedanken, ihre Kehlen sangen neue und fremde Lieder, die er nicht kannte. Und mit seinen vierzig Jahren fühlte sich der Rittmeister wie ein Greis« (423).

Er überwindet sich schließlich und fordert die Gruppe der ungarischen Adeligen auf, ihre Unterhaltung auf Deutsch weiterzuführen. Als Leutnant Trotta ihre Aussagen als »Skandal« bezeichnet, schließt er sich ihm an (424).

Kapturak

Kapturak ist ein »kleiner Mann von unbedeutendem Angesicht« (300), der gleichzeitig mit der Eröffnung des Spielkasinos an der Grenze auftaucht, um »Geschäfte« zu machen (301). Vorher hat er wohl Schmuggel mit russischen Deserteuren nach Südamerika betrieben, ist aber schließlich aus Angst geflohen und hat Frau und Kinder zurückgelassen (301).

Er spielt gerne, doch seine Geschäfte macht er, indem er Geld verleiht. Hauptmann Wagner leiht er nur Geld, wenn er ihm durch Carl Josephs Unterschrift Sicherheit garantiert, der selbst nicht spielt und ein Pferd besitzt. Nach dem Selbstmord Wagners beginnt Trotta, selbst regelmäßig Geld von ihm zu leihen, um seine Reisen nach Wien, wo er die Wochenenden mit seiner Geliebten Wally von Taußig verbringt, zu finanzieren. Als der Nachfolger Wagners Hauptmann Jedlicek wegen Spionageverdachts festgenommen wird, verlangt Kapturak von Trotta eine »Teilzahlung« seiner Schulden. Als er andeutet, ansonsten könnte ein Zusammenhang zwischen Trotta und Jedlicek hergestellt werden, gerät Trotta außer sich und bedroht ihn mit seinem Säbel, lässt aber dann von ihm ab. Daraufhin verlangt Kapturak von ihm, er solle die gesamte Summe von über siebentausend Kronen nach Ablauf einer Woche bezahlen (382).

Als der Vorfall gemeldet und Trottas Vater benachrichtigt wird, sucht dieser den Kaiser zu einer Privataudienz auf, worauf die Affäre in einer »fürsorglichen Stille begraben« und Kapturak ausgewiesen wird (408f.).

Auch in Joseph Roths Romanen Hiob und Die Kapuzinergruft kommt ein Kapturak vor, der Russen über die Grenze bringt und nach Übersee verschifft.

Kindermann, Leutnant

Der Reichsdeutsche, der im Regiment der X. Ulanen dient, wird als aus einer »blonden, rosigen und durchsichtigen Substanz« bestehend beschrieben (201). Er fällt durch seine hohe Stimme und eine feminine Gestik auf: »Und er hob bei dem Wort ›charmant‹ seine Hand, an der die lockeren Finger in der Luft tänzelten« (202).

Sein »äußerst schwaches Interesse für Frauen« (201) versucht er durch eine geheuchelte verstärkte Aufmerksamkeit zu überspielen. Besonders schlimm sind für ihn die Besuche im Bordell, bei denen er der »Ohnmacht nahe« ist, da »das weibliche Geschlecht […] ihm Übelkeiten« bereitet (206).

Kinsky, Oberleutnant

Geboren an der Moldau. Er meint, als die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers bekannt wird, dieser sei eine »höchst unsichere Chance für die Monarchie gewesen« (422). Jedoch schließt er sich seinen Vorrednern an, man könne noch nichts über den Wahrheitsgehalt des Gerüchts sagen.

Knopfmacher, Herr

Der Vater Eva Demants wird als Lebemann dargestellt, der dem Alkohol in einer Weise zuspricht, »wie es seiner Würde keineswegs entsprach« (213). Er verachtet die »akademisch Gebildeten«, da er selbst es ohne Studium zu Reichtum und Ansehen gebracht hat. Er hofft auf die baldige Beförderung zum Kommerzialrat, die er von einem durch Geldspenden erworbenen Adelstitel gefolgt sehen möchte.

Er fürchtet, dass eine Affäre seiner Tochter Eva mit dem Leutnant Trotta seine Beförderung behindern könnte und spricht deshalb Demant darauf an, er müsse besser auf seine Frau aufpassen (213). Er unterstützt ihn und Eva finanziell, sowie seine andere Tochter und deren Familie, und will unter keinen Umständen noch mehr für den Unterhalt ausgeben. Erst nachdem Demant bei einem Duell ums Leben kommt, behauptet er, er hätte ihn darin unterstützt, die Armee zu verlassen, die er mit ihrem Ehrenkodex für überkommen hält: »Er grollte dieser blöden Armee mit ihren hirnverbrannten Einrichtungen. Sein Kind war jetzt Witwe, der Schwiegersohn tot, man mußte einen neuen suchen« (252).

Kovacs, Oberst

Oberst im in Mähren gelegenen X. Ulanen-Regiment. Er spielt jeden Abend im Kasino Domino, immer mit jemand anderem aus dem Regiment. Das Dominospiel ist seiner Meinung nach im Gegensatz zu den von ihm verhassten Karten »sauber und erzieht zur Mäßigung« (199). Er ist ein gemütlicher Mann, der sich eine »väterliche Haltung« angewöhnt hat, die nur durch seine monatlichen, gespielten Wutausbrüche durchbrochen wird (199). Bei diesen schreit er »lauter wirres Zeug« und verlässt anschließend den »Schauplatz seines Gewitters« (200). Im Regiment kennt man ihn und Rittmeister Taittinger verbreitet die Ansicht, es gebe »in der ganzen Armee keinen harmloseren Regimentskommandanten« (200).

Leibdiener

Tritt auf, als der alte Kaiser über den Fall des Leutnants Trotta entscheiden soll, der den Befehl gegeben hat, auf streikende Arbeiter schießen zu lassen (341f.). Er wundert sich, dass der Kaiser in seinem Zimmer so unruhig hin- und herläuft und betritt es. Der Kaiser, der den Namen Trotta nicht einzuordnen weiß, fragt den selbst schon älteren Leibdiener. Dieser erinnert sich dunkel an das Lesebuchstück über den Held von Solferino und plötzlich weiß er, dass ein Mann mit dem Namen Trotta dem Kaiser das Leben gerettet hat (342).

Lippowitz, Leutnant

Reserveoffizier, der zwei Semester Jura studiert hat. Er kann den »Zivilisten« nie ganz ablegen und die anderen Offiziere begegnen ihm mit dem »etwas scheuen und auch etwas spöttischen Respekt, den man den Reserveoffizieren zollte« (385). Er beruhigt Hruba und Haberkamm, die nach der Festnahme Jedliceks meinen, dass man etwas unternehmen müsse: »Hier können wir nichts machen […]. Schweigen und weiter dienen! Es ist nicht der erste Fall. Es wird leider auch nicht der letzte in der Armee sein!« (385)

Er zeigt als einziger Verständnis dafür, dass Leutnant Trotta Kapturak nicht umgebracht hat: »Es ist eben nicht so leicht!« (386) Als einer Kapturak als »Jud« beschimpft, erstarren alle beim Gedanken, dass Lippowitz’ Vater auch Jude war (386).

Lorenz, Hauptmann

Nachfolger Hauptmann Jedliceks. Er ist ein »behäbiger, untersetzter, gutmütiger Mann mit einer unbezwinglichen Neigung zur Nachlässigkeit in Dienst und Haltung«, der immer Lust hat, in Hemdsärmeln eine Partie Billard zu spielen (409). Er ist der Vater von drei Kindern, die sich gleichen wie Drillinge und ihn zu dritt aus dem Kaffeehaus abzuholen pflegen. Er fühlt sich an der Grenze schnell zu Hause und wird ebenso aufgenommen: »Man gewöhnte sich sofort an ihn« (409).

Lugatti, Oberst

Der Stabsoberst aus Triest steht während des Manövers neben dem Kaiser und reizt diesen dadurch, dass er seinen Mantelkragen nicht nur hochgeschnitten, sondern auch noch »kokett geöffnet« trägt (351). Der Kaiser hält ihn für »eitel, wie […] nur die Italiener sein konnten« und fragt ihn nach dem Schneider des Mantels, worauf Lugatti den Kragen sofort schließt (351).

Montenuovo, Obersthofmeister

Tritt selbst nicht auf, doch der senile Kaiser vertraut seinem höchsten Hofbeamten, was ihm großen politischen Einfluss sichert. So gilt der Klassenkamerad Franz Trottas Hasselbrunner, der in Montenuovos Amt arbeitet, als »Glückspilz« (399). Jedoch ist wegen der Feindschaft zwischen Montenuovo und dem Thronfolger Franz Ferdinand davon auszugehen, dass seine Macht mit dem Tod des Kaisers wohl ein »schmähliches Ende« finden wird (399).

Alfred Fürst von Montenuovo war seit 1909 1. Obersthofmeister des Kaisers. Seine bekannte Rivalität mit dem Thronfolger fand besonders darin ihren Ausdruck, dass er den Standesunterschied Franz Ferdinands und seiner Frau noch beim Bestattungsritual durch unterschiedliche Erhöhung des Ehepaares deutlich machte.

Moser, Professor

Schulfreund Franz Trottas und Maler. Mit sechzehn kommt er in den Ferien mit zu Trottas nach Hause und fertigt heimlich ein Portrait des Vaters an. Der gerührte Joseph Trotta hält seinen Sohn an, dem Maler ruhig Geld zu leihen, wenn er welches brauche. Moser erzählt später, er habe Franz immer in Griechisch abschreiben lassen. Nach der Schule besucht er die Kunstakademie und laut Franz hätte aus ihm »was werden können«, aber dann habe ihn »der Schnaps […] erwischt« (177).

Als Franz und Carl Joseph ihn in Wien treffen, besitzt er ein ungepflegtes Äußeres und verkauft in Cafés seine Bilder, die er selbst »gelassen als ›Dreck‹« bezeichnet (176f.). Franz gibt ihm Geld und als Moser ihm nachruft: »am Dritten, wie gewöhnlich«, wird klar, dass er von Franz monatlich Unterstützung bekommt. Jahre später trifft er Carl Joseph wieder und versucht, ihm seine Bilder zu verkaufen, auf denen »Mädchen in allen Positionen« zu sehen sind. Erst als Carl Joseph seinen Namen sagt, erkennt er ihn und begrüßt ihn stürmisch, sie verbrüdern sich beim Trinken in einem Gasthaus. Als sie sich verabschieden, bleibt der Maler in den Gassen zurück (327f.).

Als Franz ihm drei Monate seinen Unterhalt nicht bezahlt, erscheint er beim Bezirkshauptmann und fordert sein Geld ein, er droht ihm, es könne ansonsten seiner »Karriere schaden« (364). Er erzählt, er treffe nun regelmäßig Carl Joseph, der sich in Wien »gut zu amüsieren« scheine (365). Franz gibt ihm das Geld, um ihn loszuwerden und Moser verabschiedet sich höflich als sein »Ergebenster Diener« (365).

Nachtigall aus Mariahilf

Ein blondes Mädchen aus Oderberg, das von Brodnitzer als eine »Tingel-Tangel-Sängerin […] von Ruf« angekündigt wird (301). Sie singt Lieder mit Titeln wie »Unter meinem Kleidchen trag’ ich rosa Dessous voller plis...« und soll damit die Neugier auf den Spielsalon steigern, der bald darauf eröffnet wird (301).

Nagy Jenö, Baron

Ungarischer Husarenoffizier, der am Sommerfest der Dragoner teilnimmt. Er stammt wohl von einem jüdischen Großvater aus Ödenburg ab und erst sein Vater hat den Adelstitel gekauft. Umso mehr ist er bemüht, »alle Fehler der ungarischen Gentry« zu übernehmen (421). Er unterstützt die nationale Politik der Ungarn, die er für »eine der adeligsten Rassen der Monarchie und der Welt« hält und hat beschlossen, den Thronfolger zu hassen, weil allgemein bekannt ist, dass er die Slawen den Ungarn vorzieht (421). Er schließt sich Herrn von Babenhausen an, der die Nachricht vom Tod des Thronfolgers anzweifelt, um keine »Gelegenheit« zu verpassen, »einen Chárdás zu tanzen, zu dem er aus Rassegründen verpflichtet war« (421).

Nechwal, Kapellmeister

Leitet die Militärkapelle des Infanterieregiments Nr. X in der kleinen Bezirksstadt W. in Mähren, in der Franz Trotta Bezirkshauptmann ist. Er hat eine Frau »aus einfachen Verhältnissen« (164) und drei Kinder, von denen er den Ältesten auf die Kadettenschule der Infanterie schicken möchte.

Dank seinem »immer wachen Bedürfnis nach neuen Variationen alter Melodien« schreibt er in monatlichem Rhythmus Märsche, die einander gleichen »wie Soldaten« (156). Die Konzerte, die er sonntags vor der Bezirkshauptmannschaft dirigiert, beginnen immer mit dem Radetzkymarsch. Er nimmt seine Aufgabe sehr ernst und die Eigenart der meisten Kapellmeister, den ersten Marsch vom Musikfeldwebel dirigieren zu lassen, ist für ihn ein »deutliches Anzeichen des Untergangs der kaiserlichen und königlichen Monarchie« (156).

Nach dem Konzert geht er zu Trotta zum Kaffee, welchen er samt der dazugehörenden Zigarre schon herbeisehnt. Da er regelmäßig in Wien ist, gilt er als »Weltmann«, was sich vor allem darin äußert, dass er mit »pfiffigem Behagen« Judenwitze erzählt (164). Jahre später hat sich in diesen Abläufen nichts geändert, er steht kurz vor seiner Pension und selbst die Witze sind noch dieselben (357).

Der Radetzkymarsch wurde von Johann Strauss (Vater) komponiert und 1848 uraufgeführt. Seine enorme Wirkung sieht man unter Anderem daran, dass er seit 1939 in einer Konzertfassung jedes Jahr den Abschluss des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker bildet.

Nechwal, Leutnant

Ältester Sohn des Kapellmeisters Nechwal. Er geht zur Kadettenschule und wird Leutnant beim Infanterieregiment der Deutschmeister in Wien. Er trägt einen »winzigen, blonden, aufgezwirbelten Schnurrbart«, mit dem er nach Ansicht des Bezirkshauptmanns »wie ein Musikant« aussieht (358).

Er findet seinen Dienst vor allen Dingen »langweilig« und leidet unter der schlechten Bezahlung, wegen der er die vielfältigen Möglichkeiten der Hauptstadt nicht nutzen kann (358). Auf Nachfrage teilt er dem Bezirkshauptmann Trotta mit, er hätte lieber einen »praktischeren« Beruf (359). Zurzeit kämpften sie nicht für das Vaterland und wenn es so weit wäre, würden sie den Krieg bestimmt verlieren. Er versichert dem aufgebrachten Bezirkshauptmann, die ganze Welt wisse das und auch seine Kameraden sagten es (359).

Notar

In der Zeit, in der Joseph Trotta als Hauptmann seinen Dienst verrichtet, spielt der Notar jeden Nachmittag mit ihm Schach im Kaffeehaus (144). Als Trotta wegen der verfälschten Geschichte aus dem Lesebuch Rat bei ihm sucht, versucht er ihn zu beschwichtigen. Da er selbst Kinder hat, kennt er den Text und erklärt Trotta, die Texte seien für Kinder, diese bräuchten »Beispiele, die sie begreifen, die sich ihnen einprägen«, die »richtige Wahrheit« erführen sie später (146).

Oberst

Der Vorgesetzte Joseph Trottas. Er verheiratet seine Nichte mit ihm. Nachdem Trotta wegen der falschen Darstellung seiner Tat bei der Schlacht von Solferino in einer Lesebuchgeschichte Beschwerde eingelegt hat, übergibt der Oberst ihm den Antwortbrief des Ministers mit den »väterlichen Worten: ›Laß die Geschichte‹« (148).

Onufrij (Kolohin, Onufrij)

Der Diener Carl Joseph Trottas stammt aus einem Dorf nahe der russischen Grenze namens Burdlaki. Er ist die »Treue selbst« (198) und bleibt nach Ende seiner Wehrpflicht aus Loyalität bei seinem Herrn, vor dessen Zimmer er die meiste Zeit sitzt und Mundharmonika spielt (377).

Wenn Carl Joseph nach Wien zu seiner Geliebten Wally fährt, begibt er sich stets in sein Dorf, wo er Land besitzt, das von seinem Schwager verwaltet wird. Als er von den Schulden seines Herrn erfährt, gräbt er seine Ersparnisse aus und lässt sein Land vom »einzigen Bankier der Welt, den er persönlich kannte«, dem jüdischen Wirt seines Dorfes Hirsch Beniower, beleihen (389). Dafür muss er eine Unterschrift leisten und diese intellektuelle Anstrengung treibt ihm den Schweiß auf die Stirn. Strahlend bietet er Trotta die 500 Kronen an, akzeptiert dessen Ablehnung aber schweigend und gehorsam (391).

Als Trotta die Armee verlässt, desertiert er und geht heim in sein Dorf, er hatte »dem Leutnant gedient wie der Leutnant dem Kaiser« (434). Angst vor den Gendarmen hat er keine, da diese selber Bauern sind: »In Burdlaki erstattete man keine Anzeigen« (434).

Pollak

Klavierspieler im Bordell der Resi Horvath. Er spielt immer den Radetzkymarsch, wenn das X. Ulanenregiment erscheint. Gebeugt sitzt er den ganzen Abend als »Sklave der Musik«(207) am Flügel und spielt sogar dann noch einen leisen Walzer, als außer Leutnant Trotta und Max Demant niemand mehr übrig ist (208).

Prohaska, Major

Betrinkt sich bei Bordellbesuchen regelmäßig mit Cognac, so steht er beim ersten Besuch, an dem Carl Joseph Trotta teilnimmt, in der Toilette, »ehrlich bemüht, seinen dicken, kurzen Finger in den Gaumen zu stecken« (207). Beim zweiten Besuch Trottas verabschiedet sich Prohaska, indem er mit den beiden Mädchen, die bei Trotta und Demant sitzen, davontorkelt: »Ihr brauch sie ja doch nicht, ich nehm’ sie mit!« (208)

Schinagl, Mizzi

Mädchen, mit dem Franz Trotta in seiner Jugend in Wien eine Affäre hat. Über ihren Verbleib weiß er später nichts: »Zu meiner Zeit, weißt du, war man nicht sentimental. Man nahm Abschied von Mädchen« (175).

Schwiegervater, Joseph Trottas

Schwiegervater Joseph Trottas und Bezirkshauptmann im westlichen Böhmen. Er lebt auf einem kleinen Gut und fürchtet den strengen Joseph Trotta, der nach seiner Entlassung aus der Armee auf das Gut zieht. Er, der »die Mädchen liebte«, verbringt sein Alter trotzdem weiterhin damit, »heiter« seine Pension zu verprassen (150). Er stirbt noch vor seiner Tochter und vor Joseph Trotta (152).

Sennyi, Herr von

Im Gegensatz zu Baron Nagy Jenö ist er tatsächlich ungarischer Abstammung und befürchtet von diesem »Judenstämmling« an Nationalstolz übertroffen zu werden. Bei dem Gespräch über das Attentat auf Franz Ferdinand auf dem Sommerfest der Dragoner setzt er hinzu, die Nachricht gehe sie gar nichts an (421).

Skowronnek, Doktor

Der Arzt lebt seit seiner Geburt in der Kreisstadt W. Er arbeitet nur vier Monate im Jahr als Badearzt in Franzensbad. Den »Geständnissen« seiner Patientinnen verdankt er sein Wissen über die verschiedenen Gesellschaftsschichten und ihr Privatleben (361).

Er kennt Franz Trotta schon lange als Besucher desselben Kaffeehauses, doch ihre »Freundschaft auf den ersten Blick« beginnt erst kurz nach Jacques’ Tod, als sie zufällig den gleichen Zeitungsartikel mit dem gleichen Unverständnis für »neumodische und verrückte Idee[n]« lesen (360). Ab diesem Tag treffen sie sich immer um die gleiche Stunde zum Schachspiel. Zu Anfang sprechen sie nicht viel, doch mit der Zeit entwickelt sich ein immer vertrauteres Verhältnis zwischen ihnen, bis sie sich auch über Privates austauschen.

Der Doktor ahnt, dass den Bezirkshauptmann Sorgen um seinen Sohn beschäftigen, doch kommt es lange nicht zu einer offenen Aussprache. Als Trotta ihm schließlich berichtet, Carl Joseph wolle die Armee verlassen, eröffnet Skowronnek erst einmal eine praktische Erklärung: »Vielleicht steckt eine Frau dahinter?« (366) Er teilt ihm sein Verständnis für diese Entscheidung mit, da ein junger Offizier »mit seinem Beruf nicht zufrieden sein« könne (367). Er konfrontiert Trotta mit der Realität, dass ein Krieg das »Ende der Monarchie« bedeuten müsste und schlägt vor, Carl Joseph könnte stattdessen beispielsweise »bei der Eisenbahn unterkommen« (367). Doch auch er möchte die »Grausamkeit« der Zukunft, die er in den Gesichtern seiner eigenen beiden Kinder sieht, selbst nicht erleben (371). Seine Loyalität gegenüber Trotta beweist er auch, als er diesem, ohne zu zögern, seine Ersparnisse anbietet, um die finanziellen Probleme Carl Josephs zu lösen. Die Summe reicht allerdings nicht aus, und so bringt er ihn auf die Idee, beim Kaiser selbst anzufragen, obwohl ihm das selbst als »zu phantastisch« erscheint (396).

Während des Krieges ist er »vormittags im Garnisonspital, nachmittags im Kaffeehaus« (446). Als Trotta im Sterben liegt, erfüllt er ihm alle Wünsche, die er äußert, er bringt ihm Jacques’ Kanarienvogel, bestellt einen Geistlichen und bringt ihm schließlich das Bildnis seines Vaters. Bei der Beerdigung fühlt sich der Doktor, »Zivilist, der er war«, in seiner Uniform unwohl, er tritt als einer der Ersten ans Grab. Am Nachmittag sitzt er wie immer im Kaffeehaus und spielt »schmunzelnd« eine Partie Schach gegen sich selbst (455). So endet der Roman.

Vorbild der Figur war der Arzt und Schriftsteller Josef Löbel (1882-1942). Vgl. dazu jetzt Peter Voswinckel: Dr. med. Josef Löbel (1882–1942), Franzensbad/Berlin. Botschafter eines heiteren deutschen Medizin-Feuilletons in Wien–Berlin–Prag. Berlin: DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie) 2018.

Slama, Katharina Luise (Kathi)

Frau Slama, genannt Kathi, ist die Ehefrau des Wachtmeisters Slama und lebt mit diesem gemeinsam im Gendarmeriekommando der Kreisstadt W.

Als Carl Joseph in seinem Urlaub bei ihnen klopft, öffnet sie ihm, nachdem sie sich »einen Tropfen Wohlgeruch auf das Kleid getupft« (165) hat, die Tür. Sie teilt ihm mit, der Wachtmeister habe Dienst und bittet ihn herein. Sie bietet ihm Limonade und Zigaretten an und verführt ihn, nachdem sie sich versichert hat, dass er wenigstens dem Alter nach kein Kind mehr ist: »Schon vierzehn vorbei?« (166). Als er einwilligt, gibt sie ein »leises Kichern« (166) von sich, während zugleich die »Tränen […] in ihren Augen« (167) stehen. Sie entkleidet ihn »langsam, gründlich und mütterlich« (167) und als Carl Joseph wieder zu sich kommt, steht sie schon bereit, ihm jedes seiner Kleidungsstücke zu reichen. Die Affäre dauert die ganzen Ferien an und auch danach schreibt Kathi Briefe an ihren Liebhaber, der diese auch beantwortet.

Im Jahr der Ausmusterung Carl Josephs als Leutnant stirbt Frau Slama während einer Geburt. Ihr Mann berichtet, dass diese zwei Tage gedauert habe. Eine Nachbarin sei in der Nacht ihres Versterbens bei ihr gewesen, er selbst habe Dienst gehabt. Seiner Einschätzung nach wäre sie am Leben geblieben, hätte man früher einen Arzt geholt (186).

Slama, Wachtmeister

Steht dem Gendarmeriekommando in der Bezirksstadt W. in Mähren vor. Hoffnung auf eine weitere Karriere macht er sich nicht: »Unsereins bleibt, wo er gewesen ist« (187).

Er erscheint jeden Tag in der Kanzlei des Bezirkshauptmanns, trifft allerdings dessen Sohn Carl Joseph dort nicht an, da dieser eine Affäre mit seiner Ehefrau Kathi hat. Nach ihrem Tod findet er die Liebesbriefe Carl Josephs und bringt sie dessen Vater, der ihm die Anweisung gibt, sie dem Sohn persönlich auszuhändigen.

Er macht sich Vorwürfe, dass er in der Nacht, in der seine Frau starb, nicht da war, weil er Dienst hatte (186). Den jungen Trotta behandelt er bei seinem Kondolenzbesuch höflich und erwähnt sein Wissen um die Affäre mit keinem Wort. Erst als Carl Joseph schon durch die Tür ist, übergibt er ihm noch das Päckchen mit den Briefen, wie der Bezirkshauptmann es angeordnet hat (190).

Jahre später ist er immer noch Wachtmeister der Gendarmerie und ist gemeinsam mit dem Bezirkshauptmann Trotta beim Tod Jacques’ anwesend (280).

Stepaniuk, Jan

Der Unterförster wohnt in der Waldhütte, in der Chojnicki Carl Joseph Trotta unterbringt (433). Er ist ein »alter Mann mit herabhängendem Schnauzbart aus oxydiertem Silber«, der zwölf Jahre gedient hat. Als der Krieg losgeht, liegt er nachts wach und erzählt Trotta, er habe hunderte Raben gesehen, die aus Russland gekommen seien. Am nächsten Morgen versucht er erfolglos, die Raben zu vertreiben. Erst wirft er Steine nach ihnen, dann holt er seine Schrotflinte und erschießt einige, doch der Rest bewegt sich nicht von der Stelle, er hält die Raben für ein Vorzeichen: »Es sind die Propheten unter den Vögeln« (437).

Stransky

Onkel Carl Josephs, der als Kind zweimal im Jahr die Schulferien bei ihm verbringt und Vater von Alexander. Früher ist er Oberleutnant gewesen, hat sich aber in eine Frau niederer Abstammung verliebt, weshalb er von Franz Trotta, seinem Schwager, sehr abschätzig betrachtet wird: »Unheilbar! Die Geschichte war recht fatal. Verliebt war er halt in eine Koppelmann« (180). Als er sie heiratet, kann er die dafür zu zahlende Kaution nicht aufbringen und muss den Dienst quittieren. Sein Schwager Franz Trotta hilft ihm in dieser Angelegenheit trotz den Bitten seiner Frau nicht aus (181).

Er nimmt daraufhin eine Stelle bei der Nordbahn an und ist nun, neunzehn Jahre später, in denen der Bezirkshauptmann ihn nicht gesehen hat, Bahnrat. Am Ende des Romans ist diese Wunde immer noch nicht verheilt, wie es dem Bezirkshauptmann Franz scheint, als er den inzwischen zum Oberbahnrat beförderten Stransky kurz vor dem Tod des Kaisers besucht. Dieser empfängt ihn »verlegen und wehmütig und kalt zugleich« (451).

Stransky, Alexander

Sohn der Stranskys. Er geht auf das Gymnasium und soll, wie der Bezirkshauptmann Trotta zu wissen meint, Apotheker werden (180). Er hinkt stark, für Franz Trotta ist dies »häßlich anzusehen« (451) und hängt seiner Meinung nach wohl mit der unstandesgemäßen Ehe seiner Eltern zusammen: »›Er hat ein kürzeres Bein.‹ ›Naja!‹ schloß der Alte befriedigt, als hätte er schon vor neunzehn Jahren vorausgesehn, daß Alexander hinken würde« (180).

Stransky, Frau

Ist eine geborene Koppelmann und Mutter von Alexander. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen. Als der Oberleutnant Stransky sie heiratet, kann er die hohe Kaution nicht bezahlen, mit der er seinen Offiziersstatus beibehalten könnte. Doch wegen ihrer Liebe nimmt er das Ausscheiden aus der Armee in Kauf (180).

Sie behält Carl Joseph, der zu Schulzeiten zweimal im Jahr bei ihnen zu Besuch gewesen ist, in guter Erinnerung: »Wie er Leutnant war, ist er sofort zu uns gekommen. Er war ein lieber Junge!« (451)

Taittinger , Rittmeister

Ein »sanfter und sehr fauler Offizier« im Regiment der X. Ulanen.

Er ist Stammgast einer Konditorei, in der er regelmäßig seiner Leidenschaft, dem »Genuss von süßem Backwerk«, frönt. Während er dort sitzt und tellerweise Süßes verschlingt, scheint in seinem »großen, mageren Schädel mit den spärlichen Haaren […] einfach gar nichts vorzugehen« (200). Die Hauptaufgabe des Rittmeisters besteht darin, für die Küche zu sorgen, er pflegt eine »ausgedehnte Korrespondenz mit Weinhändlern und Likörfabrikanten« (200). Außerdem führt er bei den regelmäßigen Besuchen des Bordells Resi Horvaths, die von ihm »Liebesmanöver« genannt werden, das Regiment an (207).

Als er Zeuge wird, wie der Rittmeister Tattenbach den Regimentsarzt Demant wegen seines Judentums beschimpft, greift er nicht ein, er schickt lediglich die Ordonnanzen hinaus: »Denn was sollten die Burschen dabei?« (226) Das folgende Duell, das für die beiden Beteiligten tödlich ausgeht, verändert ihn maßgeblich. Der zuvor verschwiegene Rittmeister erträgt auf einmal keinen Moment des Alleinseins mehr: »Er fürchtete die Einsamkeit.« (244)

Tattenbach, Rittmeister

Offizier des X. Ulanenregiments, der eines Nachts den Leutnant Trotta gemeinsam mit Eva Demant sieht und daraus den Schluss zieht, sie hätten eine Affäre. Am nächsten Abend macht er sich, »besoffen, wie gewöhnlich« (224), über Demant lustig, er solle besser auf seine Frau aufpassen. Als Demant ihn einen »Schuft« nennt, beginnt er, wie verrückt »Jud, Jud, Jud!« zu rufen (226). Darauf folgt nach dem Ehrenkodex der Armee ein Duell, das am nächsten Morgen stattfindet und für beide tödlich endet.

Taußig, Valerie von (Wally)

Valerie von Taußig, Witwe des jung verstorbenen Rittmeisters Eichberg, ist eine Bekannte Graf Chojnickis, der ihr im Gegensatz zu mehreren anderen Geliebten aus der Zeit ihrer Ehe keinen Heiratsantrag macht. Sie entschließt sich dazu, den frisch geadelten von Taußig zu heiraten, der regelmäßig von Anfällen heimgesucht wird und dann immer einige Zeit in einer Anstalt am Bodensee verbringt. Sie heiratet ihn aus finanziellen Gründen und liebt vor allem die Zeiten, in denen er krank ist und sie sich unbeschwert mit anderen Männern vergnügen kann (316).

Sie ist 42 und ihre regelmäßigen Affären mit jüngeren Männern sollen sie vor dem eigenen Alterungsprozess bewahren: »Sie stellte dem Alter junge Männer entgegen wie Dämme« (317). Einer dieser jungen Männer ist Carl Joseph Trotta, der sie nach einem Besuch Chojnickis an der Grenze für ein Wochenende nach Wien begleitet. Schon auf der Zugfahrt verführt sie ihn und sein Anblick, sowie die Tatsache, dass er sie Wally nennt, »verjüngte sie« (330), es ist dennoch eine »mütterliche Liebe«, die sie dem Leutnant gegenüber verspürt (319). Sie führt ihn in Wien in die feine Gesellschaft ein und organisiert Plätze für den Fronleichnamszug, den sie bis ins Detail kennt. Beim Abschied nimmt sie ihm mit der Furcht »vor der Jugend der anderen« (330) das Versprechen zur Treue ab, von da an sehen sie sich jedes zweite Wochenende in Wien. Schließlich können sie sich nicht mehr sehen, da sie ihren Mann in der Klinik besucht und Chojnicki, der sie dort besucht, erzählt Carl Joseph daraufhin, sie werde diesmal länger bleiben, da sie »alt geworden« sei (428).

Im Krieg arbeitet sie freiwillig als Krankenschwester in der Irrenanstalt, in der Chojnicki sitzt und lädt für diesen Franz Trotta ein, der ihr Aussehen als das einer »gealterten Frau, die immer noch schön war«, beschreibt (449). 

Trautmannsdorff, Oberleutnant

Wie sich Carl Joseph erinnert, hatte der Oberleutnant beim letzten Bordellbesuch Resi Horvath die ganze Zeit mit »winzigen, flinken, grünlichen Blicken« beobachtet, bis er schließlich zu ihr ging und seine Hand »in den Busen der Frau Horvath« steckte (207). Beim nächsten Besuch wartet er damit nicht so lange, Resi lässt es zuerst über sich ergehen, entfernt aber schließlich seine Hand aus ihrem Ausschnitt, um das Licht zu löschen (208). 

Trotta, Carl Joseph von (Leutnant Trotta)

Der Sohn des Bezirkshauptmanns Franz Trotta und Enkel des Helden von Solferino. Er besucht die Kadettenschule in Mährisch-Weißkirchen, über Weihnachten und Ostern ist er bei seinem Onkel Stransky, nur die Sommerferien verbringt er zu Hause. Jedes Jahr muss er eine dreistündige Prüfung durch seinen Vater, in der er gehorsam Inhaltsangaben von österreichischen Klassikern und militärische Definitionen rezitiert, durchstehen, ehe die Ferien beginnen können (159).

Die Habsburger, allen voran den Kaiser, liebt er »aufrichtig, mit kindlich ergebenem Herzen« (160). Wenn sonntags die Militärkapelle den Radetzkymarsch spielt, stellt er sich vor, wie er für den Kaiser sein Leben opfert. Mit seinen militärischen Fähigkeiten, vor allem dem Reiten, steht es allerdings nicht zum Besten, doch da seine Vorgesetzten von der Heldentat seines Großvaters wissen, schließt er die Schule trotzdem mit guten Ergebnissen ab. So rückt er als Leutnant ins Regiment der X. Ulanen ein und präsentiert sich stolz seinem Vater in seiner neuen Uniform. Doch als er vom Vater erfährt, dass die Frau des Wachtmeisters Slama Kathi, mit der er seit den letzten Ferien eine Affäre hatte, gestorben ist, sind ihm seine Ehren und sein Status auf einmal bedeutungslos. Sein Vater stellt anhand seiner Reaktion fest, dass er wohl ein »weiches Herz« habe (173).

In seinem Regiment fühlt er sich fremd, er sehnt sich nach dem einfachen Bauernleben seiner slawischen Vorfahren (193). Er fühlt sich weder in Gesellschaft seines Dieners Onufrij noch seiner Kameraden wohl, allein mit dem Regimentsarzt Demant, der ebenso eine Außenseiterrolle hat, schließt er Freundschaft. Diese geht jedoch durch Demants Verdacht, Trotta habe eine Affäre mit seiner Frau Eva, in die Brüche (220).

Nach dem Tod Demants versucht er, sich zur Infanterie nach Slowenien, die Heimat seiner bäuerlichen Ahnen, versetzen zu lassen. Als ihm das von höherer Stelle verwehrt wird, entscheidet er sich für ein Jägerbataillon in der Grenzregion zu Russland, der »nördlichen Schwester Sloweniens« (220). Dort beginnt er zu trinken und der Alkohol hilft ihm, sich zu Hause zu fühlen, denn »das Leben wurde leicht, wenn man getrunken hatte« (295). Er bemerkt aber nicht, dass sein Erscheinungsbild immer verwahrloster wird (296). Major Zoglauer toleriert es, da er nicht spielt, doch beginnt er schon bald nach Eröffnung des Spielsalons, für den spielsüchtigen Wagner zu bürgen, wenn dieser sich Geld von Kapturak leiht (305). Als er sogar sein Pferd verkauft und Wagner das Geld innerhalb von Stunden verspielt, schickt Chojnicki ihn mit Valerie von Taußig nach Wien, um ihn »von der Freundschaft mit dem irrsinnigen Wagner zu befreien« (314f.). Er sagt sofort zu, obwohl er Angst hat »vor Wien, und vor der Reise mit einer Frau« (315), aber er spürt, dass eine Veränderung notwendig ist.

Als er in Wien den militärischen Glanz des Fronleichnamszugs sieht, ist er wieder überzeugt, dass an den Untergangsvisionen Chojnickis nichts Wahres sein könnte: »Nein, die Welt ging nicht unter […], man sah mit eigenen Augen, wie sie lebte« (322). Von Wally, wie er von Taußig nennt, lernt er das »Wein trinken« und die Umgangsformen der Wiener Gesellschaft (323). Nach drei Tagen muss er wieder abreisen und zum ersten Mal kommt er auf den Gedanken, gegen das militärische Gesetz aufzubegehren: »Er gehorchte seit seiner frühen Knabenzeit. Und er wollte nicht mehr gehorchen« (328).

Dennoch stimmt er sofort zu, als Major Zoglauer ihm die Aufgabe überträgt, gegen den Streik der Borstenarbeiter vorzugehen (332). Die Situation eskaliert, da er den Befehl gibt zu schießen und er selbst wird verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Nach zwei Wochen ist er wieder gesund und beschließt für sich, aus der Armee auszutreten (339). Er schämt sich aber vor seinem Vater für diese Gedanken und zögert die Entscheidung immer weiter hinaus. Stattdessen fährt er nun regelmäßig nach Wien und trifft sich mit Wally, dafür leiht er sich von Kapturak immer mehr Geld: »Was er geliehen hatte, verschwand hinter dem, was er schuldig war, wie ein Hügel hinter einem Berg« (373).

Eines Tages erfährt er durch ein Telegramm, dass Wally zu ihrem Mann fahre und er nicht nach Wien könne. Er betrinkt sich und verfällt in eine tiefe Depression und wirft sich vor, dass er den Kontakt zu seinem Vater abgebrochen hat und es nicht geschafft hat, die ukrainische Landessprache der Grenzregion zu lernen: »Er war nicht nur ein grundschlechter Charakter, sondern auch ein müder, törichter Kopf. Und kurz und gut: Sein ganzes Leben war verfehlt!« (378f.) In diesem Moment kommt Kapturak herein und verlangt eine Teilzahlung der Schulden, er bedroht seinen Gläubiger mit dem Säbel, schafft es aber nicht, ihn zu töten (382). Um das Geld aufzutreiben, bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Vater zu benachrichtigen. Als er erfährt, dass die Affäre durch den Kaiser beigelegt und Kapturak weg ist, bewundert er sein »phänomenales Glück« (408) und stellt sich vor, mit Wally in Wien zu leben. Obwohl Wally bei ihrem Mann ist, verlässt er die Armee und arbeitet für Chojnicki als Verwalter. Er wird in einem Häuschen am Waldrand beim Unterförster Stepaniuk untergebracht, lernt die Landessprache und wird seinen Ahnen immer ähnlicher: »Er knauserte. Genauso wie sein Großvater […] zählte er mit hageren, harten Fingern harte Silbermünzen«, sogar sein Gang gleicht dem der »Bauern von Sipolje« (433).

Als der Krieg beginnt, wird er eingezogen und rückt mit einem Zug des Jägerbataillons nach Osten. Die Soldaten sind schließlich so durstig, dass sie beim Anblick eines Brunnens alle Vorsicht vergessen. Doch Trotta lässt sie anhalten und geht selbst mit zwei Eimern los, um Wasser zu holen, ohne auf den Gedanken zu kommen, er könnte getroffen werden. Auf dem Rückweg trifft ihn eine Kugel am Kopf und er stirbt »nicht mit der Waffe, sondern mit zwei Wassereimern in der Hand« (445).

Trotta, Franz von (Bezirkshauptmann Trotta)

Der Sohn Joseph Trottas, des »Helden von Solferino«, und Vater von Carl Joseph.

Während er durch das Engagement seiner Mutter schon mit fünf Jahren von einem Privatlehrer unterrichtet wird, erzieht sein Vater ihn zu äußerster Sparsamkeit. Die jährlich gesparten drei Gulden muss er seinem Vater durch Unterschrift quittieren, ohne sie jemals auf das Wiener Pensionat, das er besucht, mitnehmen zu dürfen. Erst mit achtzehn Jahren bekommt er einmal neun Gulden zur freien Verfügung. Den Wünschen seines Vaters, er möge mit den Mädchen achtgeben, da die meisten »krank« seien, und eine Karriere als Jurist einschlagen, fügt er sich gehorsam (153). Sein bester Freund ist der Maler Moser, der ihm bei den Mädchen hat »Kurasch machen müssen«, da er selbst ein rechter »Traumichnicht« gewesen sei, wie Moser später erzählt (179). Während des Studiums ist Franz öfter auf dem Hof seines Vater, bis er schließlich Lust bekommt, statt der Juristenkarriere das Gut zu übernehmen, doch der Entschluss seines Vaters steht fest: »Du wirst ein tüchtiger Beamter, nichts mehr!« (154)

Da die Behörden von den 5000 Gulden wissen, die der Kaiser zu seiner Ausbildung gezahlt hat, ist ihm eine »ständige wohlwollende Beobachtung und Förderung unbekannter höherer Stellen« (154) sicher und seine Karriere geht zügig voran. So wird er, nachdem er erst Bezirkskommissär in Schlesien ist, bald zum Bezirkshauptmann des Bezirks W. in Schlesien befördert und lässt sich für den Rest seines Lebens in der Bezirksstadt W. nieder. Er ist stolz auf seinen Sohn, der Leutnant geworden ist, und offenbart ihm, dass er selbst immer Soldat werden wollte, aber sein Vater es ihm verboten habe. Nun sei er selbst froh, dass Carl Joseph nicht auch Beamter geworden sei (171).

Seine Strenge und Unnachgiebigkeit drückt sich darin aus, dass seine linke Hand »mit lauernder Ungeduld auf die Tischkannte trommelte«, wenn es nicht nach seinem Willen geht (177). Dass Stransky, der Bruder seiner Frau, neunzehn Jahre zuvor eine Bürgerliche heiratete, sieht er als »fatal« an und hilft ihm finanziell nicht aus: »Sie konnten die Kaution natürlich nicht aufbringen. Deine Mutter hätt’ mich beinah dazu gebracht, die Hälfte herzugeben« (181). Auch für seinen Sohn, dessen Freund Demant bei einem Duell ums Leben kommt, hat er kein Mitleid übrig: »Zu meiner Zeit waren Duelle noch häufiger und die Ehre weit kostbarer als das Leben« (245).

Die Sehnsucht seines Sohnes nach der slowenischen Heimat ihrer Vorfahren ist ihm fremd: »Er war ein Österreicher, Diener und Beamter der Habsburger, und seine Heimat war die Kaiserliche Burg zu Wien« (255). Nicht nur in seinem strikt geregelten Alltag sind ihm Unregelmäßigkeiten zuwider, sondern genauso in der Politik. Am meisten hasst er das Wort »Revolution«, welches er in seinem Sprachgebrauch »vollends ausgerottet« hat (271).

Erst als sein alter Diener Jacques krank wird, wird diese Regelmäßigkeit durchbrochen und es kommt dazu, dass der Bezirkshauptmann zum ersten Mal, seit er Beamter ist, »am hellichten Wochentag gar nichts« tut (278). Nach dem Tod Jacques’ besucht er seinen Sohn an der Grenze, um der Einsamkeit zu entgehen, überraschenderweise »erfrischte jede Unregelmäßigkeit sein Herz« (282). So kann er am Ende sogar Chojnickis Einschätzung akzeptieren, dass das Reich dem Untergang geweiht ist: »Er sah die Welt untergehen und es war seine Welt« (293). Der Zustand seines offensichtlich alkoholabhängigen Sohnes bereitet ihm Sorgen und dabei hatte er selbst auf Trost gehofft: »Er war an die Grenze gekommen, um selbst ein bißchen Hilfe zu finden. Denn er war ganz allein in dieser Welt! […] und der Sohn war ebenfalls allein und vielleicht, weil er jünger war, dem Untergang der Welt näher« (297).

Im Alter wird er immer verbitterter, die neuen Diener, die er allesamt mit Jacques anspricht, können das Original nicht ersetzen. Auch die Gesellschaft im Ganzen befindet sich im Niedergang, was er daran festmacht, dass die »Nationalen Minoritäten« sich im Gegensatz zu dem, was er die »staatstreuen Elemente« nennt, in einer »widernatürlichen Weise vermehrten« (356). Durch den Sohn des Kapellmeisters Nechwal bekommt er zu hören, dass selbst in der Armee der Glaube an die Monarchie verloren gegangen sei (359), was jedoch den Schock über das geplante Ausscheiden seines Sohnes aus der Armee nicht mildert. Erst sein Freund Skowronnek bringt ihn dazu, seinem Sohn die Entscheidung selbst zu überlassen, und er legt die »Befehlsgewalt« über seinen Sohn nieder (368). Ab diesem Zeitpunkt hat er selbst nun auch den Glauben in die Monarchie und damit in seinen Beruf des österreichischen Beamten verloren, er erfüllt zwar seine Aufgaben so gründlich wie immer, aber er gleicht einem »Virtuosen, in dem das Feuer erloschen, in dessen Seele es taub und leer geworden ist« (370).

Als er auch noch erfährt, dass sein Sohn wegen einer Schuldenaffäre die Verletzung seiner Ehre hingenommen hat, ist er nahe daran seine Ämter niederzulegen, doch er beschließt diese Schande nicht zu akzeptieren und die Ehre der Trottas wiederherzustellen und spürt dadurch wieder einen Sinn in seinem Leben. Da es ihm nicht gelingt, das Geld aufzutreiben, fährt er nach Wien und organisiert mit Hilfe alter Schulfreunde eine Privataudienz beim Kaiser. Den Freunden erscheint er als eine »Persönlichkeit, nicht einer geographischen, sondern einer geschichtlich entfernten Provinz entstiegen, Gespenst vaterländischer Historie und verkörperte Mahnung des patriotischen Gewissens« (402). Sie bemerken auch, dass er dem Kaiser verblüffend ähnlich sieht, und als er selbst den Kaiser sieht, ist ihm, als »stünde hinter dem Schreibtisch sein älterer Bruder« (405).

Bald nachdem die Affäre erledigt ist, beginnt der Erste Weltkrieg und über den Tod seines Sohnes in den ersten Gefechten kommt der alte Bezirkshauptmann nie hinweg: »Sein Sohn war tot. Sein Amt war beendet. Seine Welt war untergegangen« (447). Der weitere Fortgang des Krieges interessiert ihn nicht, erst als er hört, dass der Kaiser stirbt, fährt er nach Wien und steht beim Tod des alten Kaisers unter den »Leuten des niederen Gesindes« vor dem Schloss von Schönbrunn (451). Drei Tage später stirbt er selbst und sein Freund Skowronnek bemerkt, Trotta und der Kaiser konnten »beide Österreich nicht überleben« (455).

Trotta, Frau

Ehefrau Joseph Trottas und Nichte seines Obersten. Sie wird als »nicht mehr ganz junge, begüterte« Frau (144) und »Tochter des älteren Staatsbeamtengeschlechts« (150) bezeichnet. Sie setzt sich dafür ein, dass ihr einziger Sohn Franz Trotta schon mit fünf Jahre durch einen Hauslehrer Unterricht bekommt. Aufgrund ihrer ständigen Krankheiten raten ihr die Ärzte von einer weiteren Schwangerschaft ab. Sie ist insgesamt »schwach und kränklich« (150) und verstirbt relativ jung, einige Jahre nach ihrem Vater, an den Folgen einer Lungenentzündung (152).

Trotta, Frau

Die Frau des Bezirkshauptmanns Franz Trotta und Mutter Carl Josephs, der sich ihrer nicht erinnern kann. Das Bild von ihr, das im Speisezimmer des Bezirkshauptmanns hängt, bedeutet für den jungen Carl Joseph gemeinsam mit dem Radetzkymarsch »Sommer, Freiheit, Heimat« (161).

Als ihr Bruder Stransky als Oberleutnant die aus niederem Stand stammende Koppelmann heiratet und die dafür fällige Kaution nicht zahlen kann, versucht sie vergeblich ihren Mann dazu zu bringen, die Hälfte des Geldes für ihren Bruder aufzubringen, wie er dem Sohn später berichtet: »Deine Mutter hätt’ mich beinahe dazu gebracht, die Hälfte herzugeben« (180).

Trotta, Joseph von (Der Held von Solferino)

Ursprünglich aus einer slowenischen Bauernfamilie stammend stehen er und seine Nachfahren nach seiner Heldentat bei der Schlacht von Solferino für immer unter dem Schutz des Kaisers Franz Joseph I. In dieser Schlacht befehligt er als Leutnant einen Zug, seine Soldaten respektieren ihn, er gilt als guter Schütze (139). In einer Gefechtspause erscheint der junge Kaiser, um sich ein Bild vom Ablauf der Schlacht zu machen. Trotta weiß, im Gegensatz zum militärisch unerfahrenen Kaiser, dass das Ansetzen eines Feldstechers im Feld unmittelbare Lebensgefahr bedeutet. Deswegen reißt er den Kaiser, als dieser ein Fernglas an die Augen hebt, zu Boden und der Schuss, den er vorhergesehen hat, trifft ihn selbst und zerschmettert sein linkes Schlüsselbein. Er wird daraufhin in ein Sanitätszelt gebracht und man entfernt die Kugel. Nach vier Wochen ist er wieder vollständig genesen (140f.).

Zum Dank wird er zum Hauptmann befördert und erhält den Adelstitel »von Sipolje« (141). Zurück in der südungarischen Provinz, aus der er stammt, fühlt er sich wegen seines neuen Standes fremd. Er beschließt den Vater, mit dem er seit fünf Jahren nur Briefkontakt hat, in Wien zu besuchen. Beim Treffen mit ihm wird ihm allerdings klar, dass er mit seinen »bäuerlichen slawischen Vorfahren« nichts mehr gemein hat (144). Er verlässt den Vater im Guten, aber unter dem festen Vorsatz ihn nie wiederzusehen.

Mit der Zeit gewöhnt er sich an seinen Stand, er reitet jeden Tag zum Exerzierplatz, nachmittags spielt er Schach mit seinem Freund, dem Notar. Er heiratet die Nichte seines Obersten und zeugt mit ihr einen Sohn, Franz. Vom Erzähler wird er als ein »guter Gatte, mißtrauisch gegen Frauen, den Spielen fern, mürrisch, aber gerecht im Dienst« beschrieben, er gilt jedoch als jähzornig (144).

Zufällig sieht er, dass im Lesebuch seines Sohnes die Geschichte der Schlacht von Solferino völlig verfälscht erzählt wird. Darin wird »Joseph Ritter von Trotta«, während er zu Pferd dem Kaiser gegen eine Vielzahl Feinde zur Seite steht, von einer Lanze durchbohrt (145). Er ist fassungslos darüber, dass im Namen des Kaisers gelogen wird, und weder seine Frau noch der Notar können ihn beruhigen. Er entschließt sich, offiziell Beschwerde einzureichen und erreicht schließlich, zu einer Audienz beim Kaiser vorgelassen zu werden. Auch dieser rät ihm, die Sache doch nicht so ernst zu nehmen, doch er kann keine Erklärung dafür akzeptieren und bittet schließlich um seine Entlassung aus der Armee (148).

Er zieht auf das kleine böhmische Gut seines Schwiegervaters, die Geschenke des Kaisers, eine größere Geldmenge und den Titel des Freiherrn, nimmt er entgegen »wie Beleidigungen« (149). Er fühlt sich seinem Vater wieder näher, will ihn aber nicht einladen, da er sich vor seiner Frau für den niedrigen Stand seiner Vorfahren schämt. Gleichzeitig ist er zu geizig, selbst die Fahrt nach Wien auf sich zu nehmen, und darin seinen Vorfahren wieder ähnlich: »Er war ein kleiner, alter slowenischer Bauer, der Baron Trotta« (150). Erst als er Nachricht vom Tod des Vaters bekommt, fährt er mit seinem Sohn zur Beerdigung nach Wien. Zu diesem Zeitpunkt eröffnet er dem Sohn die niedere Herkunft der Vorfahren und den Grund für den Adelstitel (151).

In den folgenden Jahren sterben sein Schwiegervater und seine Frau, er lebt ein ruhiges Leben, doch seine Angestellten spüren sein »zorngeladenes Schweigen« (152). Sein Sohn, den er zu äußerster Sparsamkeit erzieht, bringt einmal einen Freund, den Maler Moser, mit nach Hause. Dieser fertigt ein Porträt Trottas an, was »seit vielen Jahren seine erste Freude« ist (153).

Durch das Porträt wird ihm sein »frühes Alter und seine große Einsamkeit« erstmals bewusst (154). Daraufhin wird er milder, trinkt öfter Schnaps und lädt seinen Sohn und Moser sogar einmal großzügig zum Essen ein. Die Idee seines Sohnes, den Hof zu übernehmen, lehnt er rigoros ab: »Du wirst in deinem Leben kein Bauer und kein Wirt! Du wirst ein tüchtiger Beamter, nichts mehr!« (154) Diesen Willen setzt er auch durch sein Testament durch, in dem er dem Sohn nur das Geld vermacht, den Besitz aber an den Militärinvalidenfond spendet. Seine einzige persönliche Bitte ist, er möge auf dem Friedhof nahe seinem Vater beerdigt werden. Auf dem Grabstein wird ihm der Beiname »Der Held von Solferino« gegeben, mit dem er im restlichen Roman bezeichnet wird.

Schlacht von Solferino: Entscheidungsschlacht im Sardinischen Krieg 1859, die die Niederlage Österreichs besiegelte und so eine Einigung Italiens möglich machte.

Trotta, Vater

Vater Joseph Trottas. Während sein Vater noch ein slowenischer Bauer war, wird er erst Rechnungsunteroffizier, dann Gendarmeriewachtmeister. Bei einer Auseinandersetzung mit bosnischen Schmugglern verliert er ein Auge und lebt von da an als Invalide in einer kleinen Dienstwohnung auf Schloss Laxenburg, wo er als Parkwächter arbeitet (141).

Als sein Sohn ihn nach der Schlacht von Solferino besucht, um ihm von seiner Tat und dem gewonnenen Adelstitel zu berichten, ist er bereits ein alter Mann. Er hat einen großen, weißen Schnurrbart, geht am Stock und raucht Pfeife. Dass der Sohn sich ihm nach den Ehrungen nicht mehr so nahe fühlt, wird dadurch deutlich, dass er mit ihm nicht mehr wie früher Slowenisch spricht, sondern im »harten Deutsch der Armeeslawen« (143). Seine Glückwünsche schränkt er durch die Feststellung ein, in seiner Zeit sei es mit der militärischen Laufbahn »nie so schnell gegangen«, seine Generation hätte noch der »Radetzky gezwiebelt« (143). Als sie beginnen, Schnaps zu trinken, was ihm nicht gut zu bekommen scheint, erzählt er Geschichten aus seiner eigenen Militärzeit, was er, wie der Sohn meint, nur tut, um dessen Verdienste herabzuwürdigen (144).

Als Joseph Trotta sich ihm im Alter wieder näher fühlt und ihm öfter schreibt, antwortet er nur selten. An einem Tag im März stirbt er »schmerzlos […] im Alter von einundachtzig Jahren« (150). Bei der feierlichen Beerdigung auf dem Friedhof von Laxenburg spielt die Militärkapelle und es werden Gewehrschüsse abgegeben.

Wagner, Hauptmann

Hauptmann im Jägerbataillon an der Grenze. Er reagiert mit Begeisterung auf die Eröffnung des Spielkasinos, verliert jedoch von Anfang an mehr als er gewinnt (302). Er verflucht seinen Soldatensold, der ihm nicht erlaube »menschenwürdig« zu spielen (308).

Neben Roulette spielt er Bakkarat, ein Kartenspiel, das wegen seiner schlechten Gewinnchancen verboten und verpönt ist. Doch er hält nichts von Spielen, bei denen man »rechnen und überlegen« muss, er will »unmittelbar mit den Rätseln des Geschicks kämpfen und sie auflösen« (308). Dazu hat er sich die verschiedensten Pläne »der Beschwörung […] des flehentlichen Gebets und der liebestollen Lockung« ausgedacht, wobei die Mitspieler von diesem Aberglauben nichts wissen durften, die Karten bekämen sonst »sozusagen Wind von seiner List und hatten Zeit zu fliehen« (307f.).

Wagner hat mehr und mehr Schulden bei Kapturak, der immer Carl Josephs Unterschrift als Sicherheit verlangt, bis dieser sogar sein Pferd an Chojnicki verkauft, um Wagner aus den Schulden herauszuhelfen. Dieser verspielt das Geld jedoch wieder innerhalb von kürzester Zeit. Er nimmt sich zwar danach fest vor, mit dem Spielen aufzuhören, doch hält nicht lange durch und als er erneut einen hohen, durch Trotta gedeckten Betrag verspielt hat, erschießt er sich im nahe gelegenen Grenzwald. In seinem Abschiedsbrief hinterlässt er Trotta einen »herzlichen Gruß« (340).

Winternigg, Herr von

Reicher Gutsbesitzer in der Bezirksstadt W. Er lebt in einem Schloss und besitzt ein großes Jagdrevier. Er wirkt »klein, alt und kümmerlich« und lässt sich von seinem Kutscher durch die Stadt fahren, wobei er die Aufmerksamkeit, die er bei den Einwohnern weckt, ignoriert: »Unbewegt fuhr er durch ein Meer von Grüßen« (157).

Er ist der reichste Mann im Ort und der Einzige, von dem sich der Bezirkshauptmann Trotta Geld leihen könnte, um die Schulden seines Sohnes zu tilgen. Jedoch gilt er als »Unmensch« (395), erscheint Trotta »winzig und gelb« und während Trotta sein Anliegen vorträgt, kommt es ihm so vor, als rede er mit einem »alten, dürren Vogel, der die menschliche Sprache« nicht versteht (397). Nachdem von Winternigg sich die ganze Geschichte angehört hat, bemerkt er nur tonlos, es sei »Sehr bedauerlich«, er besitze jedoch kein Bargeld (398).

Zschoch, Rittmeister Graf

Rittmeister im Dragonerregiment an der Grenze. Da Chojnicki in dem Jahr nicht kommt, der sonst für Feierlichkeiten sorgt, kommt er auf den »genialen« Einfall, ein Sommerfest zu veranstalten, das zugleich als Probe für das hundertjährige Jubiläum des Regiments dienen soll. Er plant das Fest gemeinsam mit Oberst Festetics, mit dem er häufiger in Streit gerät, beispielsweise als dieser die Einladungen nicht »zuerst an die vornehmsten« verschicken will, woraus Zschoch eine »blutmäßig bedingte demokratische Neigung« des Obersten ableitet (411).

Als Major Zoglauer das Fest wegen der Nachricht vom Tod des Thronfolgers abbrechen lassen will, fühlt er sich persönlich beleidigt und zweifelt die Wahrheit der Nachricht an.

Zoglauer, Major

Major eines Jägerbataillons an der östlichen Grenze des Habsburger Reiches, in das Carl Joseph Trotta sich nach dem Tod seines Freundes Max Demant versetzen lässt. Er dient schon über zehn Jahre an der Grenze und toleriert Carl Josephs Alkoholsucht: »Macht nichts, es ging vorüber! – Der Schnaps war billig. Die meisten gingen nur an den Schulden zugrunde« (296). Trotz dieser kritischen Einstellung gegenüber dem Glücksspiel unternimmt er nichts gegen den Besuch der Offiziere im neuen Spielcasino.

Als Hauptmann Jedlicek wegen Spionage festgenommen wird und Trotta nicht für dessen Schulden bei Kapturak aufkommen kann, verzweifelt er über das Unheil, das sich über dem Bataillon häuft (387). Auch wegen der Entscheidung Trottas, aus der Armee auszuscheiden, gerät er in »Aufruhr«, akzeptiert sie jedoch (427). Er stirbt schließlich, nachdem er dem Vater Carl Josephs dessen Tod mitgeteilt hat, selbst im Laufe des Kriegs (447).

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